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Pürstl sprang stets mit weit geöffnetem Mund. "Keine Ahnung, wieso." Später arbeitete er als Kameramann für diverse kanadische Sender, aber auch für Ihre Majestät, die Königin.
Ottawa/Wien - Die Indianer demonstrieren. Mehr als tausend sind es, die sich vor dem Parlament in Ottawa versammelt haben, um gegen ihre katastrophalen Lebensbedingungen und Restriktionen durch kanadische Gesetze zu protestieren. Ihretwegen hat sich Willi Pürstl auf den Weg gemacht, und weil ihn Adam Beach darum bat. Adam ist selbst indianischer Abstammung und einer der bekanntesten Schauspieler Kanadas ("Flags of our Fathers", "Cowboys & Aliens").
Pürstl, mit Beach seit langem befreundet, soll die Demo filmen. Das Parlament war jahrelang sein zweites Büro, da hatte er als Kameramann und Produzent des TV-Senders Chum TV vor allem kanadische Innenpolitik zu covern. Den Weg kennt Pürstl fast auswendig, er fährt dennoch langsam, schließlich hat es endlich zu schneien begonnen in Ontario, etwas später als üblich.
Willi Pürstl (57) hat es weit gebracht, in mehrfacher Hinsicht. Der erste Schritt war jener von der 1000-Einwohner-Gemeinde Schöder, Bezirk Murau, nach Stams bei Innsbruck. Für einen Steirerbuam, so talentiert er auch war, war der Besuch des Skigymnasiums schon insofern keine Selbstverständlichkeit, als es erst kurz zuvor aufgesperrt hatte. Pürstls Vater, als Gemeindesekretär kein Spitzenverdiener, hatte mit Mühe das Schulgeld aufgebracht. Willi hatte noch drei Brüder und eine Schwester.
In Schöder gab es eine kleine Schanze und ein großes Vorbild. Willi Egger aus Murau nahm 1956 als Kombinierer und 1960 als Springer an Olympia teil, die Vierschanzentournee 1961/62 beendete er als Zweiter. Pürstl hatte beim Wintersportverein Murau just mit alten Skiern von Egger begonnen. "Sie hatten keinen Belag, waren zu lange. Der Vater hat sie mir hinten abgeschnitten."
Karl Schnabl und Pürstl waren die ersten Springer in Stams und klarerweise Zimmerkollegen. Das Skigymnasium war im ersten Jahrzehnt nicht unumstritten, weil die ersten der nun unzähligen Erfolge eine Zeitlang auf sich warten ließen. Auch für Willi Pürstl sah es nicht gut aus, damals, im November 1974. Er stürzte nach einem Trainingssprung beim Abschwingen, brach sich ein Schulterblatt. Sein Oberkörper steckte in Gips, und es hieß, die Tournee könne er sich aufzeichnen. Doch Anfang Dezember kam der Gips herunter, und Mitte Dezember kam Pürstl in Form. Knapp vor Weihnachten qualifizierte er sich für die erste der vier Schanzen. Er war keine 20 Jahre alt, hatte soeben erst den Sprung in den A-Kader geschafft.
Oberstdorf, 29. Dezember 1974. Baldur Preiml, der Cheftrainer, weckt die Springer. Sie drehen gleich in der Früh eine Laufrunde, jeder für sich. Die Sonne kommt heraus, Pürstl hält inne, blickt rauf zur Schanze. " Plötzlich wusste ich, es wird was gehen." Am Ende hatte er den ersten, einzigen großen Sieg seiner Karriere gelandet und die Basis zum Tournee-Gesamtsieg gelegt, den er mit zwei fünften Plätzen und einem sechsten Platz perfekt machte. Schnabl nützten drei Tagessiege nichts, er war in Oberstdorf als 35. abgestürzt, wurde Dritter hinter Pürstl und Edi Federer.
Pürstl hatte geschafft, was Egger verwehrt geblieben war, den zweiten Gesamtsieg nach Bubi Bradl (1953). Und Österreich hatte zum ersten Mal dreifach gesiegt, was erst wieder 2012 (Schlierenzauer, Morgenstern, Kofler) gelingen sollte. In den 70ern war bald und erstmals vom " Skisprung-Wunderteam" die Rede, neben Schnabl taten sich die Herren Innauer, Lipburger, Wallner, Gürtler, Wanner, Bachler und Pungg hervor. Wenig später sollten Neuper und Kogler dazustoßen.
Allein Pürstl scheiterte oft schon an der internen Konkurrenz. "Meine 76 Kilo waren ein echtes Handicap." Sein Spitzname "Jumbo" kam nicht von ungefähr. Vor Olympia 1976 befand sich Jumbo in ähnlich guter Form wie Schnabl, doch die Deutschen protestierten erfolgreich gegen Pürstls revolutionäre Bindung. Mit dem herkömmlichen Material kam er nicht zurecht und flog aus dem Team. An den Erfolg von 1974/75 ließ sich nicht mehr anknüpfen. Als Pürstl 1980 aufhörte, blickte er auf neun Top-10-Plätze im Weltcup zurück, doch nur einmal war er auf dem Stockerl gestanden, 1974 in Oberstdorf.
Spaniens Verband verpflichtete Pürstl als Trainer, er übersiedelte an die Costa Brava, übernahm ein Team, das "aus Kindern bestand". Vier Jahre später sprang eines der Kinder in Seefeld auf den 16. WM-Platz, eine kleine Sensation. 1984 wechselte Pürstl als Cheftrainer nach Kanada. Horst Bulau und Steve Collins waren ins Formtief gerutscht, daran konnte der neue Coach nur partiell etwas ändern. Immerhin wurde Bulau 1988 in Calgary Olympia-Siebenter.
