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Frankfurt am Main - Goldman-Sachs-Europachef Alexander Dibelius sieht die Aufarbeitung der Finanzkrise in seiner Branche in vollem Gange. "Schmerzhafte Selbsterkenntnis und entsprechend bittere Konsequenzen können da nicht ausbleiben", sagte er dem "Spiegel". Vieles habe sich bereits geändert: "Wir Banken halten mehr Eigenkapital vor. Mehr Liquidität. Die Zeiten 25-prozentiger Renditeansprüche, wie sie hier und da formuliert wurden, sind unwiederbringlich vorbei."
Auch Goldman Sachs sei im Umbruch: "Wir hatten in der Spitze mal rund 35.000 Mitarbeiter, zur Zeit sind es noch etwa 32.000." Damit habe sich die US-Investmentbank zunächst ausreichend auf die neuen Verhältnisse eingestellt. "Aber niemand kann ausschließen, dass weitere Personalmaßnahmen notwendig werden", sagte Dibelius dem Magazin weiter.
Zum Image der Branche äußerte der Manager, er sage nicht, dass die Banken keine Fehler gemacht hätten. "Ich sehe sie nur in einer anderen Dimension, nicht unbedingt in der von justiziablem Fehlverhalten, sondern in einer moralischen". Nicht alles, was gemacht werden dürfe, müsse auch gemacht werden.
Dibelius ist nicht der einzige Spitzenbanker in Deutschland, der die Rolle seiner Branche in der Finanzkrise kritisch sieht. Die beiden neuen Manager an der Spitze der Deutschen Bank, Anshu Jain und Jürgen Fitschen, haben Deutschlands größtem Geldhaus einen Kulturwandel verordnet. Damit sind die beiden Co-Chefs international in guter Gesellschaft: Auch der neue Chef von Barclays, Anthony Jenkins, hat in seinem Institut einen tiefgreifenden Wertewandel angestoßen, nachdem sein Vorgänger Bob Diamond über die Libor-Affäre gestolpert war. (APA/Reuters, 30.12.2012)
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