Wieder kein Weltuntergang

28. Dezember 2012, 18:42
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Trotz aller Weissagungen kommt die Apokalypse doch ein anderes Mal. Ein paar Gedanken zum ausgebliebenen Weltuntergang


Kein Witz

Von Tex Rubinowitz

Die Welt ist leider deswegen nicht untergegangen, weil sie zu dumm ist. Das ganze Unternehmen, der feste Vorsatz und Wille wäre ja schon da gewesen, aber musste schon allein daran scheitern, dass die Welt nicht gewusst hätte, wie sie es anstellen soll, endlich den finalen Schlussstrich zu ziehen, auf den doch jeder so sehnsüchtig wartet.

Sie ist zu tollpatschig, es reicht eben nicht, ein oder zwei irre Diktatoren zu haben, oder ein paar Atombomben und alberne Religionen, eine Katastrophe oder eine Weissagung, es müssen eben alle zusammenarbeiten, und solange man sich nicht einigen kann, wird das nichts. Wenn jedes Zerstörungsszenario anders ist, zerstört man eben so lange aneinander vorbei, bis man sich verzettelt und am Ende Bubble-Tea als ultimative Bedrohung übrig bleibt.

Dann kommt noch dazu, dass die Welt ziemlich humorlos ist, nein, Humor hat sie schon, aber einen schlechten. Sie veralbert alles. Die miesen Witze regieren, nicht nur am Stammtisch, auf Klimagipfeln, in der Weihnachtszeit und bei der Uno. Und so kann man natürlich nicht arbeiten. Zum guten Witz gehört natürlich unbedingte Ernsthaftigkeit. Sowenig es das schönste oder das traurigste Lied der Welt gibt, gibt es immer noch nicht den tödlichsten Witz der Welt, der Witz der alle anderen Witze beendet.

Seit Jahren ist er in unterirdischen Geheimlaboratorien in der Entwicklung, iranische und nordkoreanische Wissenschafter sind daran nicht beteiligt, so viel darf verraten werden. Und natürlich hat dieser Witz nichts mit dem auf den Schlachtfeldern des Ersten Weltkriegs eingesetzten Witz zu tun ("Wenn ist das Nunstück git und Slotermeyer? Ja! ... Beiherhund das Oder die Flipperwaldt gersput!"), er war eben von Monty Python, und auch ihm gebrach es einfach am nötigen Ernst.

Dabei weiß doch jeder, man wäre mit so einem Weltuntergang alle Sorgen auf einen Schlag los, Palästinenserstaat, Damien Hirst, Schuldenlast, Philip Roth bekommt wieder nicht den Literaturnobelpreis, Cellulite, Glutamat, Amalgam.

Ein Wissenschafter (ich) hat mal ausgerechnet, dass man, wenn alle 1,3 Milliarden Chinesen in ein Rohr hauchen würden, in der Lage wäre, mit dieser gesammelten und gebündelten Hauchkraft eine Rakete zu starten, die zwar nur 10 cm abheben würde, aber man hätte mit konzertierter Kraft etwas erreicht. Die Menschheit müsste für eine Sache zu begeistern sein, beim Gangnam Style ging das ja auch, und ein Getränk wie Bier ist doch auch ein die Weltbewohner vereinender köstlicher Saft.

Wenn es also schon mit dem tödlichsten Witz hapert und vermutlich auch des einen oder anderen Angst vorm Sterben bisher weiteres Forschen behindert hat, so sollten wir uns im kommenden Jahr vielleicht eine wünschenswerte Todesart ausdenken, die den letzten Selbstmitleidigen, sich ans Leben Klammernden das Sterben erleichtert. Etwa wenn, was nicht undenkbar ist, im nächsten Jahr die ganze Weltbevölkerung den Friedensnobelpreis bekommt und wir alle bei der Verleihung desselben von einem Brocken gefrorener Flugzeugpisse erschlagen werden. Überraschend, schnell und schmerzlos. Alle Sorgen los, und auch noch einen Preis in der Tasche. Welt, was willst du mehr?

Tex Rubinowitz, geb. 1961 in Hannover, ist Zeichner und Schriftsteller. Zuletzt erschien "Rumgurken. Reisen ohne Plan, aber mit Ziel" (Rowohlt, 2012).

