Nachrichten in aller Kürze
Alles zur Community
Nachrichten, die zu Ihnen kommen: Newsletter, Feeds und SMS
Alles zu unseren mobilen Angeboten: Apps, Mobilversion und SMS
Unsere Radio- und TV-Angebote
Die Zeitung im Internet: Abo, E-Paper, Anzeigen und mehr
Alles über die Redaktion von derStandard.at
Alles über Onlinewerbung, Stellenanzeigen und Immobilieninserate
Unlängst hat er wieder eine dieser Bemerkungen gemacht, die den kritisch denkenden Teil seiner Partei verstören und die Opposition aufheulen lassen. "Legislative, Exekutive und Justizwesen sollten zunächst dem Interesse des Volkes folgen und dann erst dem Interesse des Staates", erklärte Tayyip Erdogan und schwurbelte weiter - über die Verfassung seines Landes, die er so gern ändern will, und die ewige Ungerechtigkeit, die ihm und den seinigen widerfahre. "Weil das System falsch gebaut worden war, stehen wir einigen unerwarteten Schwierigkeiten gegenüber. Die Bürokratie blockiert unseren Weg, oder wir sind mit einem Mal mit der Justiz konfrontiert." Viele Türken verstanden: Der Regierungschef will die Gewaltenteilung abschaffen.
Erdogan versuchte diesen Eindruck zu korrigieren, attackierte Zeitungen und Oppositionspolitiker, die seine Äußerung verdreht hätten. Doch den Subtext konnte er schwer wegradieren. Dass der Premier auf die Einführung eines Präsidialsystems drängt, ist eine Tatsache. Wirkungsvoller und schneller arbeitend soll es sein als in den USA, wo sich der Präsident noch mit einem Kongress plagen muss, so hat Erdogan seinen Bürgern bereits erklärt.
In Wahrheit jedoch sei das Projekt eines türkischen Präsidentenstaates gestorben, versichern Kenner des Politikbetriebs dieser Tage in Ankara. Die Stimmen reichen nicht für einen Alleingang der regierenden AKP im Parlament, die Arbeit der Verfassungskommission stockt; und selbst wenn es Erdogan gelänge, eine Handvoll Abgeordneter der rechtsextremen MHP für den Entwurf einer Präsidialverfassung zu gewinnen, die dann dem Volk in einem Referendum vorgelegt würde: die Unterstützung seiner eigenen Parlamentsfraktion wäre ihm bei einer so weitreichenden Entscheidung nicht mehr sicher.
Die "moralisch Aufrechten" aus dem Netzwerk des Predigers Fethullah Gülen innerhalb der AKP beginnen sich schon vom Premier abzusetzen. Abdullah Gül, der Staatspräsident, Bülent Arinç, die Nummer zwei der Regierung, oder AKP-Generalsekretär Hüseyin Çelik lassen immer wieder mit eigenen Ansichten aufhorchen.
Das Problem der "73" kommt hinzu. So viele verdiente Minister und Abgeordnete dürfen sich laut AKP-Statut kein viertes Mal um ein Parlamentsmandat bewerben. Auch für Erdogan gilt es, eben deshalb will er sich 2014 zum Staatschef wählen lassen. Doch bei weitem nicht alle der 73 Parteifreunde kann Erdogan dann versorgen - mit Bürgermeisterämtern in Großstädten oder hohen Beraterposten im Präsidialamt. Viele dieser einflussreichen AKP-Politiker werden sich ungerecht behandelt fühlen und keine vier Jahre Pause hinnehmen wollen. Das Risiko einer Parteiabspaltung ist da.
Verbissen hält Erdogan an der Idee mit dem Präsidentenstaat fest. Es geht um seinen Platz an der Macht in den nächsten zehn Jahren. Nur präsidieren wie Amtsinhaber Gül will er keinesfalls. Irritiert und mit Unverständnis beobachten der Gülen-Flügel in der AKP und die ihm zugerechneten Medien die autoritären Anwandlungen des Regierungschefs und die Rückschritte in der Demokratie: die Journalisten in türkischen Gefängnissen, von denen es mehr gibt als in China; das Zugeständnis an die Armee, ihr Budget weiter der Aufsicht des Parlaments zu entziehen; oder der erste Ombudsmann der Türkei, für den Erdogan einen umstrittenen Kandidaten durchdrückte - einen ehemaligen Berufungsrichter, der das Urteil gegen den Verleger Hrant Dink wegen "Beleidigung des Türkentums" bestätigt hatte; Dink wurde dann 2007 ermordet.
Noch vor einem Jahr sah es so aus, als ob Erdogan und Gül 2014 einfach die Ämter tauschen würden. Seither sind die Frustrationen gewachsen. Dass sich Gül zu einer neuerlichen Kandidatur entschließt und gar gegen Erdogan antritt, halten nicht wenige in Ankara für plausibel. In Umfragen führt Gül, der freundliche Moderator. Für die AKP wäre ein solcher Machtkampf der beiden aber selbstzerstörerisch. (Markus Bernath, DER STANDARD, 27.12.2012)
Mit derStandard.at/Mobil sind Sie unterwegs immer top-informiert - mit Liveberichten und Postings!
