Ein Freund als "lässiger" Herausforderer

27. Dezember 2012, 17:08
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Die Vierschanzentournee sollte ein Duell zwischen Deutschland und Österreich werden. Severin Freund fordert die ÖSV-Adler. Dabei hat er auf Facebook kaum Freunde

Oberstdorf - Dem Deutschen Severin Freund gelingt derzeit einfach alles, sogar in der Küche. "Gefesselten Lachs im Zucchinibett auf schwarzem Risotto" zauberte Deutschlands bester Skispringer vor der Vierschanzentournee mit Sternekoch Otto Koch auf den Teller, anschließend gab es eine flambierte Kokosskulptur. Das Urteil des 24-jährigen Überfliegers: "Beides extrem lecker." Wobei er schon auf die Linie geschaut hat, Skispringer sind notgedrungen keine Vielfraße, Fett trägt nämlich nicht.

Freund gewann bereits zwei Bewerbe

Freund wirkt gelassen. Er ist hinter Gregor Schlierenzauer Zweiter im Gesamtweltcup, hat in diesem Winter bereits zwei Konkurrenzen gewonnen. " Ich weiß um meine Rolle als Mitfavorit", sagt der Niederbayer. Elf Jahre nach Sven Hannawald scheint der Gesamtsieg für einen Deutschen keine Utopie mehr zu sein. "Ich möchte um einen Podestplatz mitspringen, auch ein Tagessieg wäre schön. Die Hymne zu hören, das wäre großartig", sagt Freund und grinst. "Es entspannt, wenn man mit einer guten Form zur Tournee kommt, die einem keiner nehmen kann." Sein Lieblingswort heißt " lässig", so nennt er die Schanzen, seine Sprünge, die Stimmung im Team. Sogar das Leben ist "lässig". Im Training gilt Freund als akribischer Arbeiter, als Perfektionist. Beim letzten Lehrgang testete er sein gesamtes Material und legte "das beste Zeug für die Tournee" beiseite. Dort soll der unumstrittene Leader im deutschen Team nicht nur in die Weltspitze fliegen, wo er eigentlich schon ist, sondern auch hochbegabten Landsleuten wie Andreas Wellinger oder Richard Freitag ausreichend Windschatten für eigene Erfolge bieten.

Bei seinen Kollegen ist Freund als smarter, neugieriger Typ längst anerkannt. "Severin hat ein sehr gutes Allgemeinwissen. Was er nicht weiß, schaut er sofort nach", sagt der 17-jährige Wellinger. Dank seiner eloquenten Art ist Freund, der internationales Management studiert, ein gefragter Gesprächspartner. "Severin gibt super Interviews, ist sehr sympathisch und professionell", sagt etwa der ehemalige Tournee-Sieger und heutige ARD-Experte Dieter Thoma.

Was auf den ersten Blick verwundert: Ein Hype wie bei Hannawald oder Martin Schmitt, die vor zehn Jahren von schreienden Teenagern belagert wurden, ist nicht entstanden. Freunds Fanklub tritt eher bescheiden auf und entrollt an den Schanzen höchstens ein Banner mit dem Wappen seiner Heimatstadt Waldkirchen. Auf Facebook folgen ihm knapp 2200 Interessierte, kein Vergleich zum Kollegen Thomas Morgenstern (78.500) oder gar Fußballer Cristiano Ronaldo (52 Millionen).

Mit Erfolgen bei der Tournee könnte sich das schnell ändern, zumindest seinen siebenten Platz aus dem Vorjahr sollte er locker übertreffen. " Die Österreicher sind natürlich verdammt stark, aber ich bin auch nicht schlecht." In Engelberg, bei der Generalprobe für die Tournee, siegten Andreas Kofler und Schlierenzauer. Abseits der Veranstaltung trafen sich die beiden Teams zu einer Curling-Partie. Die Deutschen gewannen glatt. Freund fand das "lässig". (sid, red, DER STANDARD 28.12.2012)

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