Handyverbot in Flugzeugen: Belege für Gefährdung der Flugsicherheit fehlen

31. Dezember 2012, 18:14
  • Über den Wolken ist die Freiheit von Kindle, iPad und Co. derzeit alles andere als grenzenlos.
    foto: apa

    Über den Wolken ist die Freiheit von Kindle, iPad und Co. derzeit alles andere als grenzenlos.

Nach mehreren Passagier-Vorfällen - US-Luftfahrtbehörde prüft das Verbot

Im September war ein Flugpassagier im texanischen El Paso verhaftet worden, nachdem er sich geweigert hatte, sein Handy während der Landung auszuschalten. Im November umzingelte ein halbes Dutzend Polizeiautos einen Flieger am La Guardia-Flughafen in New York, wieder weil ein Fluggast sein Telefon nicht abstellen wollte.

Angst trotz fehlender Beweise

Es sind dies nur zwei von zahlreichen Vorfällen, bei denen die Besitzer elektronischer Geräte der Härte des Gesetzes oder anderer Mitfliegender ausgesetzt wurden. 2010 schlug ein 68-Jähriger einen Teenager in der Überzeugung, das Flugzeug vor einem möglichen Absturz zu bewahren. Ein Jahr später wurde Schauspieler Alec Baldwin von Bord geschmisssen, weil er mit Freunden auf seinem Smartphone "Words with Friends" spielte, während die Maschine noch am Gate wartete.

Obwohl der US-Luftfahrtbehörde FAA nach wie vor handfeste Beweise dafür fehlen, dass Telefone, Tablets und Co. tatsächlich eine Gefahr für die Bordelektronik darstellen, ist der Betrieb dieser Devices mit genau dieser Begründung während des Fluges untersagt.

FAA wechselt Argumentation

New York Times-Journalist Nick Bilton beschäftigt sich schon länger mit dieser Problematik und vergleicht das Verhalten der FAA in dieser Frage mit einem störrischen Jugendlichen. Das Verbot wurde ihm vor einem Jahr noch damit begründet, dass man eben noch nicht sicher wissen, dass durch die Nutzung dieser Geräte keine Gefahr entsteht und Passagiere bei Start und Landung außerdem aufmerksam sein sollten.

Ein anderer Vertreter der Behörde lieferte auf die Anfrage, warum man dann zwar ein gedrucktes Buch, aber kein E-Book lesen könne, wiederum eine andere Antwort. Er hielt fest, dass bereits ein iPad oder Kindle genug elektromagnetische Emissionen freisetzen würde, um den Flug zu gefährden. Wenige Wochen später kündigte die FAA an, ihre Piloten mit iPads anstelle schwerer Handbücher auszustatten.

Wiederum änderte sich die Argumentation. Nun hieß es, dass es eben einen Unterschied macht, ob zwei iPads oder 200 gleichzeitig im Betrieb wären. Was prompt von Wissenschaftlern bestritten wurde, da sich elektromagnetische Energie nicht einfach addieren lässt.

Evaluation läuft

Nach monatelangem Druck aus der Öffentlichkeit kündigte die FAA letztlich im Oktober an, die aktuell geltenden Richtlinien bezüglich elektronischer Geräte zu evaluieren, ohne allerdings einen Zeitrahmen zu nennen. Laut einer Sprecherin wird sich im Januar erstmals ein Komitee treffen, um gegebenenfalls neue Richtlinien zu erarbeiten.

NASA findet keine Beweise für Gefahr

In einem von der NASA erstellten Jahresreport werden mehrere Fälle von Problemen an Bord beleuchtet, bei denen elektronische Geräte im Spiel waren. Bei keinem einzigen konnte ein wissenschaftlicher Nachweis erbracht werden, dass ein solches Device den Betrieb des Flugzeugs stören könnte. Berichte über entsprechende Interferenzen sind bislang bloße Spekulation der Piloten.

