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Warschau/Wien - In Polen tobt eine Kontroverse über eine provokante Installation des italienischen Starkünstlers Maurizio Cattelan. Im Warschauer Ghetto stellte Cattelano eine Statue aus, die Hitler kniend im Gebet zeigt. "Lui" ("Er") heißt die 1,10 Meter hohe Skulptur des in einen grauen Anzug gehüllten Mannes mit Hitler-Bart und gefalteten Händen, die bereits Scharen von Besuchern ins Ghetto gelockt hat.
Wegen der kleinen Dimension der Statue kann Hitlers Figur mit jener eines kleinen Kindes verwechselt werden. "Die Installation will hervorheben, dass jeder Kriminelle einst ein unschuldiges und schutzloses Kind war", so Fabio Cavallucci, Direktor des Zentrums für zeitgenössische Kunst, das die Statue installiert hat. Cavallucci versicherte, dass Cattelan keineswegs die jüdische Gemeinschaft provozieren wolle: "Es handelt sich um ein Werk, das vom Bösen spricht, das sich überall verbergen kann."
Die Installation ist Teil einer Retrospektive von Cattelans Werke, die "Amen" heißt. Thema der Retrospektive ist die Polarität zwischen Leben und Tod, Gut und Bösen. Die anderen Werke der Retrospektive befinden sich im Zentrum für die zeitgenössische Kunst mit Sitz im Schloss Ujazdowski.
Das Simon-Wiesenthal-Center in Jerusalem kritisierte die Installation als "sinnlose Provokation", die die jüdischen Opfer des nationalsozialistischen Regimes beleidige. "Das einzige Gebet Hitlers war, alle Juden weltweit vernichten zu können", kritisierte der Direktor des Zentrums, Efraim Zuroff.
Anders äußerte sich Polens Oberrabbiner Michael Schudrich. Seiner Ansicht nach habe die Installation einen erzieherischen Wert. Das Zentrum für zeitgenössische Kunst habe ihn vor der Installation kontaktiert und er habe keine Einwände erhoben: "Der Künstler will moralische Fragen aufwerfen, indem der die Zuschauer provoziert."
Cattelan verteidigt sich im Interview mit der römischen Tageszeitung "La Repubblica" am Sonntag gegen internationale Kritik an seiner Statue: "Meine Installation ist nicht provokant, sondern spirituell. Ich habe das Ghetto besucht, das einen sehr starken Eindruck auf mich gemacht hat. Ich habe an die Geste Willy Brandts gedacht, der 25 Jahre nach dem Zweiten Weltkrieg in Warschau vor dem Monument in Andenken an die Opfer der Shoah kniete. Von hier aus hat mein Dialog mit diesem Ort begonnen. Hitler ist für mich das Bild der Angst. Ich wollte niemanden verletzen, sondern einen Dialog mit der Stadt durch mein Werk führen. Keines meiner Werke ist mit provokativen Absichten entstanden".
Der 51-jährige Cattelan ist für seine provokativen Werke international bekannt. Für Eklat und Entrüstung sorgten etwa 2004 drei lebensgroße Figuren gehenkter Kinder, die drei Tage lang an einem großen Baum auf einem Mailänder Platz baumelten. Er positionierte im vergangenen Jahr einen elf Meter hohe "Stinkefinger" vor dem Eingang der Mailänder Börse, auch der sorgte für hitzige Diskussionen. Und im Jahr 2000 hatte er schon in Warschau in der renommierten Galerie "Zacheta" für eine große Kontroverse gesorgt - mit einem Kunstwerk, das Papst Johannes Paul II. am Boden liegend und von einem Meteoriten getroffen darstellt. (APA, 30.12.2012)
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Mir scheint es im Grossteil der Cattelanschen Arbeiten handelt es sich um Galerien- bzw. um Museumskunst. Hier kann seine Kunst schön aufgehen, wie manche Sylvesterraketen gestern Nacht. Dass er denkt, er mache spirituelle Kunst, sei ihm eingestanden, dass er keine Provokation beabsichtigt, geglaubt. Dass er die Dimension des Ghettos verkennt und mit seiner Intervention -für mich zumindest- allerhöchstens einen Rohrkrepierer erzeugt, hilft weder der Sache (eine angemessene Aussage über die Shoah zu treffen, wenn das überhaupt möglich ist), noch ihm selbst. Die kleine Figur des betenden Hitler ist Museumskunst, dort scheint mir ihr angestammter Platz.
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