WKR-Ball: "Ein Ball ist ja nichts Politisches"

Interview | Tobias Müller
30. Dezember 2012, 18:00
  • Dass zwar die meisten Bälle in der Hofburg stattfinden, der berühmteste aber der Opernball ist, ärgert Renate Danler nicht. Sie hofft, dass der Wiener Ball wieder immaterielles Kulturerbe wird.
    foto: standard/hendrich

    Dass zwar die meisten Bälle in der Hofburg stattfinden, der berühmteste aber der Opernball ist, ärgert Renate Danler nicht. Sie hofft, dass der Wiener Ball wieder immaterielles Kulturerbe wird.

Hofburgchefin Renate Danler hat die Aufregung um den Burschenschafterball nie verstanden - Der neue FPÖ-Ball in ihrem Haus ist für sie eine völlig andere Veranstaltung

STANDARD: Die meisten Bälle finden in der Hofburg statt, der bekannteste Ball aber ist der Opernball. Wurmt Sie das?

Danler: Ich glaube, dass die Hofburg das schönste Ballhaus weltweit ist. Unsere Räumlichkeiten sind für Bälle am geeignetsten und haben sicher dazu beigetragen, dass diese Balltradition in Wien sich so gut entwickelt hat. Die Staatsoper ist kein Ballhaus, der Opernball ist ein Ball der Staatsoper. Wurmen tut mich das überhaupt nicht, im Gegenteil, mich freut es, dass diese Wiener Balltradition so blüht und gedeiht und weltweit einzigartig ist.

STANDARD: Seit letztem Jahr ist der Wiener Ball nicht mehr Teil des österreichischen immateriellen Kulturerbes der Unesco. Soll sich das wieder ändern?

Danler: Ja, selbstverständlich. Die Wiener Balltradition war kurz geschützt als immaterielles Erbe, aus Gründen, die wir alle kennen ...

STANDARD: Weil auch der Ball des Wiener Korporationsrings auf der Liste stand.

Danler: ... wurde sie 2011 wieder herausgenommen. Es liegt im Interesse aller Traditionsball-Veranstalter vom Juristenball bis zum Kaffeesiederball, dass das wieder realisiert wird. Es laufen hier schon Gespräche. Ich denke, dass es in naher Zukunft wieder eine Aufnahme gibt.

STANDARD: Jedes Jahr zu Silvester hat die Hofburg bisher den Kaiserball veranstaltet, heuer heißt er Le Grand Bal - warum?

Danler: Der Kaiserball ist mit seinem Kaiserklischee ein bisschen in die Jahre gekommen. Er war kein richtiger Wiener Ball, der Kaiser und die Sisi sind aufgetreten - er war schon eher touristisch organisiert. Ich habe mich schon in den vergangenen Jahren mit dem Gedanken getragen, den Ball zu reformieren. Wir haben 22 Bälle in unserem Haus, wir haben uns gedacht, wir müssen es leicht zustande bringen, einen eigenen richtigen Wiener Ball zu machen. Die Generation, die diese Art von Ball wie den Kaiserball liebt, stirbt auch weg, und ich kann Ihnen sagen, wir haben wesentlich mehr Gäste, als wir beim Kaiserball hatten. Es ist jetzt schon ein Erfolg.

STANDARD: Wie viel Veränderung verträgt denn ein Ball?

Danler: Er ist komplett verändert. Sie werden den Kaiserball nie im Le Grand Bal der Wiener Hofburg wiedererkennen.

STANDARD: Noch ein Ball hat heuer seinen Namen geändert, der Ball des Wiener Korporationsrings ist jetzt der Akademikerball ...

Danler: Der Wiener Akademikerball.

STANDARD: ... der Wiener Akademikerball und wird am 1. Februar stattfinden. Was ist der Unterschied zwischen den beiden Bällen?

Danler: Der Wiener Akademikerball wird von der Landesgruppe der Wiener FPÖ organisiert. Den WKR-Ball als solches gibt es nicht mehr. Die Landesgruppe Wien, der Herr Gudenus, hat in der Hofburg angefragt wegen eines Wiener Akademikerballs. Nachdem die FPÖ im Parlament vertreten ist, darf dieser Ball auch in der Hofburg stattfinden.

