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Jürgen Drews feiert Weihnachten auf Gut Aiderbichl" im ORF.
Zu Weihnachten wird uns nicht nur das Christuskind geboren. Am Heiligen Abend nehmen wir uns auch der schwächsten unserer Mitgeschöpfe an. Damals, zu Betlehem, hatten Ochs und Esel ein vergleichsweise sicheres Unterkommen gefunden: Die Hirten beteten das Kind an, während die Tierchen im Stall das nicht sehr nahrhafte galiläische Gras genossen.
Heutzutage fristen Ochs und Esel ein weitaus luxuriöseres Dasein. Sie leben auf Gut Aiderbichl nahe der schönen Stadt Salzburg und profitieren von dem Umstand, ab und zu von einem B- oder C-Prominenten vor der anwesenden ORF-Kamera gestreichelt zu werden. Aiderbichl-Tiere sind abgebrühte Medienprofis.
Sie nehmen es ob der traumhaften Kost und Logis sogar in Kauf, dass am 24. Dezember das Nockalm Quintett neben ihrer Krippe aufspielt. Sie müssen natürlich auch das Jesuskind entbehren. Aber wer bekommt zu Weihnachten schon wirklich, was er will?
Nehmen wir die Institution "Licht ins Dunkel": Ein generöser Spender ruft beim ORF an, weil er sich in der Hoffnung wiegt, mit dem Herrn Bundespräsidenten Heinz Fischer persönlich ein paar herzerwärmende Worte wechseln zu dürfen. Der Hörer wird zwar abgehoben, doch es ist Laura Rudas, die dem Donator einen tiefempfundenen Dank voller gerollter "R" ins Ohr zu flüstern geruht.
Es ist schon so: Zahllose Träume werden jedes Jahr wahr zu Weihnachten. Sie sind natürlich mitunter recht quälend und auch verstörend. Aber das Christkind, das statt eines Colliers einen Topflappen oder einen quergestreiften Pullover bringt, ist auch kein Ombudsmann. (Ronald Pohl, DER STANDARD, 27.12.2012)
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