Der Traum als Falle

28. Dezember 2012, 19:06
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Der Kunstpavillon der Tiroler Künstlerschaft hat in der Ausstellung "Vollbildmodus" die "Suche" zum Thema. Künstler reflektieren ihren Zugang zu der eigenen Arbeit

Innsbruck - Was bedeutet es heute, ein Künstler oder eine Künstlerin zu sein? Ist es eine Suche nach sich selbst oder nach (einer) Disziplin? Solchen und anderen Fragen stellen sich fünf junge Kunststudenten und Kunststudentinnen, die in der aktuellen Ausstellung Vollbildmodus im Kunstpavillon zu sehen sind. Denn gerade kurz vor oder nach dem Abschluss des Studiums werden diese Fragen als dringlich empfunden. Dann, wenn Strategien der eigenen Arbeitsweise greifen und Ausstellungsmöglichkeiten gesichert werden müssen. Wenn die Dinge groß werden sollen und zum "Vollbildmodus" wechseln, wie Kuratorin Andrea Lüth sagt.

Barbara Kapusta hat diese Situation genutzt, um ihre Kollegen und Kolleginnen im Video 19 Interviews on Work direkt zu befragen. Sie sprechen über ihre Einflüsse und Erfahrungen. Ganz so, als ob die Wissenschaft Antworten auf die persönliche Verortung in der Kunst liefern könnte. Ergänzend zeigt sie in ihrem Film Amazon drei Frauen, die durch die Natur streunen und über die Depression nach der Beendigung einer Arbeit reflektieren.

Erst hier, in der künstlerischen Verarbeitung im Film, bekommen die persönlichen Fragen eine existenzielle Note: "Darf man sich nach der vollendeten Arbeit zurückziehen? Was passiert mit den Ideen, wenn der Arbeitsalltag wieder da ist? Ist der Traum eine Falle?" Und in einer Antwort wird das Brisante am Thema deutlich: "Man spürt, wie man beim Sprechen die Kraft verliert." Diesen erschöpfenden Kampf um die eigene Verortung hat Katharina Maderthaner regelrecht in den Raum gebaut: mit dicker, weißer Spachtelmasse hat sie das Wort "Solo" über die ganze Wandbreite aufgetragen. Und mit ihrem Einzelkampf sogleich gebrochen. Denn hier in der Gruppenausstellung kann sie sich nur als ein Teil eines Ganzen ins volle Bild rücken.   (Tereza Kotyk, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

Bis 12. 1. 2013
Tiroler Künstlerschaft - Kunstpavillon.

 

  • Frauen, die sich in der Natur niederlassen und über die Depression nach der Beendigung einer Arbeit reflektieren: Barbara Kapustas Film "Amazon".
    foto: kunstpavillon

    Frauen, die sich in der Natur niederlassen und über die Depression nach der Beendigung einer Arbeit reflektieren: Barbara Kapustas Film "Amazon".

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