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Und wieder ist die Welt nicht untergegangen

Von Margit Schreiner

Weit über 100 aufsehenerregende Weltuntergangsprophezeiungen hat es angeblich in der Menschheitsgeschichte bereits gegeben, allein die Zeugen Jehovas warteten, obwohl erst Mitte des 19. Jahrhunderts gegründet, bereits mindestens sechsmal auf das endgültige Out. Das letzte Mal im Jahr 2000. Wen hat's gekümmert? Mich nicht. Diesmal aber habe ich, ehrlich gesagt, fast ein wenig gehofft.

Die Gründe sind durch und durch egoistische. Ich bin am 22. 12, also genau einen Tag nach dem erhofften Weltuntergang 59 Jahre alt geworden. Ein ganz, ganz gefährliches Alter für einen Schriftsteller. Heine ist mit 59 gestorben, Dostojewski ebenfalls, ebenso James Joyce, Virginia Woolf (die beiden Letzteren sind jeweils 1882 geboren und 1941 gestorben), Thomas Bernhard (sogar knapp vorher), Jurek Becker, zuletzt der Kubaner Eliseo Alberto. Sie alle haben irgendwen hinterlassen, ihre Leser sowieso. Und Chaos in den Manuskripten, der Korrespondenz, der Wohnung, unzählige Bücher, große Bürden für die Nachlassverwalter.

Da kommt man, an der Schwelle zum 60. Lebensjahr stehend, schon ins Grübeln. Wer weiß, was uns allen erspart geblieben wäre, wenn wir mit Gammablitz und Donner und Erbeben, Wasserfluten und Stürmen hinweggefegt worden wären, alle zusammen mitsamt unseren unordentlichen Manuskripten und Haushalten. Mir ganz persönlich wäre diese unsägliche Aufeinanderfolge von Geburtstag und Weihnachten mit nur einem Tag Erholung dazwischen erspart geblieben. Und was heißt Erholung? Nachbereitung, Vorbereitung ununterbrochen.

Da wäre der 21. 12. tatsächlich mein idealer Weltuntergangstermin. Weil ich mich in der Nacht vom 21. zum 22. ohnedies immer in Erwartung der ersten Anrufe am 22. 12. schlaflos im Bett herumwälze, im Morgengrauen einschlafe, selbstverständlich, kaum schlafe ich endlich, von irgendeinem Verwandten, von dem ich gar nicht mehr weiß, wie er überhaupt ausschaut, telefonisch geweckt werde, weil er der erste Gratulant sein will, mich mühsam zum Einkaufen schleppe, Kaffee, Milch, Gebäck, Kekse und Sekt müssen vorhanden sein, falls irgendjemand überraschend vorbeikommt, die Wohnung wird aus demselben Grund notdürftig gesäubert und aufgeräumt, dann beginnt schon das Anstoßen mit Sekt, die Geburtstagskocherei und so weiter, am nächsten Tag dann die Säuberung der vollkommen verdreckten, verklebten Wohnung, der Kater vom vielen Sekt, nur mit weiterem Sekt zu bekämpfen, das Besorgen der Nahrung für das Weihnachtsessen, abwaschen, Geschirr einräumen. Am nächsten Tag Geschirr wieder ausräumen, Tisch decken, feiern, wieder Sekt, und so weiter, die Kocherei hat kein Ende, die bröseligen Weihnachtskekse in meinem Bett häufen sich.

Direkt nach Weihnachten dann der alljährlich beschwerlicher werdende Almaufenthalt in Eiseskälte, ohne Warmwasser, in viel zu weichen Betten mit Lammfellauflage, die in der Nacht verrutscht. Der viele Alkohol zu Silvester, das hört und hört nicht auf, Kopfschmerzen und Katzenjammer wechseln einander ab.

Alles das wäre mir erspart geblieben. Auch die Vorsätze fürs nächste Jahr, die Scheißpummerin würde auf ewig schweigen wie die Marzipanschweine, keine Kracher und Knaller mehr nach dem letzten endgültigen Knallen und Krachen. Keine alten schwärenden Wunden, keine neuen Wunden mehr, auch keine Heilung.

Schade, es wäre so schön gewesen. Wir wären draußen im Schnee mit Winterstiefeln, in dicke Anoraks gehüllt, gestan-den, hätten einander an den Händen gefasst und dem riesigen goldroten Asteroiden entgegengeschaut, wie er donnernd und dröhnend auf uns zurast, der Hund hätte gebellt, wir hätten applaudiert.

Margit Schreiner, geb. 1953 in Linz, ist seit 1983 Schriftstellerin. Zuletzt erschien ihr Roman "Die Tiere von Paris" (Schöffling- Verlag, 2011).

