Bankaktien trieben Börsen weltweit auf Höhenflug

28. Dezember 2012, 21:03
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2012 legten Finanzwerte wieder zu, Anleger suchten nach Zentralbank-Hilfen das Risiko

Wien - Die Bank gewinnt - im Börsenjahr 2012 hat das zugetroffen. Allen Skandalen rund um manipulierte Libor-Zinsen zum Trotz haben Bankaktien heuer dem breiten Markt einen ordentlichen Schub verliehen. Der Weltaktienindex MSCI World legte 2012 um knapp zwölf Prozent zu, Bankaktien aber doppelt so viel. Der MSCI World Financials kommt auf einen Jahreszuwachs von knapp 25 Prozent. Laut dem Indexanbieter MSCI war der Finanzsektor 2012 der stärkste Gewinntreiber von allen Wirtschaftsbereichen.

Überhaupt war Risiko 2012 sehr gefragt. Exotenbörsen in Schwellenländern und hochriskante Staatsanleihen in den europäischen Schuldenstaaten haben die sicheren Anlagen in den Schatten gestellt. Mit griechischen Anleihen konnten Investoren 2012 mehr als 80 Prozent verdienen, mit portugiesischen langlaufenden Papieren waren deutlich mehr als 50 Prozent Rendite möglich.

Verlockung des Risikos

Auch viele riskante Börsen in Schwellenländer haben Investoren angelockt. Der türkische Leitindex ISE 100 hat seit Jahresbeginn mehr als 60 Prozent zugelegt. Der nigerianische Aktienmarkt hat mehr als 35 Prozent zugelegt. In Österreich und Deutschland waren immerhin zwischen 26 und 29 Prozent möglich. Der Dax hat damit das größte Plus seit 2003 aufs Parkett gelegt.

An der Wiener Börse konnten Anleger von dem globalen Aufwärtstrend der Bankaktien überdurchschnittlich profitieren. Die Titel der Erste Group legten seit Jahresbeginn um 80 Prozent zu, jene der Raiffeisen Bank International um mehr als 50 Prozent.

Doch die Erholung täuscht in vielen Märkten. 2012 haben besonders jene Titel zugelegt, die 2011 an Wert verloren haben. Dazu zählen Bankaktien oder Papiere aus der Türkei. Ein Blick auf längerfristige Charts zeigt, dass mit diesen riskanten Wetten in den vergangenen Jahren eher Geld verloren wurde.

So mancher Analyst hält daher europäische Unternehmen weiter für attraktiv. "Europäische Assets schlagen zurück", titelte etwa jüngst Alain Bokobza, Anlagestratege der Société Générale, eine Analyse. Gerade Mario Draghi, Chef der Europäischen Zentralbank, hat den europäischen (Bank-)Aktien neue Schlagkraft verschafft. Im November 2011 und Februar 2012 hat die EZB mehr als 1000 Milliarden Euro Kredit an die europäischen Geschäftsbanken verliehen. Im Juli hat Draghi zudem versprochen, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen von Krisenländern zu kaufen.

Die größte Unsicherheit für die kommenden Monate ist der drohende Sturz der USA über die Fiskalklippe. Sollten sich Demokraten und Republikaner nicht einigen, treten 2013 Steuererhöhungen und Ausgabenkürzungen von über 600 Milliarden Dollar in Kraft. US-Präsident Barack Obama hat die Führer der Republikaner und der Demokraten im Abgeordnetenhaus und die Senatsfraktionschefs beider Seiten für Freitagabend zu einer Verhandlungsrunde ins Weiße Haus geladen. An der Wall Street rechneten Investoren mehrheitlich nicht mit einem Durchbruch bei den Gesprächen: Der Dow Jones sackte im Tagesverlauf um 0,72 Prozent ab. (sulu, Reuters, DER STANDARD, 29./30.12.2012)

 

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