Skifahren: Vom Volkssport zum Elitespaß

27. Dezember 2012, 21:43
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Skifahren wird immer teurer, das Interesse am Skisport nimmt vor allem bei Kindern und Jugendlichen ab, spezielle Angebote sollen locken

Bregenz/Innsbruck/Salzburg - Eine Woche Wintersport kommt teuer. Die Preise für Sechs-Tages-Skipässe stiegen im Vergleich zum Vorjahr um durchschnittlich 3,9 Prozent. Das liege über der Inflation, kritisiert der Verein für Konsumenteninformation (VKI) in seiner jährlichen Preiserhebung und warnt, dass Skifahren für viele nicht mehr leistbar sei.

Natürlich solle Skifahren, einst der Österreicher große Leidenschaft, Volkssport bleiben, sagt Christian Schützinger, Geschäftsführer von Vorarlberg Tourismus. In Vorarlberg findet sich mit SkiArlberg (Hauptorte Lech und Zürs) das teuerste Skigebiet laut VKI-Erhebung. Der Sechs-Tages-Pass für eine Familie kostet für die Region SkiArlberg 791 Euro, geboten werden dafür aber 283 Pistenkilometer. "Und viele Zusatzleistungen, die oft gar nicht wahrgenommen werden", verweist Schützinger auf "die künstliche Beschneiung und Komfortverbesserungen." Gäste kritisieren die Preise nicht, sagt der Tourismusmanager, "sie wissen, dass unsere Skigebiete die Preise wert sind".

Kritik kommt vor allem von Einheimischen. Für Tagestouristen bemühten sich die Liftgesellschaften kostengünstige Saisonkarten, Familienskitage und Schulskiwochen anzubieten, verweist Schützinger auf Bemühungen der Liftbetreiber.

Gratis-Skitage für Kids

Die teuersten Skigebiete hinter dem Arlberg sind laut VKI-Ranking Sölden und Kitzbühel. Tiroler Familien reagieren mit steigender Skiabstinenz auf die Preise. Immer weniger Kinder können Ski fahren. Der Tiroler Skiverband (TSV) versucht gegenzusteuern. Werner Margreiter, Präsident des TSV, will weiterhin "die Masse" für den Spaß im Schnee begeistern. Weil es ohne Breite auch keine Spitze im Skirennsport gebe, wird in den 240 Vereinen fleißig trainiert und motiviert. In Imst will der Ex-Skirennläufer André Arnold diesen Winter 2500 Kinder auf die Pisten locken. Alle Volksschulkinder des Bezirks dürfen einen Tag lang gratis Ski fahren, die Leihausrüstung gibt's ebenfalls kostenlos - und auch die Instruktoren, sollten die Begleitlehrer den Sport nicht beherrschen. Die Stadt Innsbruck organisiert solche Wintersporttage seit acht Jahren. Durch Freizeitticket und Regio Card soll der Sport leistbar bleiben. Die Tickets gelten für mehrere Skigebiete, Eislaufplätze und ganzjährig auch Schwimmbäder.

Eine Karte für alle Pisten

In Salzburg, wo sich mit der Postalm Arena eines der günstigsten Familienskigebiete Österreichs befindet, müssen Erwachsene für die regulären Sechs-Tages-Pässe zwischen 133,90 Euro im Skigebiet Gaißau-Hintersee und 220 Euro in Saalbach-Hinterglemm bezahlen. Möglich ist aber auch, alle großen 22 Skiregionen im Salzburger Land mit einer einzigen Karte zu befahren. Die Salzburg Super Ski Card ist auf mehr als 2550 Pistenkilometern gültig. Für Erwachsene kostet die Sechs-Tages-Karte 232 Euro, Kinder zahlen 116 Euro. Die Saisonkarte kommt auf 620 Euro für Erwachsene und 310 Euro für Kinder.

Um den Skisport als Volkssport zu erhalten, strengt man sich in Salzburg kräftig an: Zahlreiche Regionen bieten Familienpreise. In Gaißau-Hintersee etwa bezahlt das zweite Kind unter 15 Jahren nur die Hälfte, und ab dem dritten Kind wird ein Gratis-Skipass ausgestellt. Im Skigebiet Zell am See/ Kaprun wohnen Kinder unter zwölf Jahren in der Familienwoche Anfang Februar kostenlos im Zimmer der Eltern und erhalten einen Frei-Skipass. Jeden Samstag zahlen Kinder und Jugendliche unter 19 Jahren für die Tageskarte nur zehn Euro. (jub, ruep, ver, DER STANDARD; 28.12.2012)

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