Die gute Butter und der gute Journalismus

Kommentar der anderen | Wolfgang Michal, 28. Dezember 2012, 18:37

Zwischenruf aus der Blogosphäre

Gegenwärtig erstickt der Journalismus in Eitelkeit. Zeitungen und Journalisten promoten sich selbst in unzähligen Sonntagsreden, Leitartikeln, Konferenzen, Podiumsdebatten, Preisverleihungen, Initiativen und "Dossiers". Prominente (!) Journalisten betonen, wie unersetzbar "guter Journalismus" doch ist; dass es sich ohne "guten Journalismus" gar nicht mehr zu leben lohnt.

Ohne "guten Journalismus" ist alles Mist: die Demokratie, die Gesellschaft, die Politik, die Zukunft der Zeitungen und natürlich das entspannte Lesen derselben am Kamin. Der Begriff des "guten Journalismus" übernimmt allmählich die Funktion, die in der Generation der Großeltern die "gute Butter" innehatte. Die Verwendung des Wortes Butter ohne das aufwertende Beiwort "gute" war praktisch unmöglich. Auch den Journalismus gibt es in den zahllosen Selbstlob- und Selbstbejammerungs-Debatten kaum noch ohne die Beschwörungsformel "guter" oder "Qualitäts-". Nimm den guten Journalismus, mein Kind! Wahrscheinlich fördert der rituelle Gebrauch dieser Adjektive den immunisierenden Glauben an die eigene unersetzliche Rolle.

Vielleicht steckt auch die Sehnsucht nach positiven Nachrichten dahinter, nach Familie, Zusammenhalt, Kerzenschein und raschelndem Papier im Ohrensessel - nach dem, was Stefan Niggemeier jüngst "Wärmestuben" oder "Wohlfühljournalismus" nannte.

Es stimmt ja: Die böse alte "Schlag"zeile wird neuerdings am Wochenende häufig von Schmuckbildchen und Soft-Meldungen in den Hintergrund gedrängt. Vielleicht ist es aber auch bloß eine Machtdemonstration. In vielen guten Zeitungen macht sich - nach einer Phase des Handreichens - wieder eine Null-Toleranz-Haltung gegenüber dem bösen Internet breit. Diese Haltung dient offenbar der eigenen Selbsterhöhung. Man will sich - verdammtnochmal - nicht länger schlechtreden lassen. Man will dem Mob endlich zeigen, wo der Hammer hängt und der gute Journalismus zuhause ist. (Wolfgang Michal, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

Wolfgang Michal (57) Iebt als freier Journalist, Autor und Blogger in der Nähe von Hamburg. Er ist u. a. Mitherausgeber des Online-Autorenforums "Carta".

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17 Postings
Wo er richtig liegt...

... ist der Punkt der Eitelkeit. Da sind die heimischen "Star"-Journalisten und "Star"-Moderatoren/Nachrichtensprecher unübertroffen.
Der Rest ist typisch Blog: blablabla.

so ist es wohl, besser unwohl:

"Man will dem Mob endlich zeigen, wo der Hammer hängt und der gute Journalismus zuhause ist."

man braucht ja nur die Überschriften lesen, die der gute Jounalismus so in den Zeitungen produziert, da konterkariert er sich ja selbst.
Dabei so oft ganz schlicht patschert formuliert, was reißerisch daherkommen sollte.

...jeder Krämer (=Geschäftsmann/frau) lobt

sei Ware, fällt mir da nur ein.

NICHT zu wichtig nehmen, meine Herren.

Zwischenruf aus der Blogosphäre

der Artikel läuft wenigsten nicht Gefahr als "guter Journalismus" gebrandmarkt zu werden. Was soll das ? Oder ging es nur darum, den Raum mit Worten zu füllen?

Guter Journalismus ist auch

investigativer Journalismus, und der ist mit dem Tod Worms auch in eine mehr oder minder lethale Phase getreten - einige Ausnahmen wie Klenk z.B. ausgenommen, aber der wird kaum gelesen.
OK.
Lösungen?

wo schreibt Klenk...

ich habe "den" noch NIE gehört.

florian klenk hat im falter in den letzten jahren den besten investigativen journalismus des landes geliefert. nachdem aber leider der falter justament zu den verbohrtesten online-verteuflern gehört, schreibt der mann praktisch fürs altpapier. ein beweis für die unsinnige dichotomie von qualitätsjournalismus und onlinewelt.
schwacher trost: die meisten seiner texte stellt er auf sein privates blog http://www.florianklenk.com/ - ein allerdings eher bescheidener ersatz für einen vernünftigen falter-onlineauftritt.

...Danke...

Ist es dieser Florian Klenk auch, der in heiklen Situationen gerne für Verbreitung von Informationen seitens whistle-blowers "verwendet" wird?

"Die" suchen sich auch KEINE feigen Nieten, nehme ich mal an.

und je mehr das eigenlob wächst,

desto unkritischer, pseudokritischer, machtangepasster und systemerhaltender werden medien.

nur so weiter, bald müsst ihr eure printausgaben nur mehr für redakteure und deren familien drucken :)

PS: aber bloss nichts ändern, gell...

im Prinzip gleich wie der Pen-Club

und die Megana, die siese schmierer vertritt.

Die alten Zeiten

Wen es den guten alten Aufdeckerjournalismus noch geben würde...

Egal, wer von Tante Gogl nicht gefunden werden will kann das gerne über robots machen, wenn dann die Reichweite nimmer stimmt ist das halt Bestandteil der Entscheidung.

War das der Einleitungstext?

...wo kann man da auf Seite-2 klicken?

Guter Artikel ;-)

Je mehr Konzerne funsionieren um so mehr Werbebudget fusioniert. Immer weniger Menschen steuern die Meinungslandschaft.

Da die Medien mit der Politik und den Banken verwachsen sind, gibt es keine lesenswerten - also verkaufbaren Inhalte mehr.

Die Leute spüren doch, dass sie nur verschaukelt werden.

Vermaledeit

sich in den Sack lügen zu müssen und gleichzeitig originell sein zu wollen. Zur Zeit schwächeln auch die Allerbesten.

Wenn wenigstens

die Rechtschreib- und Grammatikfehler aus den APA Meldungen korrigiert würden.

Die APA-Meldungen ...

... gehn ja noch. - Das "Selbstgebraute" finde ich in dieser Hinsicht viel herber.

Egal. Eigene Recherche ist viel wert und kostet natürlich auch.

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