STANDARD: Vergangenes Jahr hat die Hofburg den WKR-Ball aus der Hofburg verbannt. Warum darf der nicht stattfinden und der Akademikerball schon?

Danler: Wir sehen hier zwei komplett verschiedene Veranstalter. Der WKR-Ball wurde ausgeladen, er findet nicht mehr statt. Der war vom Wiener Korporationsring veranstaltet. Wenn die SPÖ anfrüge wegen eines Balls, müsste ich sie auch nehmen, oder das BZÖ. Wenn Sie hier eine Verwandtschaft sehen - für uns als Hofburg gibt es die nicht.

STANDARD: Für Sie ist das also ...

Danler: ... ein neuer Ball. Der ist FPÖ. Es ist auch das Kartenbüro nicht das WKR-Büro, sondern die Landesgruppe Wien.

STANDARD: Die Homepage ist die gleiche.

Danler: Die Homepage ist die gleiche?

STANDARD: Wenn Sie auf die Homepage des WKR-Balls klicken, kommen Sie automatisch auf die des Wiener Akademikerballs.

Danler: Das will ich mir gar nicht anschauen. Das finde ich unerhört.

STANDARD: Wirklich?

Danler: Ja, das finde ich unerhört.

STANDARD: Sie haben es schon kurz angesprochen. Könnten Sie mir näher erklären, wie es zu dem Ball gekommen ist?

Danler: Die FPÖ - Doktor Graf wie auch Strache - hat angefragt und gesagt, die FPÖ möchte einen Ball in der Hofburg durchführen, und dem müssen wir Rechnung tragen.

STANDARD: Und das haben die Gesellschafter auch so gesehen? Die waren es ja, die bereits 2011 beschlossen haben, den WKR-Ball auszuladen.

Danler: Ja, das haben damals die Gesellschafter beschlossen, aber eigentlich war das ein Eingriff in das operative Geschäft. Alles, was die Annahme von Veranstaltungen anbelangt, obliegt natürlich der Geschäftsführung. Und Sie werden verstehen, als aufgeschlossener Journalist, dass eine Hofburg keine im Parlament vertretene Partei ablehnen kann. Das können wir nicht und würden wir auch politisch nicht aushalten.

STANDARD: Verstehen Sie persönlich die Aufregung um diesen Ball?

Danler: Für uns lief im Haus der Ball immer sehr ruhig ab. Verstehen Sie, mir tut es von Herzen leid, dass ein Ball, der kein Politikum sein soll, so einen Aufruhr auslöst. Ich persönlich verstehe es nicht, wenn Sie so wollen. Es ist ein Wahnsinn, was sich da draußen abgespielt hat, ich weiß nicht, ob Sie das mitbekommen haben.

STANDARD: Wie erklären Sie sich das?

Danler: Ich bin keine Politikerin, ich bin politisch interessiert, es gibt Ereignisse, wie am 8. Mai, wo Linke gegen Rechte, Sie kennen diese ganzen Auseinandersetzungen. Das spielt sich häufig am Heldenplatz ab, das ist für uns, für unser Geschäft, für die Veranstaltungstätigkeit, nicht gut. Verstehen Sie, sie haben internationale Kongresse, und dann ist so ein Auflauf auf dem Heldenplatz. Wir bedauern diese Eskalation auf das Tiefste. Ein Ball ist ja nichts Politisches. Es ist etwas Gesellschaftliches, wo Leute Freude empfinden sollten.

STANDARD: Diverse linke Organisationen bereiten sich bereits auf Proteste gegen den Akademikerball vor. Rechnen Sie mit ähnlichen Szenen wie im vergangenen Jahr?

Danler: Wir sind da überhaupt nicht involviert, wenn, dann läuft das alles über die Polizei. Bis dato haben wir dazu keine Information. Wir sind beschäftigt mit unseren hausinternen Dingen, und im Hause selbst läuft ja alles wie am Schnürchen.