Druck von FCC und Politik

Auch von anderen Seiten erfährt die FAA druck. Julius Genachowski, Chef der staatlichen Prüfkommission FCC, die für die Zulassung neuer Elektronikgeräte zuständig ist, stellt in einem Brief an die FAA fest, dass man dort in der Verantwortung stehe, mehr Nutzung von "Tablets, E-Readern und anderen tragbaren Geräten" zu ermöglichen. Denn dies würde es auch "kleinen und großen Betrieben ermöglichen, produktiver und effizienter" zu sein, was der Wirtschaft zu Gute käme.

Die demokratische Senatorin Claire McCaskill kündigte gar die Prüfung auf weitere Schritte des Gesetzgebers an, sollte die FAA sich bei ihrem Vorgehen zu viel Zeit lassen.

Signalwirkung

Sollte die FAA letztlich die Flugsicherheitsrichtlinien überarbeiten und den Gebrauch von Tablets, Smartphones, E-Readern und anderen Geräten freigeben, dürfte dies freilich auch Signalwirkung für die zuständigen Stellen in Europa haben, die Zügel zu lockern. (red, derStandard.at, 31.12.2012)

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Wird dieses Märchen von den Fluggesellschaften nicht aufrechterhalten,

damit die Leute auch brav auf kostenpflichtige Dienste wie WLAN an Bord zurückgreifen?

Wenn Flieger dermaßen sensibel für Handy- und sonstige Strahlung wären und sofort abschmieren würden, wie können sie dann überhaupt von Mutter Erde abheben, wo solche Strahlung nunmal omnipräsent ist?

Magie!

Absturz durch Notebook!

Ein fast schon legendärer Cartoon:

http://www.heise.de/ct/schlag... /gross.jpg

:-)

Mir hat eine Flugbegleiterin mal berichtet, dass man das Handy ausschalten soll bzw. Flugmodus, damit man die Sicherheitsbelehrungen aufmerksam verfolgt.

Doch mit dem Einzug der Smartphones (Musik, spielen, etc...) ist das halt noch schwieriger geworden.

Im Flugzeug schalte ich immer auf Flugmodus und ich bin sogar einer von den wenigen, der das Handy in der Nacht abdreht ;-)

die kleinen fernseher (auf einem flug wars so ein archos gerät) die man in älteren fliegern bei transkontinental flügen in die hand gedrückt bekommt stellen kein problem dar?

manchmal frag ich mich echt...

anscheinend machts telefonieren süchtiger als das rauchen, denn das funktioniert ja schon bei flügen, dass man eben nicht raucht.

also ein dauertelefonierer auf einem 3 stunden flug ist schon eine arge belästigung!

Mit dem Unterschied, daß der Rauch andere belästigt. Ein Telefon aber niemanden. Wenn es um die Unterhaltung geht, dürfte niemand zu zweit fliegen. Und Kleinkinder sollten überhaupt eingecheckt werden.

das lächerlichste ist dass die ganze welt sich hier wieder mal an die idiotischen regeln der amis hält

das ein handy ein flugzeug zum absturz bringen kann ist ungefähr so wahrscheinlich wie dass ein zug entgleist wenn man seinen ipod anschaltet

dieses verbot war doch von anfang an kompletter humbug, evtl nur zur unterstützung von kostenpflichtigen und damals sehr teuren flugzeug-telefonen

JA die Verbote im Flugverkehr grenzen schon manchmal an´s lächerliche

In Europa darfst du nicht ins Flugzeug einsteigen wenn du mehr als 100ml Flüssigkeiten mit hast. In den USA steigen sie mit ganzen Literflaschen ein.
Mit mehr als einen Feuerzeug kommt man auch nicht ins Flugzeug, warum ist das so? Ist dann das Flugzeug zu schwer und kann nicht abheben?

Ich warte schon auf den nächsten Schritt der kann nur lauten das beim Starten und Landeanflug das Reden und Atmen einzustellen ist.

Wie gut, dass es die Bahnalternative gibt

Mit den schnellen Verbindungen brauche ich gewisse Strecken innerhalb Europas nicht mehr zu fliegen und vor allem nicht vorher meine Handtasche komplett leeren und "kontrolltauglich" machen.

