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Im Anschluss an die Facebook-Suche nach "Worst of Klimt" erklärte das Wien Museum dieses Beispiel zur größten Schrecklichkeit: Eine Spieluhr in Eiform, ...
vergrößern 600x684... darin ein sich drehendes Kuss-Double in musikalischer Begleitung von "Falling in Love".
vergrößern 600x779"Mosaik" für Bibliophile: Gemessen an 2012 hierzulande erschienenen Publikationen, brachte das Klimt-Jahr stolze 21,6 kg auf die Waage.
Wien - 21.600 Gramm wiegt das Klimt-Jahr 2012. Zumindest, wenn man es an der Masse der erschienenen Publikationen bemisst - darunter etwa auch das 7,8 Kilo-Schwergewicht (Tobias Natters Werkverzeichnis der Gemälde) aus dem Taschen Verlag.
Selbst mit einer nicht ganz astrein tarierten Waage, ist das eine konkrete und nachvollziehbare Zahl - gerade im Vergleich zu den kolportierten Besucherzahlen. Bombastische 1,5 Millionen Menschen sollen sechs der insgesamt elf Wiener Ausstellungen zum Goldjungen besucht, stolze 550.000 am Gerüst des Kunsthistorischen Museums seine Zwickelbilder bestaunt und 355.000 weitere die Ölbilder im Belvedere bewundert haben. Nur: Solche Museen wurden selbst heuer nicht ausschließlich wegen Klimt besucht.
Dieses Kokettieren mit Besucherzahlen kennt man zu genüge. Und insofern wundert es nicht, dass der Held des Jubeljahres an dessen Ende noch beklatscht wird. Das war absehbar. Abzusehen war auch, dass der Wunsch nach einem, sich ans internationale (Fach-)Publikum richtendes Klimt-Kompendium mit gebündelter Wiener Expertise unerfüllt bleiben wird.
Unerfüllt wie das fromme Ansinnen einer einzigen gemeinsamen Ausstellung. Dabei hätte sich Gustav Klimt höchstpersönlich eine solche gewünscht. Woher man das weiß? Der mausetote, aber laut Gesprächsprotokoll ständig grinsende Maler, gewährte dem Mitteilungsblatt der österreichischen Kunsthistoriker, "Kunstgeschichte aktuell", ein exklusives Interview. "Warum machen die nicht einfach eine große, zentrale Ausstellung an einem geeigneten Ort, zum Beispiel in der Stadthalle", sinnierte er.
Dieser Hihi-Hoho-Kunstgriff der Geisteswissenschafter (Titelseite im Frühsommer), war wahrlich ein allzu verborgenes Highlight der nun zu Ende gehenden "Klimtiade". Schließlich erfuhr man dort aus erster Hand, was der Meister über das Ausstellen seiner intimen Korrespondenz mit Emilie Flöge ("Indiskretion!"), die Schau im Künstlerhaus ("marodes Haus versucht aus meiner Person Kapital zu schlagen") oder die Zeichnungsausstellung der Albertina ("leicht langweilig") denkt. Oh Kunstgeschichte, welch märchenhafte Disziplin!
In all der Schwelgerei bot das Wien Museum mit ein paar kritischen Stimmen erfrischende Abwechslung: "Erstaunlich welchen Stellenwert Klimt für die österreichische Kunst- und Kulturgeschichte hat, berücksichtigt man, wie wenig Auseinandersetzung mit Klimt in der gegenwärtigen Kunstproduktion passiert", merkte etwa Kuratorin Ursula Maria Probst im Videointerview an. Und Ende 2012 hat sich daran nichts geändert. Vielleicht, weil Klimt für zeitgenössische Themen eine allzu gestrige Figur ist? In seinem Frauenbild zeige sich die Antimoderne der Wiener Moderne, kritisierte Kulturwissenschafterin Lisa Fischer. Stilisiert und in Gold verpackt verschwinde die Persönlichkeit hinter dem Ornament.
Für eingeschworene Klimtianer fällt derlei in die Kategorie überholtes Klischee, würde ja wieder nur ein Teilaspekt seines Oeuvres betrachtet. Denn abseits der beauftragten repräsentativen Porträts sei das absolut nicht der Fall, wie Klimt über seine Arbeiten auf Papier nachhaltig bewies. Um Voyeurismus sei es ihm ja dabei nie gegangen, sondern um eine sinnliche Präsenz des menschlichen Körpers, betont Marian Bisanz-Prakken.
Seismografisch habe er die Körperlichkeiten über Linien registriert und Seelenstimmungen abstrahiert. Selbstgespräche nennt die Klimt-Expertin seine Zeichnungen liebevoll. Mit dem Jubiläumsjahr geht auch ihre Laufbahn als Albertina-Kuratorin zu Ende. Als Expertin für Klimt-Zeichnungen bleibt sie der Kunstwelt jedoch erhalten, etwa als international anerkannte Ansprechpartnerin für den Kunsthandel und vor allem als Autorin der angekündigten Ergänzung des Werkverzeichnisses. Denn zusätzlich zu den 4000 in den 1980er Jahren von Alice Strobl erfassten Blättern, konnte Bisanz-Prakken in den vergangenen Jahren an die 350 neue authentifizieren.
Abseits all dessen, bescherte der internationale Kunstmarkt dem Klimtjahr keine Sensation. Dort verzeichnete man business-as-usual und stieß kein neuer Künstlerrekord "Adele" vom Thron des Superlativs ("Porträt Adele Bloch-Bauer II" (1912), 88 Mio. Dollar, Christie's 2006: "Porträt Adele Bloch-Bauer I" (1907), 135 Mio. Dollar, Private Sale an Neue Galerie/New York).
So richtig zum klingeln brachte Klimt hingegen die Kassen der Merchandising-Industrie, die teils skurrile Blüten trieb: Gleich zum Auftakt des Jahres war beispielsweise Erotikmodel Micaela Schäfer via "VOX-Promi Dinner" als Besitzerin einer Lackkommode mit Kuss-Dekor entlarvt worden. Die größte Kitsch-Bandbreite trug die Facebook-Community auf der Suche nach "Worst of Klimt" für das Wien Museum mit rund 140 Beispielen zusammen. Daraus wählte Wolfgang Kos die größte Schrecklichkeit: eine Spieluhr in Eiform, darin versteckt ein sich drehendes Kuss-Double in musikalischer Begleitung von "Falling in Love".
Repräsentativ für den Run auf Museumsshops gewährt das Belvedere aktuellen Einblick in die Bilanz 2012: Bis Ende November stieg der Umsatz im Non-Book-Segment im Vergleich zum Vorjahr um 60 Prozent auf etwa 2,5 Millionen Euro, 45 Prozent davon darf sich - dank Bestseller wie Seidenschals und Poster - Jubilar Gustav an die Fahnen heften. (Anne Katrin Feßler & Olga Kronsteiner, Langassung, DER STANDARD, 29./30.12.2012)
Die Klimtomania ist nur der letzte Höhepunkt in einer permanenten Kraftanstrengung, alles, aber auch alles dem Tourismus unterzuordnen
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nachkommend:
http://www.plus.de/Artra-Dek... 108213000/
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