Ära Ecclestone vor dem Ende

Im Falle einer Anklage wäre der Formel 1-Zampano nicht mehr tragbar - Headhunter suchen bereits Nachfolger

Berlin - Jetzt hat es Bernie Ecclestone selbst zum ersten Mal eingeräumt: Post aus München mit einer Anklage könnte das Ende seiner einzigartigen Formel-1-Ära bedeuten. Die Besitzergesellschaft CVC, die Ecclestone nach der Übernahme als Geschäftsführer der Königsklasse angestellt hatte, "wird wahrscheinlich gezwungen sein, mich loszuwerden, wenn die Deutschen mich holen. Es ist ziemlich klar, wenn ich eingesperrt würde", sagte Ecclestone dem "Sunday Telegraph". Nach fast vier Jahrzehnten wäre die Herrschaft des mittlerweile 82 Jahre alten steinreichen Briten vorbei.

Hinter vorgehaltener Hand hieß es schon längst: Im Falle einer Anklage durch die Münchner Staatsanwaltschaft wäre Ecclestone auf dem wichtigsten Posten in der Formel 1 nicht mehr tragbar. Weltweit operierende Unternehmen wären durch ihre sogenannten Compliance Richtlinien zum Handeln gezwungen. Das würde auch für den deutschen Hersteller Mercedes gelten.

Jüngst hatte Ferrari-Präsident Luca di Montezemolo Ecclestone einen Rücktritt nahe gelegt, sollte es zur Anklage kommen. Weil er die Formel 1 liebe, werde Ecclestone der Erste sein, der einen Schritt zurücktrete, "im Interesse der Formel 1". Der ganze Vorgang könne "die Formel 1 beschädigen", hatte der Italiener gesagt.

Vorwurf der Bestechung

Dabei geht es weiterhin um die 44 Millionen Dollar, die Ecclestone dem verurteilten Ex-Banker Gerhard Gribkowsky beim Verkauf der BayernLB-Anteile an CVC vor rund sieben Jahren als Schmiergeld gegeben haben soll. Ecclestone bestreitet seit jeher die Vorwürfe und spricht seinerseits von Erpressung.

Die Staatsanwaltschaft in München ermittelt seit 2011 gegen Ecclestone. Ob und wenn ja, wann es zu einer Anklage kommt, ist nach wie vor offen. Ecclestones ehemaliger Geschäftspartner Gribkowsky war im Juni zu achteinhalb Jahren Haft verurteilt worden, weil er das Geld angenommen und nicht versteuert hatte.

Dass CVC bereits einen Headhunter engagierte, um Nachfolge-Kandidaten zu suchen, "wenn ich sterben würde oder sonst was", beunruhigt Ecclestone nicht besonders. Das sei ein normaler Vorgang.

Ecclestone hat mit seinem nicht unumstrittenen Führungsstil aus der Königsklasse ein weltumspannendes Unternehmen gemacht. Die Formel 1 ist ein Milliardengeschäft. Der Sohn einer Arbeiterfamilie aus dem südenglischen Bexleyheath ist längst ein Global-Player. Politiker, Prominente und Wirtschaftsbosse machen dem Briten gern mal Hof. (APA/dpa, 30.12.2012)

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