Anleitung: Heute bauen wir ein Auto

Analyse | Rudolf Skarics, 28. Dezember 2012, 13:46

Ein Auto herzustellen ist wie Marionettentheater. An jedem Schnürl hängt ein Zulieferer mit eigener Dynamik

Längst ist es nicht mehr so, dass nur ein Mercedes ein Mercedes ist oder ein Fiat ein Fiat. Ein Auto besteht aus einer mindestens fünfstelligen Anzahl an Teilen, und jedes Teil wird von einem Spezialisten hergestellt, und wenn es sich im schlimmsten Fall um einen Spezialisten für billigste Herstellung handelt. Die wahre Leistung des Fahrzeugherstellers liegt also nicht in der Detailkompetenz, sondern im Überblick. Wer die besten Zulieferer und Dienstleister um sich versammelt, kann das beste Auto bauen. Arroganz in der Vermarktung allein ist jedenfalls zu wenig für dauerhaften Erfolg.

Nachdem die Japaner, aber spätestens seit die Koreaner gezeigt haben, dass sie im Grunde auch alles können, ist jeglicher Mythos von unantastbarer Technologieführerschaft einzelner Marken im Wanken. Als grobe Denkschiene kann nur eine Überlegung herhalten: Je teurer ein Auto verkauft werden kann, umso mehr Geld ist vorhanden, die besten und nicht die billigsten Spezialisten unter den Entwicklern und Herstellern von Bauteilen, Modulen und Systemen zu engagieren.


Autobau - ein Marionettentheater. (Karikatur: Oliver Schopf)

Klarerweise ist die Integration all dieser Teile noch eine sehr schwierige Aufgabe, aber ohne ein gutes Getriebe, leuchtkräftige Scheinwerfer oder funktionierende Abgasreinigungsanlage lässt sich nichts Ordentliches machen.

Das Geschäft ist mittlerweile total global. Lange bevor ein Auto ausgeliefert wird, müssen seine Teile und Module von Herstellern in der ganzen Welt eingesammelt und zusammengeschraubt werden. Da gibt es keine nationalen Grenzen mehr.

Gehen wir nun einkaufen: Der Verbrennungsmotor gilt nach wie vor als Kernkompetenz eines Autohersteller, auch wenn selbst diese Domäne zusehends aufgeweicht wird. Man denke an den kleinen Dieselmotor von Renault, der in seiner Grundstruktur nicht nur im Billigauto Dacia Verwendung findet, sondern auch in der A-Klasse von Mercedes. Auch durch die steigende Bedeutung von Elektrik und Elektronik drängen immer mehr Unternehmen von außen in diesen Bereich vor.


Der Antrieb: aus der Motorenschmiede in Steyr, idealerweise. (Foto: BMW)

Da es reine Motorenhersteller im Pkw-Bereich nicht gibt, ist hier die Verlockung groß, bei BMW um ein Aggregat anzufragen. Ob Diesel oder Benziner: Hier finden wir die spannendsten und sparsamsten Konzepte. Fritz Steinparzer, der früher für die Dieselmotorenentwicklung im Werk Steyr zuständig war, verantwortet jetzt in München die Benziner. Er ist eine der letzten benennbaren Ingenieurs-Persönlichkeiten, die in der Lage sind, wissenschaftlich dynamisch algorithmisch entwickelte Maschinen mit unverkennbarem Charakter auszustatten.

Das Getriebe werden wir wohl bei ZF kaufen. Die Zahnradfabrik Friedrichshafen baut für Audi einiges, was der Premiumhersteller im Regal von Mutter VW nicht findet. Besonders beliebt: die Achtgangautomatik, zukunftssicher, auch insofern, als sie gleich im Paket mit einem ganzen Vollhybridsystem geordert werden kann, wovon auch wiederum BMW Gebrauch macht.


Getriebe? Von ZF Friedrichshafen, zum Beispiel. (Foto: AP/Rothemel).

Bei den Scheinwerfern lassen wir einen Hauch Patriotismus mitschwingen und fragen bei ZKW im niederösterreichischen Wieselburg nach. Wir wissen jetzt schon, dass das ein bissl teuer werden könnte, aber dort kriegen wir die innovativsten LED-Vollscheinwerfer, auch zukunftssicher. Dafür nehmen wir die Einparkhilfe vom Konkurrenten Valeo, weil wir die bei ZKW gar nicht kriegen. Guten Komfort soll ein Klimakompressor von Denso bringen.