STANDARD: Aus jetziger Sicht: 2014 wird es auch einen Akademikerball geben?

Danler: Wenn Sie sich unseren Ballkalender anschauen, haben wir in der Regel Traditionsbälle. Wenn ein Veranstalter sich nichts zuschulden kommen lässt, die Gesetze einhält, zahlt, im Rahmen des österreichischen Rechts- und Verfassungsbogens arbeitet, tun wir uns schwer, einen Ball abzusagen. (Tobias Müller, DER STANDARD, 31.12.2012)

RENATE DANLER (55) ist seit 2007 Geschäftsführerin der Hofburg Betriebsgesellschaft m.b.H. Davor leitete sie das Kongresszentrum Alpbach und war Tourismusdirektorin von Kitzbühel.

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naja der eigentliche ´popstar´ war ja eher haider. strache schwimmt nur auf dessen politischer welle weiter. aber rechtsextremismus derart salonfähig machen zu können ist schon erschreckend...

nicht schrecken für die Salonfähigkeit hat die Schüssel-Övp
in Unschuldsvermutung gesorgt

Richtig.

Haider bediente sich unseren gesellschaftlichen Werten und Traditionen. Allerdings stach er in der Form heraus, als das er es mehr als üblich populistisch aufbereitete. Was nicht Jedem aus unseren Bünden gefiel.

Alles weitere was er an finanziellen Katastrophen und misswirtschaftlichen Sportförderungen zurückließ ist ein hiervon unabhängiges - aber selbstverständlich interessantes - Thema.

grundwerte

haider bediente sich keiner grundwerte, sondern ´unseres´ geldes. verpackt als politische partei eigentlich kein schlechter trick.

so wie die ´bubis´ ja allgemein recht gern den staat/eu [bitte beliebiges demokratisches instrument einfügen] als rigide, teure kontrollinstitution kritisieren, aber sich gerne auf dessen kosten bereichern - siehe ära schüssel/haider/strasser/dörfler [bitte beliebigen namen einfügen]...

sorry vielleicht liegt das daran das fast alle Burschenschafter rechte "Fuzzies" sind

vielleicht im Verhältnis zu seinen Wählern

die bis jetzt noch nicht begriffen haben, dass er wie die gesamte FPÖ nur ein Programm hat,
1.)weit rechts und
2.) die Anderen sind die Feinde

Allerdings, auch bei den sozialistischen Akademikern am Land musste man sich mit Versicherungsvertretern etc. begnügen - und wer gut reden konnte gehörte dazu.

ja ja die ganze Hitlerbagage mit ihrer -in Österreich so bewunderten- Schauspielersippe- war 1938-45 auch der Meinung das das eine mit dem anderen nicht zu tun hat

Primitives rechts Geschwafel dieser "Dame"

Sie quatscht gleichzeitig davon dass der Kaiserball in die Jahre gekommen ist(der in Le Grand Bal umbenannt wurde um "einen eigenen Wiener Ball zu machen"). Sie will auch den Burschenschafterball wieder machen um das große Kulturerbe fortzusetzen. Wie kommen solche Personen in diese Funktionen, wird das nicht Intelligenz und Korrektheit mit überprüft. Dass für solche Leute "denn sie wissen nicht was sie tun" zutrifft, zeigt dass sie WKR und FPÖ-Akademikerball strikt trennt und sie die tatsächlichen Verflechtungen nie überprüft hat und überprüfen wollte.

einfach Karriere halt - die geht über alles

http://at.linkedin.com/pub/renat... 20/658/379

wobei man sagen muss, wer zahlt schafft an.

Wie kann jemand, der so offen Sympathie für diese braune Bagage zeigt ein Haus wie die Hofburg leiten?
Ist die Frau ein Überbleibsel aus der "glorreichen" schwarz-braunen Regierungszeit?

