John Boehner - Über "Plan B" gestolpert, aber nicht gefallen

Kopf des Tages26. Dezember 2012, 18:02
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Niemals, niemals und noch einmal: Niemals würden sie Steuererhöhungen zustimmen - mit dieser vollmundigen Ankündigung ging John Boehner, republikanischer Sprecher des US-Repräsentantenhauses, nach dem Wahlsieg des Demokraten Barack Obama in die Verhandlungen um das Budget. Und dementsprechend waren die Fronten in den vergangenen Wochen auch tatsächlich pickelhart. Die US-Medien kannten kaum ein anderes Thema als jene vielbeschworene, bedrohliche Klippe, über die man abzustürzen drohe.

Doch dann kam, wenngleich nur kurzzeitig, Bewegung in den Etatstreit: Boehner, bisher stets die Verkörperung rechtschaffener Unnachgiebigkeit, zeigte plötzlich pragmatische Anwandlungen und präsentierte einen "Plan B", mit dem er Obamas Demokraten einen Schritt entgegenkommen wollte - nur damit diese dann zwei Schritte gehen müssen. Allein: Nicht einmal seine eigene Partei wollte etwas davon wissen. Der 63-Jährige blitzte mit seinem Kompromissvorschlag ab und musste die schwerste Niederlage in seiner über zweijährigen Amtszeit als Fraktionschef hinnehmen. Boehner fing sich zwar rasch und zeigt nun wieder Härte, doch sein Ansehen ist ramponiert.

Der Fehler im Kalkül verwundert bei diesem alten Hasen, der als Vertreter Ohios bereits seit 1990 am Capitol Hill agiert. Während der Präsidentschaft des Demokraten Bill Clinton fiel er dessen Gegenspieler Newt Gingrich auf und bekam die Chance, an seinem berüchtigten, erzkonservativen "Contract with America" mitzuschreiben.

Unter George W. Bush kümmerte sich der Katholik aus Cincinnati - er war das zweitälteste von zwölf Kindern - um Bildungspolitik. Außenpolitisch galt Boehner, der mit seiner Frau Debbie zwei Töchter hat, zwar als Befürworter des Irakkrieges 2003; doch selbst in demokratischen Kreisen galt er stets als kalkulierbarer Pragmatiker.

Diesen Pragmatismus vergaß Boehner - der schon als Kind im elterlichen Gasthaus gearbeitet und sich mit Gelegenheitsjobs das Studium finanziert hatte - aber mit der Wahl Obamas 2008. Und dessen Wiederwahl im vergangenen November setzte ihn weiter unter Druck - gilt Boehner doch als einer der exponiertesten Republikaner im Washingtoner Tagesgeschäft.

Es wäre verfrüht, Boehner bereits abzuschreiben. Der Selfmademan aus Ohio galt schon von jeher als "political animal" mit ausgeprägtem Überlebensinstinkt. (Gianluca Wallisch, DER STANDARD, 27.12.2012)

  • John Boehner, streitbarer Fraktionsführer der US-Republikaner.
    foto: epa/reynolds

    John Boehner, streitbarer Fraktionsführer der US-Republikaner.

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