Kirche gegen Sexualkunde in Kroatien

28. Dezember 2012, 18:57
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Die kroatische katholische Kirche liefert sich in den Weihnachtsfeiertagen eine Auseinandersetzung mit der linksliberalen Regierung über die Einführung eines Sexualkundeunterrichts. Der Kardinal wetterte sogar in der Christmette gegen die "Gender-Ideologie".

Zagreb/Wien - Der Premierminister und der Präsident konnten in der Christmette nicht gut dagegen reden, ihre indignierten Blicke zeigten aber durchaus, was sie von der Predigt des Kardinals hielten. Josip Bozanic - im goldenen Ornat - begrüßte die beiden sozialdemokratischen Politiker zwar höflich, wetterte aber dann über die "Rebellion gegen Gott", die "Gender-Ideologie", die dem "Geheimnis von Weihnachten" widerspreche, also der Geburt des "Kindes in der Heiligen Familie". 

Flyer gegen Sexualkundeunterricht

Gott habe den Menschen als männlich und weiblich geschaffen. Der kroatische " Don Camillo" kämpft gegen die Einführung von Sexualkundeunterricht für Zehn- bis 14-Jährige an den Schulen. Kurz vor Weihnachten war der Kulturkampf zwischen der linksliberalen Regierung und der rechtskonservativen katholischen Kirche eskaliert.

Kirchenvertreter hatten vor den Feiertagen in Supermärkten und Kiosken Flyer gegen das neue Unterrichtsfach verteilt. In den Unterrichtsmaterialien befänden sich "unannehmbare Positionen zur Sexualität und Ehe", die "im Gegensatz zur christlichen Anthropologie" und zum "Wesen des kroatischen Volkes" stünden. 

Masturbation und Homosexualität nicht natürlich

Die Kirchenvertreter lehnen ab, dass Masturbation und Homosexualität natürlich und normal dargestellt werden. Den Kindern würde zudem Pornografie, Empfängnisverhütung und "Sex ohne Emotionen" beigebracht. Sie fordern, dass Eltern sich entscheiden können, ob ihre Kinder einen "alternativen" Sexualunterricht bekommen können sollen. Unterstützt wird die Kirche dabei von der konservativen HDZ.

"Mittelalterliche Sichtweise"

Der linke Bildungsminister Zeljko Jovanovic antwortete just am Heiligen Abend auf die katholische Propaganda und berief eine Pressekonferenz ein. Die Kirche habe sich nicht in weltliche Angelegenheiten einzumischen und betreibe Desinformation. Er werde sich nicht länger mit der "mittelalterlichen Sichtweise" beschäftigen, so Jovanovic. Der Minister betonte, dass die Unterrichtsmaterialien auf wissenschaftlichen Fakten basierten und von 14 Experten ausgearbeitet wurden.

Ausgelöst wurde der Streit durch ein Interview mit Präsident Ivo Josipovic, in dem er sagte: "Ich akzeptiere, dass Gott existiert, aber meine Erfahrung hat das nicht bestätigt." In Kroatien sind 87 Prozent der Bevölkerung römisch-katholisch.

Religiöse Bücher in Supermärkten und Postämtern

In Supermärkten, aber auch in Postämtern liegen wie selbstverständlich religiöse Bücher auf. Für Kontroversen zwischen der linksliberalen Regierung und der Kirche sorgte bereits das Gesetz über künstliche Befruchtung. In Kroatien dürfen seit dem Sommer auch unverheiratete, unfruchtbare Paare, sowie alleinstehende homo- und heterosexuelle Frauen und Transgender eine künstliche Befruchtung machen. (Adelheid Wölfl, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

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