Neue Klänge zum Nachlesen

27. Dezember 2012, 18:17
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Der Lafite-Verlag, Spezialist für Bücher über zeitgenössische Musik, ist 50 Jahre alt

Wien - Wer sich noch vor wenigen Jahrzehnten über neue österreichische Musik informieren wollte, fand auf dem Buchmarkt nicht allzu viel. Nicht dass keine Komponisten von Rang da gewesen wären: Es gab sie, auch wenn sie teils unter harten Bedingungen arbeiteten und meistens viel zu wenig beachtet wurden.

Und das war nicht nur ein subjektives Gefühl sprichwörtlicher "Propheten im eigenen Land." Vor dem Festival Wien modern und ähnlichen Initiativen war die Präsenz von Zeitgenossen im Musikleben, aber auch in den Medien tatsächlich oft kaum mehr als marginal.

Wenn heute ein paar Klicks genügen, um die wichtigsten Informationen über zeitgenössische Tonsetzer zu eruieren - etwa beim Music Information Center Austria (mica) -, so war dazu bis in die Neunzigerjahre eine aufwändige Suche nötig. Die zutage geförderten Informationen waren dabei dennoch mitunter spärlich.

Die einzige nennenswerte Ausnahme inmitten dieser Wissenswüste über Jahrzehnte bildeten die schwarzen, nahezu quadratischen Bände über "Österreichische Komponisten des 20. Jahrhunderts" aus dem Verlag Lafite, der 1962 von Elisabeth Lafite gegründet wurde und seit etlichen Jahren von ihrer Tochter Marion Diederichs-Lafite sowie deren Ehemann Joachim Diederichs weitergeführt wird.

In der heroischen Anfangsphase des Verlags steuerte etwa kein Geringerer als Theodor W. Adorno seine legendäre Monografie über Alban Berg als "Meister des kleinsten Übergangs" bei. Mit der Wiener Schule ist die Verlags- und Familiengeschichte auch noch in weiterer Hinsicht verbunden. In den Siebzigerjahren wurde der drohende Abriss des Wohnhauses von Arnold Schönberg in Mödling nur durch das beherzte Eingreifen von Elisabeth Lafite und ihrer Mitstreiter verhindert.

Farbenfroh und singulär

Mittlerweile ist dort eine Pilgerstätte für Zwölftonenthusiasten aus aller Welt entstanden. Und die Dokumentationen über die großen drei Wiener Schönberg-Konferenzen, welche die Forschung über diesen Komponisten und sein Umfeld erst so richtig in Fahrt brachten, sind - natürlich - im Lafite-Verlag erschienen.

Schönberg und seine Schüler bilden bis heute einen Schwerpunkt, und erst unlängst wurde eine neue Reihe über Anton Webern ins Leben gerufen. Ansonsten ist die Lage zwischenzeitlich deutlich bunter geworden, und wenn auch die genannte Komponistenreihe konzeptuell fast unverändert weiterexistiert, so gibt sie sich wesentlich farbenfroher.

Ihre singuläre Stellung auf dem einschlägigen Buchmarkt konnte sie indes behaupten: So sind hier unter anderem Friedrich Cerhas gesammelte Schriften erschienen und damit die wichtigste Publikation über den Doyen der österreichischen Komponisten aus erster Hand. Und auch Standardwerke über György Ligeti, Anestis Logothetis oder Dieter Kaufmann finden sich im eher kleinen, aber gut sortierten Verlagsprogramm.

Insbesondere auch jene Komponisten, die zu Unrecht in Vergessenheit gerieten: Josef Matthias Hauer etwa ist mit einer umfangreichen DVD vertreten. Und jenen Komponisten, die von den Nationalsozialisten verfolgt und vertrieben wurden, gilt bei Lafite ein besonderes Augenmerk. Der Titel des Buches über Herbert Zipper, den Komponisten des Dachau-Liedes, Musik trotz allem, wird im Verlag gerne als heimliches Motto des Hauses angesehen. (Daniel Ender. DER STANDARD, 28.12.2012)

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    Einer der Autoren des Lafite-Verlags: Friedrich Cerha.

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