Möchte eigentlich nur eine Sache loswerden:

Was mich in Diskussionen rund um Verbindungen, Burschenschaften, etc. immer wieder aufregt ist, dass alle Leute zwar eine Meinung haben und diese gaaaanz vehement vertreten, aber kaum jemand wirklich AHNUNG von der Thematik hat.
Wenn Sie schon kritisieren, dann müssen Sie sich zumindest auskennen!

Das finde ich auch!

Ist aber so wie beim Bundesheer: Jeder redet mit, keiner kennt sich aus.

Keine Sorge: Die, die sich wirklich auskennen (und damit meist besser als Burschis selbst, die sich ihre Geschichte leider gerne zurechtbiegen), liefern auch die fundierteste Kritik.
Für viele Dinge reicht aber auch eine grobe Beschäftigung, um sie als kritikwürdig zu erkennen: z. B. die männerbündische Struktur, die konsequente Nicht-Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit, die enge Beziehung der Burschenschaften zum Rechtsextremismus in der 2. Republik und davor zum NS.
Dass nicht alle Burschis rechtsextreme Ansichten haben, ist klar; da sich aber nur Rechtsextreme in den Publikationen und in den Stimmen nach außen durchsetzen, müssen sich die anderen zumindest fragen lassen, warum sie dabei mitmachen.

"Ein Ball ist ja nichts Politisches"

Bis hierher richtig.
Wenn die Teilnehmer bzw. ein "gewisser hart Kern" den Ball hauptsächlich für Gleichgesinnte veranstaltet, so wird es mehr als Bedenklich. Das hat dann mit einem Ball im herkömmlichen Sinn nichtsmehr gemeinsam.

bei Gleichgesinnten wird es bedenklich?

Blöde Gschicht: da muss wohl jetzt jedes Sportlergschnas und jeder SPÖ-Sektionsball oder wie das dort heißen möge als bedenklich eingestuft werden. her mit dem Staatsschutz: Zwangsradfahren für alle Besucher eines Sportlergschnases!

Hast Du den Unterschied nicht erkannt?

Unterschied zwischen S und F ist mir bekannt

SPÖ und FPÖ unterscheiden sich durch den Anfangsbuchstaben. Abgesehen davon ist ein Ball der FPÖ und ein Gschnas der SPÖ-Brigittenau wohl beides eine Fest für Gleichgesinnte. Oder geht jemand freiwillig sonst auf ein SP-Gschnas - da doch wohl eher in die Hofburg?

Überhaupt nichts ist bedenklich, ich lade Sie recht herzlich ein, auf den Ball zu kommen!

Zur Info- Posting von mir an "Sündenfall Europas"

Bitte nachlesen!

Ist mir bekannt, jedoch

er hat mich eingeladen!
Da ist wohl ein nicht so kleiner Unterschied.
Bin gespannt ob er Wort hält!

Wohl nicht so zu verstehen

Also, ich würde aus seinem Text keine direkte Einladung auf eine Karte herauslesen sondern lediglich eine allgemeine Einladung, den Ball zu besuchen. Mit gleichem Recht wie Sie, könnte ich nun behaupten, bin gespannt, ob Sie sich eine Karte kaufen, sich in Schale schmeissen und hingehen.

Danke für das Angebot, wie komme ich zu den Karten um mich vom Gegenteil zu überzeugen?

Google sagts:

Ball ausgoogeln - Homepage aufrufen, Kartenbestellen raussuchen, schlucken bei den Kartenpreisen und trotzdem bestellen, wenn es einem das wert ist. Mit den Rundherumkosten sicher happig.

Ist mir bekannt, jedoch

er hat mich eingeladen!
Da ist wohl ein nicht so kleiner Unterschied.
Bin gespannt ob er Wort hält!

Oho, die ersten Überzeugten schlagen hier auf.
Kannst du bei der Gelegenheit erklären, warum Journalist_innen und andere kritische Beobachter am Ball nicht erwünscht sind, wo doch alles so "unbedenklich" ist?

Was heißt da "erwünscht"? Natürlich ist mir einer lieber, der was Nettes über unseren Ball berichtet, aber eigentlich finde ich es auch nicht schlimm, wenn einer ihn ablehnt, ihn sich trotzdem von innen anschaut und dann was Sachliches darüber schreibt.

