Der bald verbotene laute Knall: Der Schweizerkracher

Kopf des Tages
  • Zwischen Tradition und Tinnitus: der Schweizerkracher.

Kaliumperchlorat und Aluminiumpulver: Diese Mischung raubt vielen Menschen und Tieren rund um den Jahreswechsel den letzten Nerv

Kaliumperchlorat und Aluminiumpulver: Diese Mischung raubt vielen Menschen und Tieren rund um den Jahreswechsel den letzten Nerv. Denn die beiden Chemikalien ergeben im Verhältnis 75 zu 25 einen sogenannten Blitzknallsatz - und wird der in ein Kartonröhrchen verpackt und mit einer Reibfläche versehen, hat man einen "Schweizerkracher".

Warum die pyrotechnischen Gegenstände so heißen, ist unklar - vor allem, da sie auch unter dem Begriff "Piraten" bekannt sind. Ebenso unbekannt ist, wann und wo sie das erste Mal aufgetaucht sind. Vermutungen nach wurden sie bereits im 19. Jahrhundert produziert.

Der Brauch, das Ende beziehungsweise den Beginn des Jahres laut zu feiern, ist allerdings nicht neu. Das Vertreiben der bösen Geister wird besonders im Alpenraum mit Peitschenknallen zelebriert, auch Böllerschüsse donnern schon länger übers Land.

Sicher ist aber, dass die Zeit der Schweizerkracher 2013 abzulaufen beginnt. Denn ab dem 4. Juli dieses Jahres gilt in Österreich ein Verkaufsverbot dieser pyrotechnischen Gegenstände der Klasse F2. Der Illusion, dass man den folgenden Silvester in Ruhe und Frieden verbringen kann, braucht man sich jedoch nicht hinzugeben. Denn der Besitz und die Verwendung der Knallkörper bleibt weitere vier Jahre erlaubt.

Apropos erlaubt: Eigentlich dürfte es nur auf dem freien Land laut werden. Denn die Verwendung der Schweizerkracher ist im Ortsgebiet - außer mit Ausnahmegenehmigungen des Bürgermeisters - verboten.

Denn die Dinger sind aus mehreren Gründen nicht ungefährlich. Erstens sind sie laut: Durch den Knall bei der Explosion können Gehörschäden entstehen. Und wer bei einer Mutprobe oder im Rausch den Schweizerkracher zu lange in der Hand hält, beginnt das neue Jahr aufgrund der Sprengwirkung möglicherweise mit ein paar Fingern weniger.

Zu einem Massenansturm auf die Spitalsambulanzen dürfte die lautstarke Silvestertradition dennoch nicht führen, wie aus der Antwort von Gesundheitsminister Alois Stöger auf eine parlamentarische Anfrage hervorgeht: Zwischen 100 und 200 Personen müssen jährlich aus feuerwerkskörperbedingten Ursachen ins Krankenhaus kommen, schätzt man im Gesundheitsministerium - das wären zwischen 0,01 und 0,03 Prozent aller Freizeitunfälle. Ski zu fahren ist demnach deutlich gefährlicher, als zu böllern. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 31.12.2012/1.1.2013)

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