Experte für Schließung der Kärntner Hypo

27. Dezember 2012, 16:26
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Franz Hahn sieht kein effizientes Geschäftsmodell, die Bank wehrt sich

Wien/Klagenfurt - Franz Hahn, Bankenexperte beim Wirtschaftsforschungsinstitut (Wifo), hat am Donnerstag seine Empfehlung bekräftigt, die Ende 2009 notverstaatlichte Hypo Alpe Adria Bank zu schließen.

Die Bankenkrise sei nicht vorbei. Sie werde erst dann vorüber sein, wenn der Schock, den die Finanzkrise ausgelöst habe, aus den Bankenbilanzen verschwunden sei, sagte Hahn im Hörfunk-Mittagjournal. Das werde noch einige Jahre dauern und noch ganz fundamentale Konsolidierungsanstrengungen erfordern. Immer noch gebe es viele faule Kredite, die die Banken abzuschreiben hätten. Und insgesamt gebe es zu viele Banken in Österreich.

Seit den 1990er Jahren sei die Zahl der Banken im Land von 1.200 auf 800 gesunken. Diese Zahl könnte sich nach Meinung des Experten in den nächsten zehn Jahren noch halbieren. Die Institute müssten Unternehmensgrößen erreichen, die ihnen tatsächlich ein effizientes Geschäftsmodell ermöglichten.

Hypo ohne Geschäftsmodell

Ein effizientes Geschäftsmodell spricht Hahn der Kärntner Hypo derzeit gänzlich ab. Sinnvoll wäre es, würde man der Öffentlichkeit mitteilen, dass die Strategie nur sein könne, diese Bank aus dem Markt zu nehmen. Es liege in der Verantwortung der Politik, die Bank so zu schließen, dass die Kosten für die Steuerzahler so gering wie möglich ausfallen. Nichtsdestotrotz meint auch Hahn, dass die Milliarden, die schon in die Hypo gesteckt wurden, wohl nicht zurückkommen werden.

Ein Sprecher der Bank äußert an Hahns Ideen heftige Kritik. Die Schließungsforderung sei "für das Unternehmen aus mehreren Gründen weder nachvollziehbar noch entspricht sie dem verantwortungsvollen Umgang eines Wirtschaftswissenschafters mit sensiblen Organisationen wie Banken und dem Bankenplatz Österreich". Es handle sich um eine "fahrlässige Ferndiagnose in Richtung Kreditschädigung". Darüber hinaus ortet man bei der Hypo "mangelnde Informationen". Die Beurteilung des Geschäftsmodells obliege ohnedies zu aller erst den heimischen Aufsichtsbehörden und der EU, so der Bankenvertreter.

Bankeninsolvenzrecht gefordert

Hahn urgierte indes ein Insolvenzrecht für die Banken. Auch müsse die Bankenaufsicht künftig vorbeugend so agieren können, dass es gar nicht so weit kommt, Banken wieder vor dem Zusammenbruch retten zu müssen. Hahn plädiert zudem für Eigenkapitalvorgaben, die über den Konjunkturzyklus variabel sein sollten. (APA, 27.12.2012)

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    Wifo-Bank-Experte Hahn sieht für die Kärntner Hypo eher schwarz.

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