"Man darf sich keine Wunder erwarten"

26. Dezember 2012, 18:15
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Am Freitag und Samstag wird der Ski-Weltcup der Damen am Semmering fortgesetzt. Kathrin Zettel, einzige Saisonsiegerin des ÖSV, hofft auf eine knackige Piste, hat die Schmerzen im Knie nicht vergessen und ist mit 90 Prozent zufrieden

Standard: Hatten Sie über Weihnachten Zeit abzuschalten?

Zettel: Ich hab's versucht, ja. Gelungen ist es mir nicht wirklich. Die Tage mit der Familie waren schnell vorbei, Mittwochvormittag haben wir schon wieder in Hinterreit trainiert. Und Konditions- und Regenerationsübungen standen auch über Weihnachten auf dem Programm.

Standard: Am Freitag und Samstag wird der Weltcup mit einem Riesentorlauf und einem Slalom am Semmering fortgesetzt. Sie sind die Lokalmatadorin, haben hier zweimal gewonnen. Was spricht für neuerliche Erfolge?

Zettel: Dafür spricht der Verlauf der bisherigen Saison, ich bin mit meinen Leistungen zufrieden. Und mir taugt's am Semmering. Es kommen viele Fans, die Leute sind euphorisch, die Stimmung ist cool. Im Osten Österreichs gibt's ja nicht so viele Gelegenheiten, Weltcup-Rennen zu sehen.

Standard: Woran könnte ein Heimsieg scheitern?

Zettel: Der Warmwettereinbruch hat bei mir für keine Jubelstimmung gesorgt. Ich bevorzuge eine harte, knackige Piste, hoffentlich hält sie im Rennen.

Standard: Sie haben den Slalom von Aspen gewonnen und sind damit die einzige Saisonsiegerin im österreichischen Skiverband. Wie bewältigen Sie den öffentlichen Erwartungsdruck?

Zettel: Von mir darf man sich keine Wunder erwarten. Ich bin überglücklich, wie es nach meinen ganzen Verletzungen bisher gelaufen ist. Aber ich muss auf mich aufpassen. Ich arbeite intensiv daran, keinen Rückfall zu bekommen.

Standard: Sie haben lange mit Schmerzen im linken Knie gekämpft, dazu kamen Probleme mit der Hüfte. Wie fit sind Sie derzeit?

Zettel: Ich stehe bei 85 bis 90 Prozent meiner Leistungsfähigkeit. Aber das passt so. Natürlich zwickt's da und dort, es gibt nur wenige Läufer, die keine Probleme haben. Das Weltcup-Programm spüre ich minimal, kein Vergleich zu früher. Im Hinterkopf sind die Schmerzen nicht vergessen, aber mit den Erfolgen sind sie sehr weit weg gerückt. Ich hoffe, das bleibt so.

Standard: Nach dem Aus von Marlies Schild sind Sie bei der WM in Schladming die Medaillenkandidatin Nummer eins. Wie schwer tragen Sie an dieser Last?

Zettel: Ich habe große Ziele, klar. Ich würde mich aber nicht ausschließlich nur über Gold freuen. Eines kann ich ziemlich sicher sagen: Ich werde in diesem Winter keine Seriensiegerin mehr, da fehlt noch zu viel.

Standard: Was machen Sie, um sich abzulenken?

Zettel: Ich versuche, mir keinen Druck zu machen. Und ich kann mich auch abkapseln. Da dreh' ich den Schlüssel um, und dann ist Ruhe. Kein Fernsehen, kein Radio. Die Speedrennen im Jänner in St. Anton werde ich dazu nützen, Kondition zu tanken. Nach einer Auszeit fühlt man sich auf den Skiern wieder wohler.

Standard: Wieso läuft's im Damen-Team gerade in der Heim-WM-Saison nicht ganz rund?

Zettel: Anna Fenninger ist lässig drauf. Dass sie noch nicht gewonnen hat, ist auch ein bisserl Pech. Und auch wenn es bei Michaela Kirchgasser nicht so gelaufen ist: Vergesst mir die Kirchi nicht! (David Krutzler, DER STANDARD, 27.12.2012)

KATHRIN ZETTEL (26) wuchs auf einem Bauernhof nahe Göstling am Hochkar auf. Die gelernte Köchin feierte bisher neun Weltcupsiege und wurde 2009 Weltmeisterin in der Super-Kombi.

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    Zettel würde nicht nur über Gold jubeln.

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