Bei Wälzlagern geht es bei SKF auch eine Nummer kleiner. (Foto: SKF)

Ganz schön kompliziert, so ein Auto zu bauen. Wenn man nämlich näher hinsieht, erkennt man, dass der Zylinderkopf eines Motors gar nicht vom vermeintlichen Hersteller stammt. Das heißt, Gießen ist so eine schwierige Aufgabe, dass das auch von einem Spezialisten übernommen wird, zum Beispiel von der Alu-Gießerei Nemak in Linz (Firmensitz Mexiko), wo man Zylinderköpfe für BMW, Porsche und Ford produziert.

Will man wissen, wie man praktisch aus dem Stand heraus ein Premium-Automobil entwickelt, produziert und erfolgreich vermarktet, fragt man am besten bei Jaguar Land Rover nach. Der indische Industrielle Ratan Tata kaufte 2008 die vom damaligen Besitzer Ford vernachlässigten Nobelmarken Jaguar und Land Rover, technisch wie kommerziell schwer angeschlagen. Mittlerweile bewegen sich beide Marken im Verbund wieder souverän im Premium-Segment.

Diesen Erfolg führen Experten auf das gute Verhältnis zu den besten Zulieferern zurück. So finden wir auch dort auffällig viele Teile von Denso, Bosch, Magna und aus der Continental-Gruppe, einem kommerziell schwierig steuerbaren, aber technologisch hochkompetenten Hightech-Komponenten-Gemischtwarenladen.

Kaum ein Radlager ohne Mitwirkung des schwedischen Kugellager-Spezialist SKF mit 100 Produktionsstätten in 98 Ländern der Welt, der schon vor Jahrzehnten in Steyr das ehemalige Steyr Wälzlagerwerk übernommen hat und dort auch ein Entwicklungszentrum betreibt.


Magna baut nicht nur Komponenten sondern auch ganze Autos. (F: Reuters/Prammer)

Vom Rückspiegel bis zum Allradantriebsmodul: Immer wieder steht Magna drauf. Auch das schwerste Ding am Auto wird immer wieder in Form von Stahlblech von der Voestalpine geliefert, weil es dann doch ein bisschen leichter wird. Und sollte der Verbrauch immer noch zu hoch oder das Abgas nicht ganz sauber sein, so hilft möglicherweise ein Klinikaufenthalt beim Motorenspezialist AVL List. (Rudolf Skarics, DER STANDARD, 28.12.2012)

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Innovation

Ich denke, dass hier eigentlich ganz gut deutlich wird, dass Innovation voll im Vordergrund steht. Mehr Investition in Forschung und Lehre schießen die Firma auch gleich nach oben. Siehe Schaeffler : hier eben mal knapp 750 Mio Euro investiert und schon unter Top 5 der Automobilzulieferer in Deutschland

non-profit-cars...
abgespeckte auto-versionen zum selber-baun...
geliefert in einzelteilen, zusammengebaut in einer woche, kosten € 2.000,- (umweltverträgliches bauen inklusive)

machbar: ja
profit-politik- und konzern-blockade: ja

Seifenkistln vielleicht.

Ein modernes Auto mit Up-to-date-Sicherheitstechnik und dem erwarteten Komfort ganz bestimmt nicht.

Gibt's aber nicht um den Preis:
Catterham 7 ab ~28000€
http://www.7cars.de/deutsch/bausatz.htm

und wer außer paar kfz techniker/mechaniker soll das zusammenbauen? (und die paar hobbyschrauber die nix anderes machen?)

das is wie mit ikea regalen, entweder fangens mal an damit, das zu lernen oder net... das ist wie mit computer zusammen-baun, entweder fangens mal an das zu lernen oder net, wenn sie sich im baumarkt eine kettensäge holen, dann sind viele von denen auch zum zambaun, entweder lernens das dann mal oder net...
es geht aber darum, dass sie die möglichkeit haben, ein einfachst-auto selbst zusammenzubaun, als laie...