Im Zug ist es egal, ob ich eine Flasche Mineralwasser und eine Nagelfeile mithabe. Und ich muss nicht mal 5 min. früher da sein und fahre bequem gleich ins Stadtzentrum.

Man nehme einen Zug in Barcelona. Gepäck wird dort auch gescannt.

das mit den literflaschen...

da gehts eigentlich um die sicherheitskontrolle... alles was danach gekauft wird, stellt kein problem dar - blöderweise gibts bei uns nach der letzten sicherheitskontrolle kaum mehr möglichkeiten, groß einzukaufen - in US&A gibts da noch alles - so kommts halt vor, dass man im flugzeug ein mädl mit einer 12'' pizza und 0,75l cola-becher am nachbarsitz vorfindet - zugegeben ein kleiner kulturschock ;)

zurück zum thema - ein äußerst kommunikativer amerikaner erklärte mir auf einem flug von las vegas nach new york, das verbot habe eher mit dem schutz der unterhaltungselektronik der passagiere zu tun, da die strahlung des ILS die feine elektronik grillen könnte... beim us-recht und den möglichen klagen sogar plausibel ;)

Also die medallenen Sportflaschen die sie aus ihren rucksäck genommen haben

haben sie sicher nicht im Duty Free gekauft. Auserdem werden die Duty Free einkäufe in eignene Plastick Sackerl an das Flugzeug geliefert.

Es geht mir nur darum das man von uns sachen verlangt die sie bei der eigenen bevölkerung nicht durchbringen.

In Frankfurt beispielsweise kann man sich nach der Sicherheitskontrolle noch allerlei nettes Zeug kaufen...sicherlich nicht brennbaren Vodka zum Beispiel...

genau daran erkennt man die scheinheiligkeit dieser schwachsinnigen regelungen. noch dazu wo wasser in den geräten bei der sichehrheitskontrolle wohl eindeutig als wasser idenifizierbar ist.

Zugegeben: Wenn die das Klatschen nach der Landung verbieten würden ...

unabhängig davon, ob das handy nun wirklich eine gefahrenquelle ist oder nicht - lächerlich dass die leute jetzt schon so weit gehen und sich weigern, ihr handy für ein paar minuten wegzulegen!

Naja, wenn man den Sinn hinter der Maßnahme nicht einsieht, dann fragt man wahrscheinlich schon: "Warum?"

Außerdem: Wenn man auf einem stundenlangen Flug die Zeit totschlagen will und dann nicht zwischendurch irgendein Game auf dem Smartphone spielen darf, ist das schon sehr nervig.

ich hab für jeden flug immer meinen gameboy dabei, da brauch ich doch kein handy.

und selbst wenn keine gefahr nachgewiesen wurde, herausfordern müss mas auch nicht unbedingt

Da würd ich aufpassen...ein Freund von mir musste bei der Sicherheitskontrolle sein gesamtes Handgepäck ausräumen, weil darin ein alter Gameboy und ca. 5 kleine Rechtecke mit Drähten gesehen wurden...

ich musste wegen einer handgranate alles ausräumen...

war dann aber doch nur ein blasebalg zum reinigen von kamerasensoren...

darf man ja..

.. nur nicht während Start und Landung.
Dazwischen ist es egal, solange das Ding im "Flugmodus" betrieben wird, was praktisch jedes Handy kann.

bei einem eineinhalb stunden flug dauern "start" und "landung" eine stunde. wenn man mehrmals die woche fliegt, dann sind das relativ viel vergeudete stunden, v.a. wenn man noch die verlorene zeit bei check-in, "sicherheitskontrollen", wartezeit am gate, etc. hinzuzählt.

als tw vielflieger verstehe ich den antrieb, wenigstens einen teil der zeit sinnvoll zu nutzen bzw. diese vollkommen unnötigen verbote zu hinterfragen.
gilt auch für die völlig absurden und willkürlichen "sicherheitskontrollen".

gibts auch ein verbot, dass flugzeuge nicht über mobilfunkmasten fliegen/landen dürfen?

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