"Ich habe mich in die Stadt Ottawa verliebt", sagt Pürstl. So blieb er dort, schlug Angebote aus den USA und Italien aus. Ein österreichischer Freund arbeitete als Kameramann in Kanada, an ihm nahm sich Pürstl ein Beispiel. Nach kurzer Ausbildung hatte er sein erstes Bewerbungsgespräch, tags darauf hatte er seinen ersten Vertrag. Er reiste viel, berichtete aus dem Jugoslawienkrieg, berichtete aus Miami, als dort zu Beginn der 90er mehrere Touristen ermordet wurden.
Pürstl hat zwei Kinder aus seiner ersten Ehe mit der Kaprunerin Helma, Christopher (33) und Nina (32), und einen weiteren Sohn aus der zweiten Ehe mit der Kanadierin Terry, Wesley (16). Auch Helma ist wieder verheiratet, die beiden Familien verstehen sich prächtig, sind eigentlich eine Familie, die erste Frau ist Taufpatin des dritten Kindes. Weihnachten wurde gemeinsam bei Pürstls gefeiert. "Das Leben ist zu kurz", sagt Willi, "um zu streiten."
Seit 2001 ist Pürstls rechte Hüfte eine künstliche, er wurde Chefproduzent, baute nebenbei seine eigene Firma (Skyfly Productions) auf. Dieses zweite Standbein erwies sich als Glücksfall, da Pürstl nach einer Senderzusammenlegung zwar gut, aber eben doch abgefertigt wurde. " Ich hatte sofort meine ersten Aufträge", und mittlerweile laufen die Geschäfte "besser denn je". In Ottawa ist Pürstl eine kleine Berühmtheit. Vor fünf Jahren, als Arnold Schwarzenegger auf Staatsbesuch kam, traf der ehemalige Skispringer den damaligen Governor von Kalifornien. Pürstl: "Sehr nettes Plaudern in sehr breitem Steirisch." Als offizieller Kameramann der königlichen Familie hat er die Queen ebenso durch Kanada begleitet wie ihren Enkel William und dessen Frau Kate. "Ganz normale Menschen, mit denen du eine Mordsgaudi haben kannst."
Diese Bekanntschaften sind ihm schon wichtig, allein des Geschichtenerzählens wegen, aber viel wichtiger sind ihm Freunde und Verwandte. Jeden zweiten Tag telefoniert er mit seiner 90-jährigen Mutter, beinah jedes Jahr fliegt er in die alte Heimat. Skispringen, auch die Tournee, verfolgt er via Internet. Mit Karl Schnabl ist er in E-Mail-Kontakt, der Ex-Zimmerkollege hat für den Sommer seinen Besuch angekündigt. Pürstl ist längst Kanadier und wird es bleiben, obwohl ihm die Berge fehlen. Im Herzen, sagt er, bleibt er natürlich auch Österreicher. "Once a Murtaler, always a Murtaler!" (Fritz Neumann, DER STANDARD, 31.12.2012)
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das bekannteste Beispiel hatte davor bestenfalls Stroh im Sack, jetzt doch eher was besseres... Dass das für den Rest der Gesellschaft net unbedingt gut ist, ist eine andere Frage, genauso, ob der auch glücklich mit dem erreichten ist, dieser Altersaktionismus zeugt ja doch fast schon von einer Getriebenheit.
ja, ganz nett,
vor allem, weil die Storys durchgehend positiv "gestylt" sind
bemerkenswert: vor 1974 hat nur EINMAL ein Österr. die Vierschanzentournee gewonnen...
und heute gibts Wehklagen, wenn ein Österreicher
Zweiter wird, na ja, man wird halt verwöhnt
Liegt erstens daran, dass die Österreicher zuvor lange Zeit im Niemandsland (mit Ausnahme von Bachler, der aber meistens die Nerven wegwarf) waren und die Gründer generell mit der Terminisierung der Tournee einen genialen Coup landeten, obwohl es denen vielleicht damals gar nicht so bewusst war.
Die Weihnachtsferien gehörten einfach den Schispringern.
Und so medial übersättigt wie heute waren wir natürlich auch nicht. Da blieben einzelne Sportler viel eher in Erinnerung.
Nur wen außerhalb Wiens (von mir aus außerhalb Österreichs) hat das wirklich interessiert? Das Neujahrsspringen wurde sogar in England und Holland übertragen.
Aber gut: Tradition hatte es schon. Am 25.12. begann das Grazer Turnier (bis zum. 27.12) und dann am 26.12 (ungefähr bis Dreikönig das Wiener Turnier). Waren tolle Zeiten damals.
Die Alpinen hatten jedenfalls größtenteils Pause und stiegen erst so gegen Dreikönig ein. Bormio und der Semmering kamen erst viel später.
Hihi, auf Wikipedia steht:
"Rathmayr war für seinen charakteristischen Sprungstil bekannt, der sich durch zahlreiche Korrekturen mit den Händen und Fingern während der Flugphase kennzeichnete und ihm den Beinamen "Pianist der Lüfte" einbrachte."
Was nicht dort steht: Seine Karriere dürfte wohl ein "Team-Bungee-Jump" (bei einem Showevent, glaube ich) zusammen mit seinen Kollegen gekostet haben, als er irgendwo hängenblieb und sich was dabei brach.
Rathmayr war ein Klassespringer (und -flieger), heute wirkt er etwas verwirrt...
http://youtu.be/utPHY02tBBU
http://youtu.be/LcVDk3psvFs
16. platz bei der wm in seefeld eines spaniers?
hab ich jetzt in den ergebnissen nichts gefunden
http://www.fis-ski.com/uk/604/61... raceid=296
http://www.fis-ski.com/uk/604/61... raceid=295
aber egal
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