Touristen fliegen mehr denn je auf Spanien

26. Dezember 2012, 17:36
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Mit knapp 59 Millionen Besuchern verzeichnen die Touristiker einen Rekordansturm, die Spanier selbst verzichten zunehmend auf Urlaub

Die vielgerühmte Lebensfreude der Spanier ist nach Jahren der Krise zwar spürbar gedämpft, Iberiens Attraktivität als Reiseziel tut das aber keinen Abbruch. Fast 59 Millionen Gäste wird Spanien bis Ende 2012 empfangen haben; im bisherigen Rekordjahr 2007 waren es 58,66 Millionen. 2013 soll der Aufwärtstrend anhalten.

Neben Gästen aus Deutschland und Großbritannien stieg zuletzt die Zahl der russischen Urlauber deutlich: Inklusive November waren es im Jahresabstand um 49 Prozent mehr. Nach Zahlen des staatlichen Statistikinstituts (INE) für die ersten elf Monate 2012 urlaubten 55,1 Mio. Menschen in Spanien - ein Plus von 2,9 Prozent. Im Vorjahr war der Schlüsselsektor mit 56,7 Mio. Urlaubern für 10,8 Prozent des BIPs verantwortlich.

Spaniens Binnentourismus rückläufig

Wermutstropfen der Touristikbranche bleibt der Binnentourismus, der seit zwei Jahren rückläufig ist - mit steigender Tendenz. Vor der Krise entfiel fast jede zweite Buchung auf einen Inlandsgast. Während mehr internationale Gäste im Durchschnitt auch mehr Geld ausgeben (108 Euro pro Tag), sind es die Spanier selbst, die weit weniger und sparsamer vereisen. So verbuchten die Hoteliers auf der Iberischen Halbinsel allein im November einen Umsatzrückgang um 5,1 Prozent; die Zahl spanischer Gäste sank um 12,5 Prozent.

"Der Anstieg der Auslandsgäste konnte den Verlust heimischer Kunden nicht kompensieren", lamentiert der Vizepräsident des Branchenverbands Exceltur, José Luis Zoreda. 63 Prozent der Hoteliers erwarteten für das Schlussquartal geringere Einnahmen. Neben dem Fernbleiben der Spanier würden die erhöhte Mehrwertsteuer (10,0 statt 8,0 Prozent, die Nächtigungssteuer in Katalonien und höhere Flughafentaxen negative Auswirkungen zeitigen.

Neben Destinationen wie Mallorca, Balearen, Kanaren sowie Städtereisen (Barcelona) erfreuen sich auch Kreuzfahrten steigen-der Beliebtheit. Ländliche Ziele kämpfen jedoch mit einem Nächtigungsminus von vier Prozent.

Schokoladiger Protest

"Alle roten Alarmsignale leuchten", warnt Francisco Parra, Präsident des Landtourismusverbands Autural. Als problematisch erachtet Parra das " schädliche Überangebot" an ländlichen Unterkünften. Zwischen 2006 und 2012 wurden 5000 neue Unterkünfte eröffnet, ein Plus von 47 Prozent. Während sich der private Touristiksektor in puncto Beschäftigung konstant zeigt, gehen die Mitarbeiter der staatlichen Parador-Kette auf die Barrikaden. Die international wegen der historischen Gemäuer ihrer Hotels bekannte Kette will von 93 Standorten sieben permanent und weitere 21 temporär schließen. 640 von 4400 Angestellten werden gekündigt.

Nach ersten Streiks im Dezember beging die Belegschaft des ältesten Parador an der Sierra de Gredos bei Ávila den Stefanitag mit einem süßen Protest: der "chocolatada", dem kollektiven Trinken heißer Schokolade. (Jan Marot aus Granada, DER STANDARD, 27.12.2012)

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    Ob Barcelona, Costa Brava oder, wie hier auf dem Foto, Teneriffa: der Tourismus ist eine der wenigen Branchen in Spanien, die florieren.

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