Flüchtlingsproteste: Wider die Dramatisierer

Kommentar27. Dezember 2012, 18:38
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Von einigen Proponenten der Bewegung sind die Flüchtlinge in der Wiener Votivkirche wahrlich nicht gut beraten

Die Wiener Flüchtlingsproteste würden instrumentalisiert; nicht die in der Kälte ausharrenden, zum Teil hungerstreikenden Asylwerber gäben den Ton an, sondern bestimmte Unterstützer, die ihr eigenes, linkes oder anarchistisches, Süppchen kochten: So tönt es nach zehn Tagen Votivkirchencamp immer lauter. Offenbar haben sich jene, die das pauschal behaupten, nicht die Mühe gemacht, mit den Protestierenden zu reden: mit Menschen, die meist ohne existenzielle Perspektive dastehen, weder in Österreich noch sonst wo in der Menschenrechts-EU.

Tatsächlich ist die Verzweiflung und Entschlusskraft der protestierenden Flüchtlinge, hier wie in anderen europäischen Städten, vor allem ein Symptom der schwarzen Flecken und Unzulänglichkeiten der europäischen Asylsysteme. Darauf weisen unter anderem die "utopischen" Forderungen der Flüchtlinge hin - etwa dass auch Formen der Verelendung als Asylgrund gelten sollen. Nicht zufällig wird in der Uno ja schon länger über ein Asyl-Zusatzprotokoll zum Schutz von Klimaflüchtlingen diskutiert.

Trotzdem: So authentisch der Zorn der Flüchtlinge auch ist: Gut beraten sind sie von einigen Proponenten der Bewegung wahrlich nicht. Gerüchteverbreitung, Dramatisierungsversuche, Wichtigtuerei: Die Berichte darüber sind zu häufig, um als reine Fakes durchzugehen. Jene, die sich so benehmen, erreichen damit jedoch nur eines: dass berechtigte Forderungen der Flüchtlinge ignoriert werden. (Irene Brickner, DER STANDARD, 28.12.2012)

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