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Wie kann man so was Irrwitziges behaupten?

Von Kathrin Röggla

Wer sagt denn so was, wie kann man so was Irrwitziges behaupten? Was weiß ich, ob die Welt untergegangen ist oder nicht. So was lässt sich nicht mehr ein für alle Mal feststellen. Jeder hat eine andere Meinung dazu, sieht das aus einem anderen Blickwinkel, und ja, ich habe wohl nachgefragt: Der Katastrophenexperte aus dem Hessischen mit seinen weltweit 6000 Ingenieuren machte verschiedenste Andeutungen in Weltuntergangsrichtung, die Fraportgegner wissen, der Untergang liegt schon lange hinter ihnen, mindestens seit der Eröffnung der Startbahn Nordwest, verschiedenste Institutsmitarbeiter blickten entweder nervös auf die Uhr oder schlossen Gewinnmitnahmen nicht aus, schwiegen aber beharrlich über Rohstoffspekulationen, die Bahnschaffnerin von eben hatte dafür nur ein müdes Lächeln, während meine Syrien-Connection einfach die Autotür zugeknallt hat und mich in jenes Ladenlokal zurücktaumeln ließ, in dem ich nun sitze und Ihnen versichern kann, auch die empirischen Erhebungen und Statistiken in großem Maßstab ergeben ein sehr disparates und radikal unübersichtliches Weltuntergangsbild. Krisselig, schlecht kadriert, wackelig nahezu und fürchterlich farbkalibriert. Ja, auch jene seriöseren Institute wie das Rolf-Marinus-Institut, für das ich arbeite, können uns jetzt im Augenblick nicht weiterhelfen, herausgekommen ist ein leidiger 52-prozentiger Weltuntergang, aussageschwach, nahezu kränkelnd.

Man kann über den Daumen gepeilt sagen, dass es komplex ist, aber immerhin eine massive Untergangswahrscheinlichkeit im vorliegenden Datenmaterial steckt, vielleicht ein wenig zu versteckt, jedoch als deutliches Zipfelchen aus ihm herausschaut und sich permanent auf empirischer Ebene zu äußern versucht. Äußerungen, die alles andere als witzig sind. Wer auch immer eine Witzigkeit des Weltuntergangs postuliert hat, dem sei versichert, er ist angesichts der allgemeinen Informationslage eher unwitzig, und die sozialpsychologischen Blockaden, die einen breiteren Aufstand gegen die gegenwärtigen politökonomischen Irrläufe verhindern, sind bedenklich.

Manche vermuten ja Erfolgsgarantien, Wahlversprechen und Kundenbindung hinter diesen Dingen, sie sprechen von der erstaunlichen Langsamkeit der Vorgänge, man hätte sich doch ein gewisses Tempo vorgestellt. Ich kann Ihnen da auch keine genauere Interpretation liefern, ich wundere mich nur, wie diese Stimme in meinen Apparat gekommen ist, die permanent wiederholt: "Es gibt ein Direktmandat in Richtung Wirklichkeitserfahrung, auch sie werden Teil der Gesamtgeschichte!" Ich bitte Sie, wer will so was schon glauben! Der Apparat ist klein und lässt nicht ab, mir diese Botschaft immer wieder reinzureiben, mit einer sehr banalen Stimme übrigens, einer Sprecherstimme, wie sie im Buche steht und die ich im Prinzip nur verachten kann, während sie nicht müde wird, Verfallsdaten aus der Geschichte bekanntzugeben, Kündigungsgründe, Fristenlösungen, die man normalerweise gegen Schwächere durchreicht.

Ich sage mir: "Eine Auflösung der Rechtsperson meinerseits steht nicht zu befürchten, also was soll's." Ich sage Ihnen: "Wenn Sie mich also so direkt fragen, muss ich sagen, ich erteile Auskünfte dieser Sorte nur telefonisch, und zwar ohne Karten zu legen, also lassen Sie es!" Zugegeben, das war gebrüllt. Jetzt flüstere ich aber schon wieder, als wären Sie meine Kunden: "Sehen Sie sich den Seefahrerindex an!" Aber er verschwimmt bereits vor meinen Augen. Dann drehe ich mich um und verschwinde in der Landschaft, aus der ich gekommen bin, eine Landschaft in Raten, die ich mir hart erarbeitet habe, und die mir nun ganz allein zusteht.

