Wehrpflicht-Debatte: Eine Frage des Vertrauens

Kommentar27. Dezember 2012, 20:12
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Je mehr die Menschen über die Nachteile des jetzigen Systems wüssten, desto eher würden sie für das SPÖ-Modell eines Berufsheeres eintreten.

Momentan sieht es so aus, als würde die Volksbefragung am 20. Jänner eine Mehrheit für die Wehrpflicht und damit gegen die Linie der SPÖ bringen. In der Kanzlerpartei gibt man die Auseinandersetzung aber längst noch nicht verloren: Je mehr die Menschen über die Nachteile des jetzigen Systems wüssten, desto eher würden sie für das SPÖ-Modell eines Berufsheeres eintreten.

Diese Einschätzung hat viel für sich: Ein professionell ausgebildetes und für alle Eventualitäten ausgerüstetes Heer ist dem jetzigen Wehrpflichtigenheer zweifellos überlegen - denn derzeit ist das Bundesheer vor allem damit beschäftigt, Rekruten auszubilden, die man im Ernstfall ohnehin nicht ins Feuer schicken würde.

Wahr ist aber auch: Die österreichische Politik ist seit Jahrzehnten säumig, das Bundesheer ausreichend auszurüsten - einem Berufsheer würden noch viel eher finanzielle Mittel verweigert. Ein Profi-Heer hätte nämlich keinen Rückhalt in der Bevölkerung und bei Lokalpolitikern, die sich um das Wohlergehen "unserer Burschen beim Heer" sorgen und sich daher zumindest für eine Minimalausstattung starkmachen. Selbst in der SPÖ ist die Informationsarbeit - bis hin zu Landesparteichefs, die das Berufsheer-Modell skeptisch sehen - nicht weit gediehen. In Wahrheit geht es nicht um Information, sondern um das Vertrauen, dass das Bundesheer künftig gestärkt wird. Und dieses Vertrauen vermittelt keine der Regierungsparteien. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 28.12.2012)

 

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