Britischer Kulturkampf um geplante Schwulenehe

26. Dezember 2012, 19:05
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Premier Cameron löst mit Gesetzesentwurf massiven Widerstand von Katholiken und rechten Tories aus

Der konservativ-liberalen Koalition Großbritanniens steht ein Kulturkampf ins Haus. Mit einem Frontalangriff in der Weihnachtspredigt und in einem Interview wandte sich der Vorsitzende der katholischen Bischofskonferenz, Vincent Nichols, gegen die für 2013 geplante Einführung der Schwulenehe auf der Insel.

Das Vorhaben der Regierung von Premier David Cameron mache einem totalitären Staat alle Ehre, sagte der höchste Katholik Englands der BBC: "George Orwell wäre stolz darauf." Nichols rief die sechs Millionen Katholiken dazu auf, sich durch Unterschriftenlisten und Besuche bei ihren Abgeordneten Gehör zu verschaffen.

Gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaften genießen in Großbritannien bereits seit 2004 als Zivilehen rechtlichen Schutz. Ihre von lautstarken Lobby-Gruppen geforderte Gleichbehandlung mit der Ehe zwischen Mann und Frau hätte für die Betroffenen vor allem symbolischen Charakter. Religionsgemeinschaften erhalten ausdrücklich die Möglichkeit, sich der religiösen Absegnung der Schwulenehe zu verweigern.

Camerons Vorpreschen soll einerseits den liberalen Koalitionspartner unter Vizepremier Nick Clegg bei Laune halten, andererseits die politische Debatte von der glücklosen Wirtschafts- und Finanzpolitik ablenken. Mit seinem ausdrücklichen Bekenntnis zur Schwulenehe handele er gerade als Konservativer, argumentiert der Parteichef: "Es geht um dauerhafte Bindung, nicht um sexuelle Orientierung."

Allerdings hat sich der in gesellschaftspolitischen Fragen liberal denkende Premier damit massiven Ärger mit dem rechten Tory-Parteiflügel eingehandelt. Die Regierung demonstriere "Arroganz und Intoleranz", sagt der Abgeordnete Richard Drax. "Die große Mehrheit" der Bevölkerung sehe die Ehe als Partnerschaft zwischen Mann und Frau, glaubt Ex-Staatssekretär Gerald Howarth. (Sebastian Borger, DER STANDARD, 27.12.2012)

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    Erzbischof Vincent Nichols zieht Parallelen zu George Orwells totalitärem Staat.

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