Kathrin Röggla, geb. 1971 in Salzburg, ist österr. Schriftstellerin und lebt in Berlin. Zuletzt erschien "Die Alarmbereiten" (S. Fischer-Verlag, 2010).

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Eine gewisse Enttäuschung

Von Else Buschheuer

"Geht die Welt unter, müssen Sie den Kredit nicht abbezahlen." So warb ein findiger Autohändler in Kanada. Und auch die Redakteurin, die mir diesen Schreibauftrag noch vorm Weltuntergangsdatum gab, spielte charmant mit dem Risiko: "Falls wir inhaltlich mit der These "Und wieder ist die Welt nicht untergegangen" falsch liegen, macht es dann auch nichts mehr." Was bedeutete, ich hätte den Text zwar bis dahin geschrieben, würde aber nicht mehr bezahlt.

Der Mensch braucht Dinge, an die er sich halten kann. Feste Termine wie Geburt, Hochzeit, Pensionierung, Weltuntergang. Er muss sich schließlich danach richten. Schlimm wird es erst, wenn alles durcheinanderkommt. Die Geburt fällt ins Wasser, die Hochzeit verschiebt sich, das Rentenalter wird heraufgesetzt oder der Weltuntergang findet nicht statt. Das Ausbleiben ei- nes solchen Ereignisses birgt ja auch eine gewisse Enttäuschung.

Wer wenigstens eine Ahnung davon haben will, wie sich ein Weltuntergang anfühlen könnte, der braucht bei Youtube nur "Melancholia Ending" eintippen. Kirsten Dunst, Charlotte Gainsbourg und Gainsbourgs Filmsohn Leo sitzen auf einer Wiese unter einem selbstgebauten Holzgerüst, einer " magischen Höhle" zur Beschwichtigung des Kindes, sie halten sich bei den Händen, und hinter ihnen, sich unaufhaltsam auf sie zubewegend, erscheint ein Feuerball, der immer näher kommt, immer riesiger wird. Dann ein lautes Krachen und ein Flammenmeer. Peng, Schwarzbild, Abspann. Ein Ende mit Schrecken. So schnell kann's gehen. Aber was, wenn nicht? Was, wenn kein schwarzes Loch kommt und die Erde verschlingt, als sei sie ein Happen für den hohlen Zahn? Was, wenn einfach alles weitergeht?

Ein krebskranker Mann in New York erfuhr von seinem Arzt, dass er nur noch ein halbes Jahr zu leben habe. Er nannte fortan jedes Arschloch ein Arschloch, warf seinen Job hin, verjubelte seine Ersparnisse - aber er starb und starb nicht. Als der Mann nach zwei Jahren immer noch lebte, pleite, wohnungslos und ohne Freunde, verklagte er den Arzt auf mehrere Millionen Schadensersatz. Weil er nicht gestorben war.

Wen aber verklagen wir, jetzt, wo die Welt nicht untergegangen ist? Die Maya? Roland Emmerich? Die Medien? Den Weihnachtsmann? Wo kriegen wir so kurzfristig noch eine Silvesterreservierung her? Wie sollen wir das aushalten, dass wir unsere Ehe jetzt doch weiterführen müssen, weiter ins Büro gehen, zur Grippeschutzimpfung, in den Pauschalurlaub, in den Vorruhestand? Hört es denn nie auf?

Andererseits: All die schönen Dinge, auf die wir uns nun wieder freuen können: Die Bundestagswahl 2013 in Deutschland, die Fußballweltmeisterschaft 2014 in Brasilien, die totale Sonnenfinsternis 2015. Und was wir nicht alles schon überlebt haben: Weltkriege, Jahrtausendwende, und mindestens zehn andere vorhergesagte Weltuntergänge - ein Hauch von Unsterblichkeit umweht uns, immer noch und immer wieder.

Und das ganz unverdient. Dass wir, so wie wir umspringen mit der Welt, ihren Untergang mehr als verdient hätten, steht außer Frage. Und man soll die Hoffnung auf finale Gerechtigkeit nicht aufgeben. Einige Sekten erwarten den Weltuntergang im Jahre 1500 des muslimischen Kalenders - 2076. Dann werde ich 111 Jahre alt sein. Bis dahin: Leben wir jeden Tag, als sei es der letzte. Oder, besser noch, der vorletzte: Sonst können wir ja nichts mehr auf morgen verschieben.

