Auto- und Flugzeugteile kommen aus der Strickmaschine

28. Dezember 2012, 15:03
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Sieben oberösterreichische Unternehmen entwickelten neue Methode zur Herstellung faserverstärkter Kunststoffteile

Linz - Ein oberösterreichisches Forschungskonsortium hat im Rahmen eines zweieinhalbjährigen Projekts ein neues Verfahren zur Herstellung leichter und widerstandsfähiger faserverstärkter Kunststoffteile entwickelt. Das besondere an dem Verfahren ist, dass die Teile aus speziell entwickelten Basaltfasern maßgeschneidert gestrickt werden können. In dem Projekt gelang es nun erstmals, das Wissen über die Herstellung mehrlagiger ebener Gestricke auf Rundgestricke anzuwenden, heißt es seitens der Entwickler. Zukünftig sollen auf diese Art etwa Kunststoffteile für den Auto- und Flugzeugbau hergestellt werden. Der Prototyp der Rundstrickmaschine steht im Innviertel.

Der große Vorteil der faserverstärkten Kunststoffe, sogenannten Composites, ist ihr geringes Gewicht und ihre Festigkeit. Das macht sie für die Industrie zunehmend interessant. Mit der neuen Technik können diese Teile nun auch besser drapiert, also in ihren Konturen dreidimensional angepasst werden. Da die komplexen Teile mit hoher Präzision angefertigt werden könnten, reduziere sich auch der Anteil an Verschnitt deutlich. Damit komme der neu entwickelte Strickprozess den Anforderungen der Industrie sehr nahe. Anhand eines Demonstrator-Bauteils hat die Projektgruppe ihren Ansatz getestet. Der Teil wurde einer ringförmigen Aussteifung eines Flugzeugrumpfes, einem sogenannten Flugzeugspant nachempfunden.

Wachsende Nachfrage nach Composites

Gerade auf Anwendungen in der Flug- und Fahrzeugindustrie haben es die sieben oberösterreichischen Unternehmen abgesehen. Die Nachfrage nach Composites steige nämlich stetig. Im Airbus A380 betrug der Anteil von Teilen aus dieser Werkstoffgruppe beispielsweise noch 23 Prozent, bei der Boeing B787 und im Airbus A350 stieg er bereits auf mehr 50 Prozent. Im Automobilbau würden mittlerweile Karosserieteile und ganze Baugruppen in dieser Bauweise entwickelt. Im Maschinenbau, in dem derzeit noch klassische Metallkonstruktionen vorherrschen, sehen die Entwickler großes Potenzial. Auch in Windkraftanlagen verrichten vor allem hoch beanspruchte Teile aus Faserverbundwerkstoffen ihren Dienst.

An dem von der Forschungsförderungsgesellschaft FFG geförderten Projekt waren der Faserhersteller ASA.TEC, der Maschinenbauer Stranzinger, das Strickunternehmen Kobleder, das Transfercenter für Kunststofftechnik (TCKT) in Wels, die Fachhochschule Oberösterreich und der Kunststoff-Cluster Oberösterreich beteiligt. (APA/red, derStandard.at, 28.12.2012)

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