Hunderte schweigende Menschen am Dienstagabend auf dem Taksim-Platz - Blick auf das Atatürk-Porträt
Erneut Tränengas-Einsatz gegen Demonstranten in Istanbul - Zusammenstöße mit der Polizei in Ankara
"Demokratie hat gesiegt" - Regierungschef verurteilt "Verräter" und ihre "ausländischen Komplizen"
Polizei geht in mehreren Städten gewaltsam gegen Regierungskritiker vor - Gewerkschaft kündigt landesweite Streiks an
Proteststehen gegen Erdogan: Der türkische Performancekünstler Erdem Gündüz löst eine neue Bewegung des zivilen Widerstands aus
"Ich hoffe, dass heute Abend alles vorbei sein wird" - Türkischer Regierungschef bestätigt vorläufigen Baustopp
Die türkische Polizei geht mit unverminderter Härte gegen Demonstranten vor. Die machen in Istanbul und anderen Städten auch nach der gewaltsamen Räumung des Gezi-Parks mit ihren Protesten gegen den autoritären Regierungsstil von Premier Erdogan weiter
Regierungssprecher: Sollte Baustopp von Gericht aufgehoben werden, sollen die Bürger in einem Referendum entscheiden
Mit der Stürmung des Gezi-Parks wollte der türkische Premier die Proteste beenden. Sonntag brachte seine Partei zehntausende Unterstützer auf die Straße. Doch die kriegsähnliche Nacht in Istanbul lässt den Beginn neuer Demonstrationen ahnen
STANDARD-Korrespondent Markus Bernath beantwortete Userfragen
Mindestens vier Ärzte in Istanbul in Haft, die verletzte Demonstranten behandelten
Ministerpräsident bietet zuvor Referendum über Gezi-Park an
Regierungschef: "Wir überlassen den Platz keinen Terroristen" - Erneut Straßenschlachten in Istanbul
Türkische Regierung fordert Demonstranten aber weiter zum Abzug auf
Minister droht: Wer den Platz betritt, wird wie ein Terrorist behandelt - Erneute Straßenkämpfe in Istanbul - Solidaritätskundgebungen in Wien
Auf dem Taksim-Platz in Istanbul bleibt die Lage nach der gewaltsamen Räumung angespannt. Die Behörden dulden die Parkbesetzer, feuern aber mit Tränengas auf sie. Im ganzen Land dauern die Anti-Erdogan-Proteste an.
Mann soll Autobombenanschlag geplant haben, durch den 52 Menschen starban
Premier Erdogan bot eine Auszeit und ein Plebiszit an, die Entscheidung liege bei den Parkbesetzern, sagt die Plattform Taksim-Solidarität
Drohung mit Gewalt, Planung eigener Kundgebungen - und ein Gesprächsangebot
Eine parteiübergreifende Resolution des Europaparlaments zu den andauernden Protesten in der Türkei lässt die Regierung schäumen. Die EU habe ihm nichts zu sagen, erklärte Premier Tayyip Erdogan
Am neunten Tag der Proteste gegen Umbaupläne in Istanbul und den autoritären Stil von Premier Erdogan hat sein Vize Arinç Vertreter der Demonstranten empfangen. Sie übergaben einen Forderungskatalog
Bedrängter Ministerpräsident wirft Unzufriedenen Vandalismus vor - Schwere Zusammenstöße zwischen Polizei und Demonstranten bei Protestcamp - Brandsätze auf Beamte geschleudert
Präsident Gül vergleicht Proteste in Türkei mit Occupy-Bewegung - Weiter Demonstrationen in Ankara und Istanbul
Sollte jemals das Leben von Gül verfilmt werden, sollte sich Clooney bereit halten:
http://www.worstpreviews.com/images/me... tgoats.jpg
Fakt ist, AKP und Erdogan sind in der Türkei sehr beliebt aber der Derstandard Korresponden veruscht immer das Gegenteil zu vermitteln. Dabei entstehen immer wieder absurde Bauchgefühle!
Erdogan wurde 3 mal hintereinander demokratisch gewählt.
Wenn jemand dreimal hintereinander demokratisch gewaehlt wurde, darf er nicht mehr kritisiert werden?
Schon eine eigenartige Auslegung der Meinungsfreiheit, finden Sie nicht ?
Kritisieren darf man ja. Dennoch sollte man als Journalist ein halbwegs ausgewogenes Bild zeichnen.
Erdogan wurde demokratisch gewählt. Das ist Fakt! Unter der Regierung der AKP hat die Türkei einen beispiellosen Aufschwung erlebt. Auch das ist Fakt.
Erdogan hat einen vorher nicht einmal im Ansatz denkbaren Aussöhnungsprozess mit den Kurden eingeleitet. Nicht alles ist gelungen, aber man hat sich definitiv in die richtige Richtung bewegt.
All diese Dinge fallen bei der Berichterstattung über die Türkei im Standard komplett unter den Tisch.
dass dann die Herrschenden quasi als Vertreter Gottes
auftreten können, d.h. was sie sagen, das "sagt" eigentlich Gott, und was Gott sagt, das muss auch so sein. Sie machen Gott zum Komplizen zur völligen
Unterwerfung der Menschen. Der Gottesstaat gibt aber auch den Männern gewisse Privilegien, das gefällt den Männern natürlich, so werden sie das System auch unterstützen. Die armen Frauen bleiben völlig auf der Strecke, mit wenig Rechten und Freiheiten, in manchmal tödlicher Umarmung der Gesellschaft.
etwas fiel auf Firstladies mit Kopftüchern? ok, aber was fiel denn: zwei schwere staatsleute? oder das Foto?
für das erste Problem gäbe es eine einfache Lösung:
die zwei schwere Staatsleute sollen mal abnehmen, dann würden sie auch nicht - wenn Foto geschossen wird - gleich auf die Firstladies fallen...
das zweite Problem wäre an sich keins: die Firstladies sind ja mit Kopftücher ausgestattet, da kann ein Foto schon mal ruhig fallen - solange keine schwere Staatsleute drauf abgebildet sind. ^^
Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.