Else Buschheuer, geb. 1965 in Eilenburg, ist deutsche Schriftstellerin und Moderatorin. Von ihr erschien zuletzt "Verrückt bleiben" (Aufbau-Verlag, 2012).

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Sie geht ja unter, die Welt. Nur langsam.

Von David Schalko

Die romantischsten Katastrophenbilder haben wir uns schon ausgemalt. Planeten, die auf uns zurasen. Ein Feuerregen, der auf die Erde niederprasselt. Ein plötzliches Verschwinden der Atemluft. Die Vernichtung von allem Essbaren. Ein Dauermusikantenstadl.

Aufgewacht und nichts passiert. Noch immer die gleichen Gesichter im Fernsehen. Noch immer das ganze Elend. Wieder nicht 72 Jungfrauen. Dabei hätten wir uns so sehr einen großen Knall gewünscht. Damit hier endlich etwas passiert.

Das Ausbleiben des Weltuntergangs hat der FPÖ sicher wieder zehn Prozent gebracht. Beruhigen Sie sich, sagt die innere Stimme, die schon immer per Sie mit mir war. Sie geht ja unter die Welt. Nur langsam. Lebenslanger Selbstmord quasi. Und auch nächstes Jahr werden wir wieder einen Schritt weiter in den Untergang trotten. Ein kleiner Schritt für die Menschheit, aber schlecht Ding braucht genauso Weile wie gut Ding.

Wie kommen Sie jetzt auf die EU? Nein, die kann da nichts beschleunigen. Weltuntergang mit 1000 Seiten Regelwerk, bis keiner mehr Lust drauf hat. Vielleicht hat aber Karlheinz Grasser auch eine Wette mit dem Teufel verloren. Alles nur ein Mischgeschick aus Salzburg. Tut uns wirklich leid, den Weltuntergang haben wir übersehen. Es menschelt so herrlich in der Politik. Augen schließen und sie alle weinen sehen. Die harten Männer in Russland, China und Italien. Jetzt muss der Iran her, wenn man den Weltuntergang noch selbst erleben will. Die Juden werden schuld sein. Dort, wo alles begann, wird es auch aufhören. Katastrophenlogik! War irgendeine Katastrophe jemals logisch und vorhergesehen?

Alles auf die Arche, jetzt! Wenn die Bienen sterben, ist sowieso alles aus. Aber sterben die Bienen? In den Regalen steht noch immer Honig. Warum kann man so etwas nicht längst synthetisch herstellen? Werden die Klone uns töten? Oder wird endlich jemand das Supervirus vom Gatter lassen. Ebola mal 100. Eine Allergie auf andere Menschen. An Einsamkeit krepieren. An Lustlosigkeit. An Bequemlichkeit. Alles fühlt sich alt an in Europa. Wie oft die Welt schon jede Jahreszeit hergestellt hat. Nur die Insekten überleben jeden Untergang. Also außer den Bienen. Eine Welt, beherrscht von Kakerlaken. Wenn man jede Katastrophe überlebt, steuert man dann trotzdem auf seinen Untergang zu? Und wie sehe ein solcher aus? Muss jede Zivilisation sterben? Würden sich die Delfine gegenseitig zerfleischen? Die Elefanten zertrampeln?

Großes Shoot-out am Ameisenhügel. Die Zebras haben die Bombe. Das Nilpferd scheitert an seiner Eitelkeit. Die Rehe, eine Gesellschaft von Soziopathen. Der Tiger war irgendwann zu faul, sich fortzupflanzen. So ist das in kapitalistisch degenerierten Systemen. Die Katastrophe gibt dem Leben Sinn. Nur in der Katastrophe wird wie wahnsinnig geliebt. Nur in der Katastrophe gibt es Solidarität. Nur in der Katastrophe sind wir dankbar, am Leben zu sein. Nur in der Katastrophe sind die Sinne auf Intensität gestellt.

Simulieren wir die Dauerkatastrophe!

David Schalko, geb. 1973 in Waidhofen an der Thaya, ist österr. Regisseur und Autor, u. a. "Willkommen Österreich" (seit 2007) und "Braunschlag" (2011).

(Album, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

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    Welt, was willst du mehr? Am Ende bleibt Bubble-Tea als ultimative Bedrohung übrig.

  • Dass wir, so wie wir umspringen mit der Welt, ihren Untergang verdient 
hätten, steht außer Frage.
    foto: taschen

    Dass wir, so wie wir umspringen mit der Welt, ihren Untergang verdient hätten, steht außer Frage.

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