ob sie sich dann drum kümmern, und die anleitung durchstudieren und nach anleitung baun, das bleibt dann ihnen überlassen... die möglichkeit dafür besteht, und schwierig ist es auch nicht und sie haben die möglichkeit, freunde um hilfe zu bitten, die bereits die maschine zusammengeschraubt haben... viel elektronik is freilich net

eben nicht wie bei ikea regalen. ich hab mal zufälligerweise kfz- mechaniker gelernt.
ganz ehrlich, ich hätte angst vor selber zusammengeschraubten autos. (genug selber "reparierte" gesehen) sie stellen sich das ein bisserl zu einfach vor. abgesehen davon das man einen haufen werkzeug braucht und ohne hebebühne wird das ein spaß für die ganze famlie. (schatz, hilf mir mal kurz getriebe reinheben...) den zusammenbau in einer woche will ich auch sehen.

Ist das eine Fortsetzungsgeschichte?

Das Ende ist ja doch etwas abrupt.

Jetzt wäre noch spannend ...

... zu erfahren, wie viel der Durchschnitts-Konsument für sein Auto zu viel zahlt.

Wie hoch ist die Gewinnspanne, was ist moralisch vertretbar und wann ist es Abzockerei?

Haha, weshalb bekommt man hier ...

... schon für das Fragestellen ein rotes Stricherl?

Womöglich ein Vertreter der Autoindustrie, der es nicht gerne hat, wenn man allzu neugierig ist.

Offensichtlich gibt es mehr zu vertuschen, als die bisher bekannten 20%igen Bürgermeisterrabatte von BMW in Österreich.

;-)

die automobil-industrie hat nach diversen finanzspritzen die besten zahlen seit jahrzehnten geschrieben (kleiner hinweis: die belegschaft hat von den guten zahlen nix gespürt)

Na ja, ganz kann ich ...

... Ihnen nicht beipflichten, soweit ich weiß, haben sowohl Damler als auch VW ihren Mitarbeitern recht ordentliche Prämien ausgezahlt.

http://www.focus.de/finanzen/... 12260.html

http://www.lippeblatt.de/aktuell/w... -bonus-aus

Was ich denen nicht missgönne.

herstellkosten eines 3er bmw ca EUR 8.000,- (angeblich)

Nicht nur angeblich.
Ein BMW Getriebe kostet in der Herstellung 700 €. Jeder der schon mal einen Getriebeschaden hatte weis, dass dieser am Schluss das 10x löhnen muss.
Nur so bleibt ein Gewinn übrig, es kann geworben werden, es können Krisen überwunden werden und neue Produkte entwickelt werden.
Kalkuliert man nicht richtig oder positioniert man sich falsch, fährt man eine Firma (wie Opel) an die Wand.

Dacia verkauft den Sandero (ident gleich groß wie der VW Golf) ohne jegliche Ausstattung - also ein Auto mit 4 Rädern, jahrelang bewährte Renault Technik vom Clio und Renault Motor - für 7500 € inkl Mwst inkl Nova.
In der Herstellung kostet ein Sandero keine 2000 €....

können sie ihre zahlen belegen? wohl nicht, denn sie sind unglaubwürdig - sowohl für bmw als auch für dacia. zur information: die herstellungskosten sind deutlich mehr als die summe der verbauten einzelkomponenten. wenn man bedenkt, dass psa pro

verkauften wagen unterm strich derzeit ca. 200 euro verliert und die meisten konstrukteure (außer premium) einen gewinn von deutlich < 5% des umsatzes erwirtschaften, kann ihre behauptung nicht stimmen. jedenfalls nicht nach abzug der personal- und arbeitskosten, vermarktung, marketing und werbung, verwaltung, entwicklung, logistik, kundendienst, investitionen, ev. rücklagen und anderen posten.

zu bmw und illusorischen zahl da oben: "2300 Euro Gewinn verzeichne BMW bei einem durchschnittlichen Verkaufspreis von 36.300 Euro"
http://auto.t-online.de/gewinnspa... 0096/index

das war 2010, als es wieder besser ging und weniger rabattiert werden musste.

