Börsenjahr 2012: Das Spiel von Super-Mario

Kommentar28. Dezember 2012, 20:13
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Die Ankündigung von Mario Draghi, dem Chef der EZB, alles tun zu wollen, um den Euro zu retten, hat für einen Stimmungswandel gesorgt

Alle reden von einer Finanz- und Wirtschaftskrise, von Sorgen um Europa, einem noch immer möglichen Kollaps von Griechenland, und die wichtigsten europäischen Börsen legen eine super Performance hin. Wie kann das sein? Die Antwort heißt: dank Super-Mario.

Die Ankündigung von Mario Draghi, dem Chef der Europäischen Zentralbank (EZB), alles tun zu wollen, um den Euro zu retten, hat im August für einen Stimmungswandel gesorgt. Mit der Ankündigung im September, dass die EZB unbegrenzt Staatsanleihen von finanziell angeschlagenen Eurostaaten aufkaufen will, wurden die Börsen beruhigt. Im Summe hat Draghi den Investoren damit zwei Dinge gezeigt: erstens dass Europa es ernst meint mit der Bewältigung der Probleme - das hat das Vertrauen der Geldgeber in den Kontinent gestärkt. Zweitens hat der Notenbanker damit jenen Investoren den Wind aus den Segeln genommen, die auf einen Zusammenbruch der Eurozone spekuliert haben.

Zu all dem gesellt sich ein zweites Phänomen. Mit ihrer Niedrigzinspolitik machen die Notenbanken das Sparen zu einer unrentablen Sache. Auch mit Staatsanleihen war in vielen Fällen nichts mehr zu verdienen - im Gegenteil. Investoren haben sogar Negativzinsen in Kauf genommen, um ihr Geld zu parken. Dass in diesem Umfeld nach einer gewinnbringenden Alternative gesucht wird, ist klar. Also wurden Aktien europäischer Unternehmen quasi neu entdeckt. Denn trotz schwächelnder Konjunktur haben die Unternehmen in Summe ordentlich verdienen können. Glaubt man den Analysten, soll das auch 2013 so weitergehen - Steigerungen bei Unternehmensgewinnen von fünf bis zehn Prozent werden erwartet. Das deutet auf eine anhaltende positive Entwicklung hin.

All das kann über die Schwächen Europas aber nicht hinwegtäuschen. Die Beruhigung durch die EZB wird nicht von Dauer sein. Vor allem, wenn sich die Wirtschaftspolitik jetzt auf den monetären Vorschusslorbeeren ausruht. Die Investoren sind nicht deswegen nach Spanien oder Italien zurückgekehrt, weil sie der Reformeifer dieser Länder angelockt hat. Es waren Draghis Versprechen, die sie überzeugt haben. Die Politik muss nun ihre Hausaufgaben machen und die Probleme der spanischen Banken ebenso in den Griff bekommen wie die der Wettbewerbsfähigkeit in Frankreich oder Italien. Sonst war Draghis Eingriff nur kosmetisch. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

 

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