Sklaven, Ökoterroristen und Kellerasseln

28. Dezember 2012, 18:41
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Das Filmjahr 2013 möge beginnen: Kleine Runde für ungeduldige Kinofreunde

Wien - "Award Season", Preis-Saison, nennen Amerikaner jene Zeit zwischen November und der Oscar-Verleihung (24. 2.), zu der sich im Kino besonders viele anspruchsvolle Filme ballen. In Österreich starten die meisten davon im Jänner: Neben Kathryn Bigelows Counter-Terror-Drama   Zero Dark Thirty stehen zwei Filme an, die sich auf denkbar unterschiedliche Weise mit der Sklaverei beschäftigen, Steven Spielbergs Polit-Drama Lincoln und Quentin Tarantinos Django Unchained.

Letzterer vereint den Spaghetti-Western mit seinem Blaxploitation-Bruder zu einem derb-komischen, aber auch politisch wirksamen Film über ein amerikanisches Trauma. Im Lauf des Jahres folgt mit Twelve Years a Slave eine dritte Arbeit zum Thema, bei der Steve McQueen (Shame) Regie führt.

Weitere - zumindest erhoffte - Highlights des US-Kinos: Pacific Rim, ein lang erwarteter neuer Science-Fiction-Film von Guillermo del Toro, in dem Menschen in Riesenrobotern Aliens bekämpfen. Alfonso Cuaron hält mit einem realistischeren Space-Drama dagegen: In Gravity spielen George Clooney und Sandra Bullock Astronauten eines defekten Raumschiffs.

Sofia Coppola hat mit The Bling Ring einen Film über eine jugendliche Raubgemeinschaft gedreht, Kelly Reichardts Night Moves erzählt von Öko-Terroristen, die einen Damm sprengen wollen. Auch Nicolas Winding Refn schlägt mit Only God Forgives (und Ryan Gosling) wieder zu, genauso der zum Vielfilmer mutierte Terrence Malick (Knight of Cups, mit Christian Bale).

Mit geballter Kraft rückt 2013 definitiv auch das deutsche Autorenkino an: Thomas Arslan hat mit Nina Hoss einen Western gedreht (Gold), Valeska Grisebachs neuer Film heißt Western und entwirft "die Choreografie eines Kampfes". Benjamin Heisenberg hat mit Über-Ich und Du dagegen eine Komödie gedreht.

Als Großfestival-Starter stehen bestimmt auch schon Lars von Triers Nymphomaniac (erneut mit Charlotte Gainsbourg) und Arnaud Desplechins Jimmy Picard (mit Mathieu Amalric und Benicio del Toro) fest - Wong Kar-wais Martial-Arts-Drama The Grandmaster wird fix die Berlinale eröffnen, auch auf Nobody's Daughter Haewon vom Koreaner Hong Sang-Soo darf man sich dort freuen.

Aus österreichischer Sicht kann man auf Ulrich Seidls Dokumentarfilm Im Keller hoffen, der einen besonderen Ort dieses Landes thematisiert; auch Götz Spielmanns neuer Film Oktober November ist zu erwarten. Nikolaus Geyrhalter hat mit Irgendwann und Cern gleich zwei Dokus in Produktion.   (Dominik Kamalzadeh, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

  • Lang erwartet: Guillermo del Toro neuer Science-Fiction-Film "Pacific Rim".
    foto: warner

    Lang erwartet: Guillermo del Toro neuer Science-Fiction-Film "Pacific Rim".

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