Schweizerkracher & Co: Spiel mit dem Feuer

29. Dezember 2012, 18:00
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Ein Niederösterreicher und ein Kärntner halten in Österreich die Produktion von Raketen hoch. An China führt dennoch kein Weg vorbei

Wien - Thomas Köchl ist in Hochform. Dicht an dicht drängen sich in seinem Verkaufsraum die Kunden, die Rat bei ihm als Chef persönlich suchen. Es geht um Zylinderbomben, Vulkane und bengalische Lichter. Köchls Familie lebt seit vier Generationen davon. Und zu Silvester geht weit mehr als die Hälfte ihrer jährlichen Produktion in Rauch und Feuerregen auf.

Köchl sieht sich mit seinem Betrieb Pinto in der Wachau als letzter Österreicher, der das Handwerk des Raketenbaus hochhält. Was sein Mitbewerber Hans Liebenwein aber so nicht gelten lässt: Denn der Kärntner fertigt allein für Silvester jährlich zwei Millionen Raketen, mehr als die Hälfte davon gehen nach Deutschland.

Seine Produktion in Meiselding ist mehrheitlich unter dem Dach der deutschen Weco, dem Platzhirsch des europäischen Böllermarkts. Der Vertrieb blieb großteils in seiner Hand. Die restlichen Feuerwerksmacher sind zumeist Einzelkämpfer, die ihre Waren in Asien produzieren lassen und in Deutschland aufgrund der niedrigeren gesetzlichen Hürden lagern.

Auch Köchl vertraut bei seinem Lichtspiel auf Fernost. Er hat sich bei chinesischen Lieferanten eingekauft, die von ihm entwickelte Prototypen nach seiner Richtlinie "ohne Kinderarbeit" bauen lassen. "Auch wenn alle gern auf Chinesen schimpfen, sie haben die Raketen erfunden." Komplexeres erzeuge er mit seinen eigenen Leuten in der Wachau. Je nach Saison umfasse die Belegschaft 15 bis 50 Mitarbeiter, die jährlich Großhandelsumsätze von, laut Köchl, zwei Millionen Euro erzielen. Der Umsatz mit den Endverbrauchern liege bei rund fünf Millionen Euro.

Wettbewerbsfähiger

Liebenwein sieht die Entwicklungen in China in einem anderen Licht: Die Importe würden zunehmend schwierig und kompliziert, Lieferungen verspäteten sich, die Preise explodierten bei einzelnen Artikeln um bis zu 30 Prozent. Seinem Werk in Meiselding, das dadurch wettbewerbsfähiger werde, komme all das zugute. Mittlerweile fertigten seine 35 Mitarbeiter 35 Prozent dessen, was sie in In- und Ausland verkauften, selber.

Von einer Krise sei trotz flauer Konjunktur keine Spur, sagt Robert Siegert, der die Pyrotechniker in der Wirtschaftskammer vertritt. Der Absatz nehme stetig leicht zu. Die Branche setze im Handel jährlich 25 Millionen Euro um, zehn Millionen verpufften nach Statistiken der Kammer rund um Silvester. "Es muss an der jahrtausendealten Tradition liegen, Freude in Feuerwerken auszudrücken."

Handelsketten haben mehr als 60 Prozent des Geschäfts in ihrer Hand - und das Recht, Nichtverkauftes im Jänner an die Lieferanten zu retournieren. Zigtausende rund um den Jahreswechsel mit ihren Standln quasi aus dem Boden schießende Pyrotechniker teilen sich den Rest des Marktes.

Harter Wettbewerb und sinkende Preise schmälerten freilich die Gewinne. Das Vormaterial und die Chemie würden stetig teurer, dazu kämen kostspielige Gutachten, die er aufgrund fehlender Prüfstellen in Österreich im Ausland erstellen lassen müsse, sagt Köchl. Dass der Verkauf von Schweizerkrachern ab Juli 2013 verboten wird, stört ihn wenig. "Außer den Spediteuren verdient da eh keiner dran." (Verena Kainrath, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

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    Mehr grämt ihn der florierende Schwarzmarkt mit "vielfach überladenen" Knallern aus dem Osten.

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