Aufruf zu Boykotten und Sachbeschädigung finde ich aber nicht zielführend.

BTW gefragt:

Seitdem ich in Österreich studiere und hier angemeldet bin hatte ich noch nie Verzögerungen was meine Kommentare anging.

Aber seit geschätzten zwei Wochen werden weder Alle veröffentlicht, noch in einem zeitlichen Rahmen der einer Diskussion dienlich wäre. Teilweise erst Stunden später.

Von daher meine Frage: Hat sich bzgl. der Zensur was von Seiten des Standards geändert und wenn ja, was genau bzw. wo darf man es nachlesen?

Denn es fuchst mich ungemein.

Hast Du hier vom Standard eine Antworrt erwartet?

Wäre schön wenn es allgemein ersichtlich wäre, nur - er macht es nicht!
Wenn Du ein Mail an die Redaktion schreibst, so bekommst Du 50:50 eine Antwort. Ob das Deine Frage beantwortet hat steht auf einem anderen Blatt!

da sind mir die Rotatier schon lieber

die sind genauso weit rechts, aber die Hauen sich nicht gegenseitig mit Säbeln ins Gesicht
außerdem sind sie so nicht so brutal und soldarisch zu denen, die durch sie zu Armut kemen.

Und ein bisserl sauber Kriegführen, da braucht sich niemand echt genieren - einfach Amerika halt.

Diese Vereine haben ja dort ihren Sitz und unsere tun was sich gehört - autoritär wie eben Rechte sind.

Aber die Dame ist eine gute Wirtin, das erkennt man sofort, deshalb dürfen alle bei ihr SAUFEN, raufen und grundsätzlich alles.

Wer weiß, ob nicht Strache doch noch eine große Rolle spielen wird, nach der Wahl - Opportunismus eben.

Wie sage man so schön, willtst Du was werden, dann mußt halt ein bisserl angepaßt sein, dann geht so viel von ganz allein, fein

Ich muss mich entscheiden, ich habe es getan:

Ich bin überzeugt, dass diese Frau mit den angesprochenen politischen Strömungen und Gruppen des rechten Lagers sympathisiert. Wahrscheinlich ist sie auch ein bisschen un-intelligent, so etwa wie die Frau Winter, aber auch sie weiß, wem sie die Stange hält.

eine intellektuelle Großtat!

Ruhm und Ehre für diese, Ihre, Entscheidung. Geht es noch pathetischer? Dann wäre es schon fast pathologisch. Und wie witzig, das subtile Wortspiel am Ende! Dabei erkennt man auch noch, dass Sie es mit der PC nicht ganz so genau nehmen, Sie kleiner Schlingel. Alle Achtung, aus Ihnen wird noch ein Standard-Redakteur.

lol

Dieser Artikel ist Postingmäßig das genaue Gegenteil zu den Flüchtlingsartikel. Ich verstehs nicht ^^

Es fällt mittlerweile sehr auf, dass einige Themenbereiche von rechten Kampfposter regelrecht geflutet werden. Diese Accounts fallen dadurch auf, dass sie fast ausschließlich zu bestimmten Themen posten und mit jedem Beitrag provozieren.

Ein weiteres Interessantes Merkmal für die Kampfaccounthäufigkeit scheint die Zahl der Bewertungen von Postings zu sein. Unter diesem Artikel werden Postings rund 10 mal bewertet, bislang gibt es rund 500 Postings. Im Artikel zur Verhaftung eines Vergewaltigers gibt es 170 Postings, aber 70 Bewertungen für Postings, die die rechte Propaganda einiger Poster kritisieren.

Ja, wenn man die Mitposter-Funktion verwendet, hat man nach kurzer Zeit die Kampfposter herauspräpariert und kann entsprechend reagieren. Manchmal irrt man sich, aber da es ja keine Folgen für die betreffende Person hat, ist das auch egal.

