Polens Jugendliche wollen mehr über Sex lernen

28. Dezember 2012, 18:57
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Schüler in Irland können sich oft nicht erinnern, ob sie in der Schule aufgeklärt wurden

Dublin/Warschau - "Ich habe einen Zungenkuss mit meinem Freund getauscht. Werde ich jetzt schwanger?", ist eine der häufigsten Fragen polnischer Teenager im Internet. Zu Hause und in der Schule ist das Thema Sex so mit Komplexen und Tabus beladen, dass es nur selten offen diskutiert wird. Die sexuelle Aufklärung findet im Internet statt, wie ein Meinungsforschungsinstitut im Auftrag der linksliberalen Gazeta Wyborcza herausfand. Dabei gibt es durchaus Sexualkunde-Unterricht in der Schule.

Befreiung vom Sexualkundeunterricht

Seit 1999 sind insgesamt 14 Stunden von der fünften Klasse bis zur Matura vorgesehen. Wann die freiwilligen Stunden im Rahmen der "Erziehung zum Leben in der Familie" stattfinden, entscheiden die Schuldirektoren. Fünf der Stunden sollen getrennt für Buben und Mädchen stattfinden. Eltern können ihre Sohne und Töchter aber vom Sexualkundeunterricht befreien lassen.

Dort, wo der Unterricht angeboten wird - immerhin in sieben von zehn Schulen - nehmen mehr als 80 Prozent aller Teenager teil. Allerdings zucken 40 Prozent der Schüler mit den Schultern, wenn sie gefragt werden, was ihnen der Unterricht gebracht hat.

Schüler zeigen Interesse

Das Interesse der Schüler wäre da: Laut Umfragen wollen sie mehr wissen über Verhütungsmethoden und den Schutz vor Geschlechtskrankheiten. Doch Eltern wie Ministerium wünschen etwas anderes. Im Sexualunterricht soll vor allem die Funktion der Familie besprochen werden und die Verantwortung für das eigene und das werdende Leben.

Heikles Thema in Irland

Auch im katholischen Irland war Sexualerziehung lange ein heikles Thema. Da die Volks- und Mittelschulen überwiegend unter katholischer Kontrolle stehen, wurde das Thema weitgehend mit Schweigen übergangen. Doch in den letzten Jahren ist ein tiefgehender Wandel zu verzeichnen.

Progressives Programm

Das von Bildungsministerium vorgeschriebene Programm "Beziehungen und sexuelle Erziehung" ist laut dem Leiter einer katholischen Schule progressiv und spricht eine klare Sprache. Es werde auch in katholischen Schulen vorbehaltlos gelehrt. Einsprüche von Eltern wären zwar möglich, kämen aber kaum vor.

Eine internationale Befragung ergab im Oktober, dass nur 55 Prozent der irischen 18-Jährigen sich an die Sexualkunde in der Schule erinnern konnten. Weitere 15 Prozent wussten es nicht mehr, der Rest, beinahe ein Drittel, bestritt, je derartigen Unterricht erhalten zu haben. (gl, mal, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

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    Demo in Polen: "Sexualerziehung ist eine Notwendigkeit." F.: Reuters

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