Japans Finanzminister mit scharfer Zunge

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Taro Aso sitzt drei Jahre nach seinem unfreiwilligen Abgang wieder in der japansichen Regierung

Er ist ein Stehaufmännchen: Dreimal hatte sich Taro Aso (72) vergeblich um das Amt des japanischen Premierministers beworben, bis es 2008 im vierten Anlauf klappte. Doch sein Glück währte nicht lange: Nach nur einem Jahr musste der Politveteran abdanken. Während seiner kurzen Regierungszeit hatte seine Liberaldemokratische Partei die größte Wahlniederlage ihrer Geschichte eingefahren. Die Konjunktur schwächelte, die Arbeitslosigkeit erreichte ein Nachkriegshoch, und Japans Schuldenberg überragte die Wirtschaftsleistung um das Doppelte.

Drei Jahre später sitzt Aso wieder im Boot, diesmal als Finanzminister, Minister für Finanzdienstleistungen und Vize-Premier. Der neue Premier, Shinzo Abe, hat ihn damit beauftragt, ein Konjunkturpaket im Umfang von schätzungsweise rund zehn Billionen Yen (88 Milliarden Euro) auf den Weg zu bringen. Aso kann einschlägige Erfahrungen in dem Bereich vorweisen: Während seiner eigenen Regierungszeit beschloss er eine Rekord-Finanzspritze in Höhe von 14 Billionen Yen.

Keine Geldsorgen

Aso selbst haben Geldsorgen nie geplagt. Der Spross einer wohlhabenden Industriellenfamilie studierte im amerikanischen Stanford. Anschließend stieg er in den Bergbaukonzern seines Vaters ein. Selbst an Verbindungen ins Kaiserhaus mangelt es nicht: Seine jüngere Schwester ist mit einem Cousin des Tenno verheiratet. Ende der 1970er-Jahre wechselte Aso in die Politik. Er ging als Abgeordneter ins Unterhaus, wurde Staatssekretär und machte Parteikarriere - dort, wo bereits sein Großvater und sein Schwiegervater Premierminister waren.

Dennoch bemüht sich das politische Blaublut um ein volksnahes Image: Aso ist als Comic-Fan bekannt. In seiner Jugend trat er als Scharfschütze bei den Olympischen Spielen an. Als Politiker sorgte vor allem seine scharfe Zunge für Schlagzeilen. So bezeichnete er China während einer früheren Amtszeit als Außenminister als "Gefahr". Er verärgerte Seoul, als er von den "Errungenschaften der japanischen Kolonialisierung Koreas" schwärmte. Und Washington düpierte Aso mit der Feststellung, US-Diplomaten stießen im Nahen Osten nicht auf Vertrauen, weil sie blonde Haare und blaue Augen hätten.

Als Japans neuer Finanzminister wird sich Aso am Riemen reißen müssen: Auf allzu forsche Aussagen zum Umgang mit Staatsschulden oder mit der Unabhängigkeit der Notenbank reagieren die internationalen Finanzmärkte empfindlich. (Birga Teske, DER STANDARD, 28.12.2012)

 

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