Im Mobilfunk-Patentkrieg bröckeln die Fronten

31. Dezember 2012, 10:45
  • Apple und Samsung gehen in unverminderter Härte gegeneinander vor.
    foto: apa

    Apple und Samsung gehen in unverminderter Härte gegeneinander vor.

Patente, Urheberrecht und Handelsmarken/Weltweit - Unternehmen vergeht langsam die Lust am juristischen Schlagabtausch

Könnte 2013 endlich ein Schlusspunkt in dem ausufernden Patentkrieg der Mobilfunk-Branche gesetzt werden? Die Chancen scheinen jedenfalls besser als vor einem Jahr. Mit der Einigung von Apple und HTC sowie von Nokia mit dem Blackberry-Anbieter RIM sind es schon einmal zwei schlagzeilenträchtige Konflikte weniger. Und die Wettbewerbshüter in Europa und den USA haben aus Klagen, bei denen es um Standard-Patente geht, weitgehend die Luft rausgelassen.

Unternehmen haben keine Lust mehr

Vor allem aber: Die Unternehmen selbst haben ganz offensichtlich keine Lust mehr, wie bisher weiterzukämpfen. Das deutlichste Zeichen dafür kam im Dezember, als sie die Digitalfoto-Patente von Kodak in einer gemeinsamen Aktion kauften. Der insolvente Fotopionier hatte einst auch an den Anfängen der Digitalbilder gestanden und unter den rund 1.100 Schutzrechten fände sich wohl einiges, womit man einen Patentstreit eskalieren lassen könnte. Schließlich haben inzwischen alle Handys und fast alle Tablet-Computer Kameras - und Kodak verklagte vor einem Jahr kurz vor der Insolvenz schon mal provisorisch so gut wie alle großen Player der Branche.

Doch niemand versuchte, sich das Patent-Arsenal allein anzueignen. Stattdessen kam eine Riesenkoalition zusammen, um die potenziell gefährlichen Patente vom Markt zu nehmen. Zu Apple, Google, Samsung gesellten sich unter anderem Facebook, Microsoft, der Smartphone-Spezialist HTC, der Blackberry-Anbieter RIM, eine Tochter des Online-Händlers Amazon, der chinesische Netzausrüster Huawei, der Software-Spezialist Adobe und der Kodak-Erzrivale Fujifilm. Es war der erste Vorstoß dieser Art.

Kodak hatte auf ein Bietergefecht spekuliert - wie 2011 beim Netzwerkausrüster Nortel, als der Wettstreit zwischen Apple und Google den Preis für das Patentpaket bis auf 4,5 Mrd. Dollar (aktuell 3,5 Mrd. Euro) trieb. Diesmal berappte der ganze Haufen gerade einmal 525 Mio. Dollar - den Betrag, den die Banken gefordert hatten, damit sie die Finanzierung für einen Neuanfang freigeben.

Apple vs. Samsung mit unverminderter Härte

Mit unverminderter Härte wird eigentlich nur noch ein Patentstreit ausgetragen, der zwischen Apple und Samsung, den beiden Königen der neuen mobilen Computerwelt. Alle von einem US-Gericht angeordneten Friedensgespräche blieben ergebnislos. Auch die Entscheidung kalifornischer Geschworener, die Apple 1,05 Mrd. Dollar für die Verletzung mehrerer Patente zusprachen, wurde nicht zum Wendepunkt. Samsung lässt nichts unversucht, um die Entscheidung zu kippen, noch bevor sie von Richterin Lucy Koh offiziell bestätigt wird. Und auch dann stünden den Südkoreanern noch viele Wege für eine Berufung offen. Eine friedliche Lösung komme derzeit nicht in Frage, ließen Samsung-Manager immer wieder verlauten.

Bei Apple ließ der kriegerische Elan mit dem Wechsel an der Spitze merklich nach. Während Gründer Steve Jobs einst noch versprach, das Google-Betriebssystem Android mit einem "thermonuklearen" Angriff zu vernichten, weil es vom iPhone abgekupfert sei, äußert sich sein Nachfolger Tim Cook merklich zurückhaltender. "Ich habe Klagen schon immer gehasst und ich hasse sie jetzt noch", erklärte er bereits im Frühjahr in einer Telefonkonferenz. Zugleich will aber auch Cook nicht um jeden Preis aus dem Patentkrieg raus: "Wir wollen, dass die anderen selber ihre Sachen erfinden", betonte er. Und Apple kann sich mit seinem Milliarden-Geldberg einen langen Atem im Gerichtssaal leisten.

Gegenwind von Regulierern

Zudem bekommen die Rivalen Google und Samsung merklichen Gegenwind von den Regulierern. Sowohl die Südkoreaner als auch die neue Google-Tochter Motorola hatten in vielen Klagen auf Patente gesetzt, die zum Grundstock technischer Standards gehören. Für diese Standard-Patente gelten aber besondere Lizenzregeln, und die Aufseher sind zu der Ansicht gekommen, dass Verkaufsverbote auf ihrer Basis den Wettbewerb verzerren. Ganz wertlos sind diese Patente in den laufenden Verfahren aber nicht: Einen hohen Schadenersatz können Google und Samsung dafür immer noch fordern. (APA, 28.12.2012) 

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14 Postings
Hmm

Ich vermisse in dieser Sammlung doch so manches exotische Teilchen.
Müßte doch noch irgendwo mein HP iPaq 6340h herumliegen haben.