Rechenkunst

Das gehoert IMO zu den Dingen, die so komplex sind, dass man sich das ausrechnen kann, wie man will.
Wenn ich annehme, dass die Rechnung auf dem einen zusaetzlich gebauten Auto, also dem, fuer das keine Entwicklungs-, Marketing- und sonstigen nicht direkt einem einzelnen Objekt zurechenbaren Kosten, entstehen, beruht, kann ich mir schon vorstellen, dass das hinkommt, vor allem, wenn man mit der Methode schon bei den Zulieferbaugruppen ansetzt.
Was so eine Rechnung allerdings bringen soll, bleibt unklar.

Die Frage der Moral

stellt sich, wenn wir vom Brotpreis sprechen, oder vom Milchpreis.

Aber ein Auto ist doch mehr ein Luxusobjekt. Und da ist eigentlich nur die Frage, was der Kunde zu zahlen bereit ist wesentlich.

Wenn dich die Gewinnspanne interessiert, die sollten bei allen AG öffentlich sein, nicht? Also wahrscheinlich nicht für einzelne Modelle, aber für die Unternehmen als Ganzes.

Danke für Ihre Antwort ...

... ob ein Auto ein Luxusgut ist, hängt sicherlich von mehreren Faktoren ab.

Ein Großstädter, der in der Großstadt auch seinen Arbeitsplatz hat und eine entsprechende Infrastruktur des öffentlichen Verkehrs vorfindet, für den mag es ein Luxus sein, für jemanden vom Land - ich bspw. wohne in Osttirol - da wird ein PKW eher zum Gebrauchsgegenstand.

Mich interessiert die Gewinnspanne des Unternehmens weniger, als die Gewinnspanne des einzelnen Modells. Ich bin immer wieder erstaunt, welch große Rabatte gegeben werden können, wenn man Unternehmer ist oder auch nur Bürgermeister (Stichwort: Bürgermeisterrabatte), dass ich den Eindruck habe, dass der Konsument betrogen wird.

Rabatte

Einen Buergermeisterrabatt kannst' wohl unter "Werbungskosten" verbuchen. ;)
Ich kenne auch ansehnliche Rabatte fuer Wechselwillige - ich hatte da einen Versicherungsmenschen, der wechselweise BMW und Mercedes fuhr, da die ihm immer die besten Preise machten, wenn er mit einem Auto der Konkurrenz fuhr.

Und was ist ...

mit der Lichtmaschine, dem Starter, der Kupplung, den Kolben, den Kurbelwellen-Gleitlagern, den Sitzen usw. Mir erscheint dieser Artikel als schlecht aufbereiteter Lückenfüller. Der Informationsgehalt ist :-(

Wollen sie jetzt wirklich tausend Zulieferfirmen aufgelistet haben?

Auch wenn ein großer Teil von Fremdhersteller zusammengekauft wird, so zählt noch immer die "eigene Qualität".

Man muss nur einen billig verbauten Amerikaner mit einem Deutschen vergleichen. Bei deutschen Herstellern wird in die Werkstatt gefahren wenn beim Interieur was knarzt... beim Amerikaner ist es ganz normal dass wo eine Halterung abbricht und man eine Geräuschkulisse eines 20 Jahre alten, abgenützten Autos hat.

Auch die Chinesen wissen dass es bei ihnen an der Qualität hapert.

Und Top Gear (welche für normal BMW in den Himmel loben) lästert über die komplett miese und ungewohnte Plastikqualität vom X3 und betont dass es ein Fehler war diverse Karosserieteile bei einer österr. Firma (Magna) zu kaufen.

TopGear

Wann/wo haben die das gesagt, mit X3/Magna?

benchmark gerade bei der qualität

ist nach wie vor toyota (bzw. lexus), auch laut aussage von bmw sowie dieter zetsches noch vor wenigen jahren.
vergleichen wir also den amerikaner (der heute auch nicht mehr so billig gebaut ist) gleich mit dem qualitätsmaßstab aus japan. nur gibt es auch hier schon lange eine nivellierung, also abnehmende unterschiede.

endlich! der tag ist gekommen an dem ich dieses sinnlose wissen aus dem studium anwenden kann! auf dem foto handelt es sich nicht um ein kugel- sondern sehr eindeutig um ein tonnenlager. jawohl!

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