Hoffentlich versteht sie, als aufgeschlossene Ballveranstalterin, daß ich mich nach dem Lesen des Interviews frage:

Ist es möglich, daß die Dame jeden Abend ohne Blindenhund nach Hause findet?

Na dann, Prost!

Verstehe nicht warum man hierzulande so sehr gegen Burschenschafter basht.

Okay gegen Schlagende zu sein ist eh klar, aber generell?

Mir vollends unverständlich.

Weil Studentenverbindungen generell Männerbünde* (Stichwort soldatisches Männerbild, Sexismus und Homophobie) sind und sie völkisch-deutschnationales (Buschenschaften, Corps etc.) oder katholisch-konservatives (Cartellverand) Gedankengut pflegen. Sie sind Organisationen zur Karriereförderung auf Gegenseitigkeit, also Postenvergabe nicht aufgrund fachlicher Eignung, sondern wegen persönlicher/weltanschaulicher Verbundenheit. Eine Vorstufe zur Parteibuchwirtschaft also. Da gibt es natürlich viele Leute, denen das nicht gefällt, und wie ich finde, zur recht.

(Ja, es gibt kleine Ausnahmen, aber die sind recht neu und in der Gesamtheit faktisch unbedeutend.)

du machst es dir zu einfach.

Wobei mache ich es mir zu einfach? Beim Aufzählen von Kritikpunkten an Burschenschaften?

Dass die Verbindungen mehr als nur das sind, ist klar. Aber das ist ja auch nicht die Basis der Kritik.

eventuell weil die österreichische politik traditionsgemäß aus diesen klein-bubi-häufchen rekrutiert? und es sind leider nicht nur die eingestaubten reaktionär-katholischen, sondern leider zu oft die schlagenden verbindungen...

rechtsextreme wurzeln scheinen in österreich kein hinderungsgrund zu sein, um selbst in höchste politische ämter zu gelangen. meines wissensstandes nach ist rechtsextremismus, nunja, verboten?

weil die nazis nach 1938 alle "politisch problematischen" studentenverbindungen aufgelöst oder verboten haben und nach dem zweiten weltkrieg sind eben hauptsächlich die ganz rechten übrig geblieben.

generell gibts eh nix gegen verbindungen zu sagen.

Es hat im CV nach dem 2. Weltkrieg eine groß angelegte Entnazifizierung gegeben. Der CV war im 2. Weltkrieg verboten und am Widerstand beteiligt,

haben sich offiziell nicht dem Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund (NSDStB) angeschlossen und waren offiziell Gegner des NS Regimes. Natürlich gab es, nachher wie vorher, da und dort Ausreisser, aber die gibt es überall, auch im Kegelverein um die Ecke.

Grund ist: Prinzipiell gilt Meinungs-Vielfalt in solchen Dachverbänden. Man wird es nicht glauben, aber es wird mehr als ein Weltbild dort vertreten. Die Leute dürfen wählen wen sie wollen und machen da im politischen Spektrum von links bis rechts auch Gebrauch davon. Im Grunde wird in diesen Dingen nichts als die Gesellschaft selbst gespiegelt. Das ganze ist im CV weit weniger politisch und ideologisch als von vielen angenommen.

Und selbst für die Burschenschaft gilt das.

nauajo ... wenn´st manst ...

man kann auch am CV - Auge blind sein (wollen)!

Der CV hat mit den Burschenschaften nichts am Hut. Ganz im Gegenteil. Als Gegenbewegung gegründet.

Ich war nur irgendwann so frei und hab mir mein eigenes Bild gemacht (dass das manche als Blindheit abtun erheitert mich allerhöchstens). Historisch, über den Anfang der Universität, aller Ursprung von der Domschule bis zu den Nationes, über die gesellschaftlichen Errungenschaften der frühen Studentenschaft des 19. und 20. Jahrhunderts, will ich hier ja gar nicht anfangen. Viele hier müssen auch Geschichte lernen um bei Dingen ansatzweise adäquat mitreden zu können.

hab da leider einen Gedanken in der Schrift übersprungen :)

