Neue Geruchsrezeptoren bei Primaten entdeckt

6. Jänner 2013, 21:10
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Forscher weisen im sogenannten Vomeronasalorgan von Primaten Typ2-Rezeptoren nach, die wider erwarten funktionsfähig sind

Viele Säugetiere besitzen in der Nase zusätzlich zur Riechschleimhaut ein zweites Geruchsorgan: das Vomeronasalorgan oder auch Jacobson-Organ. Es hilft hautsächlich, Pheromone wahrzunehmen und Feinde zu erkennen. Bei Nagetieren ist bekannt, dass sich in ihrem Vomeronasalorgan zwei verschiedene Typen von Rezeptoren befinden: Typ1-Rezeptoren zur Bindung kleinerer Duftstoffe und Typ2-Rezeptoren für längere Peptidketten.

Bei Primaten einschließlich des Menschen wurden bisher nur intakte Typ1-Rezeptoren gefunden, sogenannte V1R-Rezeptoren. Aufgrund genetischer Studien an Altwelt- und Menschenaffen sowie dem Menschen dachte man bisher, dass die Typ2-Rezeptoren (V2R) von Primaten generell nicht funktionsfähig seien.

Ein Forscherteam der Stiftung Tierärztlichen Hochschule Hannover (TiHo) und der Universität Cambridge hat jetzt in den Genomen von Feuchtnasenaffen zwei intakte Typ2-Rezeptorgene nachgewiesen. Dazu haben die Wissenschafter systematisch in Genom-Datenbanken nach diesen Genen gesucht.

Kein funktionsloses Überbleibsel

Feuchtnasenaffen sind eine basale Primatengruppe, zu der madagassische Lemuren, afrikanische Galagos und die in Afrika und Asien vorkommenden Loris zählen. Beim Grauen Mausmaki (Microcebus murinus), einer kleinen nachtaktiven, waldlebenden Lemurenart, die nur in West-Madagaskar vorkommt, konnten sie zudem zeigen, dass die Gene für beide Rezeptoren im Vomeronasalorgan exprimiert werden. Das bedeutet, dass die Rezeptormoleküle dort auf der Basis der Erbgut-Schablone hergestellt werden und es sich nicht um ein funktionsloses Überbleibsel längst ausgestorbener Vorfahren handelt.

Für die nachtaktiven Mausmakis hat der Geruchssinn eine sehr große Bedeutung, da sie nachts im Wald allein auf Nahrungssuche gehen und den Geruchssinn zur Kommunikation mit ihren Artgenossen und zur Erkennung von Fressfeinden einsetzen. Philipp Hohenbrink vom Institut für Zoologie der TiHo hat den Großteil der praktischen Arbeiten durchgeführt. "Die Studie zeigt wichtige Übergänge in der Evolution des Vomeronasalorgan vermittelten Geruchssinns bei Primaten, der während der Entwicklung zum Menschen zunehmend an Bedeutung verloren hat," erklärt der Biologe. Die Forscher haben die Studie im Fachmagazin "Biology Letters" veröffentlicht. (red, derStandard.at, 06.01.2013)

  • Graue Mausmakis (Microcebus murinus) exprimieren die Gene für beide Rezeptoren im Vomeronasalorgan.
    foto: p. hohenbrink

    Graue Mausmakis (Microcebus murinus) exprimieren die Gene für beide Rezeptoren im Vomeronasalorgan.

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