Apple vs. Samsung sucks schön langsam! Aber es gehören immer 2 dazu. Und Samsung ist auch kein Kind von Traurigkeit (Korruption, Gefängnisstrafe für den Boss etc.). Wird aber alles unter den Tisch gekehrt. Auch bei technischen Problemen habe ich das Gefühl, alles wird bei Apple viel mehr aufgebauscht als bei den Südkoreanern. Ich würde mir jedenfalls wünschen, dass sich die beiden nicht dauernd bekriegen, sondern dass ein fairer Wettstreit entsteht, dadurch wirkliche Innovationen wieder hervorgebracht werden, die den Markt beleben und den Konsumenten zugute kommen!

Langweilig

Ist echt schwer zu übersehen, dass Android und Android Handys viel mit dem iPhone gemeinsam haben. Da brauch ich mich nicht über runde Ecken und Gestensteuerung lustig machen.

Aber genau so wenig zu übersehen, sind die Zwänge die Apple dem Konsumenten aufzwingt. In all den Jahren war es ohne Hacks und Zusatzsoftware nicht möglich, direkt auf den Speicher von iPhone oder iPad zu zu greifen. Es war nicht möglich Flash Seiten zu betrachten und man musste jedes Handy über Internet bei Apple anmelden...

Da ist es mir egal, was für ein Schatz und wie schön oder wertig ein iPhone ist, so einem Drecks Management würde ich mich nie unterordnen und das ist meine Meinung. Prosit Neujahr!

"Wir wollen, dass die anderen selber ihre Sachen erfinden".... einfach köstlich...

Was ist daran falsch? Das iPhone 2007 war das erste Smartphone seiner Art. Wann kam das Samsung Galaxy S1? 2010. Speziell beim Samsung Galaxy S1 hat Samsung wirklich noch extrem kopiert. Mittlerweile haben sie sich eh gebessert. Das Original ist und bleibt aber das iPhone. Diese Glaubenskriege sind aber auch aus meiner Sicht überflüssig.

Wohl eher das LG Prada ...

jetzt mal im ernst: dieser herr jobs hat unter den pseudonymen leibniz, touring, von neumann, kernighan/ritchie und fraunhofer dermaßen viel für die entstehung und entwicklung der computer-industrie geleistet, daß ihm und seiner firma wohl eine entsprechende vergütung zusteht!

Richtig, Jobs hat sehr viel geleistet. Das bestreitet

auch niemand. Aber was die hier aufführen ist nur noch lächerlich. Patente auf runde Ecken?!? Patente auf Streichbewegungen mit dem Finger auf einem Bildschirm?!? ....

Außerdem muss man ehrlich sein, hat Apple immer wieder gewaltig von anderen abgekupfert. Oder noch extremer: Dinge die ihnen zum Verkauf von kleinen Programmierern angeboten wurden abgelehnt und dann ein paar Monate das selbe Produkt unter eigenem Namen rausgebracht ... (wollte man sich durch diesen - Jobs bezeichnete sowas bei der Konkurrenz als Diebstahl - Kosten erspare?)

Dabei hätte es Apple gar nicht nötig derartig vorzugehen. Die können was. Aber in Business Fragen ist diese Firma "kein" Vorbild!

was genau denn? außer den touchscreen...

aber was hat er für die computer-industrie gemacht? wozniak hat da schon sehr viel mehr geleistet und jobs hat ihn nur abgesaugt.

Und als revolution würde ich das nicht nennen das man ein altes touchscreen verfahren nimmt, kleiner macht und schreit: INNOVATIOOOOON!

im gegenteil. dieser ganze touchscreenblödsinn hat uns zu einem gewisen stillstand gebracht weil sie jeder nurnochmehr auf den blödsinn konzentriert wobei es so viel offene felder gibt die innovativer sind .

Nun.
Zuerst braucht man eine zündende Idee (an die man felsenfest glaubt) mit klarem Konzept, auf Bedarf ausgerichtet und durchgehendem Design (Jobs).
Danach einen Techniker, der diese Idee auch technisch umsetzt (Woz).
Beide Punkte sind untrennbar miteinander verbunden und in der Wertigkeit ebenbürtig.

Aber ohne Punkt eins gibt es keinen Punkt zwei. Und genau das ist die Leistung von Jobs...

Doch, genau das ist Innovation! Klar gab es schon Touchscreens (auch Multitouch!), lange davor. Aber so etwas in ein Telefon einzubauen und das ganze so konsequent darauf auszurichten, das war innovativ.
Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Apple Fan und ich halte Steve Jobs auch nicht für den großen Erfinder für den ihn viele halten. Aber sein großes Talent war es, das Potential von Erfindungen seiner Mitarbeiter, oder auch Mitbewerber (man erinnere sich an das vergessene Tablet von Microsoft, vor dem Ipad) zu erkennen und diese geschickt umzusetzen.
Viele haben das IPhone belächelt als es herauskam, heute ist es quasi Standard.

Abgesehen davon, dass ich ihnen inhaltlich voll und ganz zustimme und viele anscheinend häufig Innovation mit Erfindung verwechseln bzw. mit dem Begriff viel zu leichtfertig und salopp umgegangen wird (siehe Samsung - da muss anscheinend in jeder Presseaussendung mindestens einmal das Wort 'Innovation' oder 'innovativ' vorkommen) würde mich mal Folgendes Phänomen interessieren, welches ich hier schon oft beobachtet habe:

Warum muss man eigentlich immer entschuldigend betonen, dass man eh kein Apple Fan ist, wenn man mal etwas Positives zu Apple sagt, fast ganz so, als ob man sich schämen müsste, wenn man einer wäre?

Hm, gute Frage, darüber hab ich eigentlich nicht nachgedacht.

Vielleicht will man eben einfach nicht in irgendeine Ecke gedrängt werden, in diesem Forum wird einem dann leider allzu häufig mit Vorurteilen, egal von welcher Seite, begegnet.

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