Es gilt innerhalb der Burschenschaften zu differenzieren. Da taumeln manche nahe am Verbot und manche sind weitaus liberaler, was die Klassifizierung als "das sind alles Nazis", wie es hier ja so gerne getan wird, um einiges problematischer macht.

ich würde nicht behaupten dass all diese verbindungen automatisch rechtsextrem sind, aber derart sektenartig organisierte interessensgemeinschaften sind eine gewisse gefahr für jede demokratische gesellschaft. es untergräbt die öffentliche verwaltung, gar nicht zu reden von der gesetzgebung.

durch solche vereinigungen wird es vereinfacht nicht leistungsbezogen und objektiv, sondern ´im freundschaftlichen nahverhältnis´ öffentliche positionen zu besetzen. ist in meinen augen nicht unbedingt erstrebenswert.

es mag stimmen, Nischenbesetzung betrieben wird. Grundsätzlich gilt allerdings, dass im ÖCV bei jeder Verbindung das Leistungsprinzip herrscht. Wer keinen Studienerfolg bzw. am Ende des Aktivenlebens keinen Abschluss nachweisen kann, wird ausgeschl.

Grundsätzlich muss man natürlich konstatieren, dass ein Studienabschluss und gute Noten im Studium nicht automatisch fähig machen.

Was allerdings ebenfalls Faktum ist, ist dass das ganze keine Gefälligkeitsgesellschaft ist. Man bekommt nichts geschenkt. Es wird Leistung verlangt und man hat die Gelegenheit mit angesehenen Persönlichkeiten in Kontakt zu kommen, was vieles erleichtert, dennoch keinen Freifahrtschein bedeutet. Leute wie Klestil oder Zeilinger-->CVer, deren Bundesbrüder, egal ob 18 Jahre alt oder 66, durften sie, aufgrund des Vertrauensvorschusses, alle mit "Du" ansprechen. Jemand der im echten Leben nichts ist, wird auch innerhalb der Verbindung nichts sein und diesem wird auch jeglich Kontakt nach oben nichts nützen.

ich kann den gedanken nachvollziehen. trotzdem wird hier eine ´parallelgesellschaft´ gebaut, die keinesfalls die gesamte bevölkerung wiederspiegelt. wie dies intern geregelt wird interessiert keinen ausstenstehenden, ausser es ist nicht legal (wie in einigen fällen belegt). ein problem wird es nur dann, wenn es einen ´wettbewerbsvorteil´ generiert.

um es kurz zu sagen, ich würde es einfach ´unlauteren wettbewerb´ nennen. und das widerspricht geltendem recht.

naja,

dir ist in der Sache anscheinend nicht bewusst, dass eben dies keiner Mitgliedschaft bei einer Verbindung bedarf.

Das ganze bekommt durch den CV nur einen leichter fassbaren Namen, ändert allerdings nichts daran, dass das kein Phänomen ist, welches ausschliesslich dort zugegen ist.

Wenn ich umtriebig bin und in Kontakt mit den richtigen Leuten komme, kann von dem heutzutage jeder Gebrauch machen. Wo ich dir recht gebe ist, dass der CV das allerhöchstens erleichtert. Hier kommt aber auch das Leistungsprinzip zu tragen.

Den CV-ern würde ich auch weniger den Nationalsozialismus vorwerfen, wenngleich es, wie Sie selber sagen, solche Elemente da und dort gab.

Aber eines können Sie nicht vom Tisch wischen: Die Verstrickung in den Austrofaschismus. Die leidenschaftliche Beteiligung an vier Jahren faschistischer Diktatur unter Begehung zahlreicher Morde und eine mörderischen Rechtsbeugung (Schuschnigg, Standrecht) ist Teil ihrer Geschichte, das ist nicht nur meine Meinung, das ist wissenschaftlich geklärt. Sie müssen nur die relevanten und anerkannten Arbeiten zu diesem Thema lesen, und ich meine den weltweiten state of the art, damit Sie nicht sagen, ich suchte mir rote Historiker aus Wien aus. Gerade Rathkolb ist zurückhaltender, weil er um das Problem weiß.

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