"Fellows stellen Brücke zum Leben dar"

Interview | Julia Herrnböck
26. Dezember 2012, 17:38
  • Susanne Brandsteidl erhofft sich "mehr Quereinsteiger und engagierte Mitarbeiter" vom Projekt.
    foto: standard/hendrich

    Susanne Brandsteidl erhofft sich "mehr Quereinsteiger und engagierte Mitarbeiter" vom Projekt.

Die Wiener Stadtschulratspräsidentin Susanne Brandsteidl erhofft sich durch die Initiative Teach for Austria mehr Quereinsteiger an den Schulen

STANDARD: Warum haben Sie Teach for Austria in Wien zugestimmt?

Brandsteidl: Zum einen ist es ein international erfolgreiches Projekt. Zum anderen haben wir akuten Lehrermangel, und das sind junge, engagierte Leute. Ich habe mir die Zentrale in London angesehen: Das ist ein sehr großer Betrieb geworden, der eigene qualitätssichernde Maßnahmen eingeführt hat. Davon sind wir in Österreich noch weit entfernt, aber als Ergänzung zum traditionellen System ist es sinnvoll.

STANDARD: Wieso dürfen die Fellows ohne Lehramt unterrichten?

Brandsteidl: Wir können nur bei Lehrermangel Absolventen ohne Lehramtsstudium an die Schulen holen - sonst müssen wir die Geprüften vorziehen. In Wien werden wir auch in 20 Jahren Bedarf dafür haben.

STANDARD: Was erhoffen Sie sich von diesem Projekt ?

Brandsteidl: Mehr Quereinsteiger und engagierte Mitarbeiter. Ich glaube, dass die Fellows von außen eine neue Sicht mitbringen in den Schulbetrieb. Sie sind ja bewusst an Schulen eingesetzt, bei denen die Ausgangssituation nicht so einfach ist.

STANDARD: Warum ist Bildung in Österreich so stark abhängig von Einkommen und Status der Eltern?

Brandsteidl: Es sind drei bekannte Faktoren: Sozialstatus, Migrationshintergrund und Bildungsabschluss der Eltern. Wir haben ein sehr traditionelles Bildungssystem ohne Ganztagsschule, das gibt es in Europa kaum mehr in dieser Form. Kinder, die am Nachmittag nicht gefördert werden, sind sich selbst überlassen. International gesehen haben wir sehr wenig und sehr kurz Schule.

STANDARD: Inwiefern kann Teach for Austria an den Bildungschancen etwas verändern?

Brandsteidl: Die Fellows stellen eine Brücke zum Leben dar. Sie zeigen andere Karrierewege auf, und sie geben Hoffnung.

STANDARD: Wie ist das Feedback aus den teilnehmenden Schulen?

Brandsteidl: Es gibt keine Schule, die sich nicht darüber freut, diese zusätzlichen Lehrer zu haben.

STANDARD: Sehen Sie Gefahren?

Brandsteidl: Keine. Fellows sind ganz normal ins System integriert, es gibt einen Schulaufsichtsbeamten, der für sie zuständig ist - sie arbeiten wie alle anderen Lehrer.

STANDARD: Soll das Projekt in Wien weiter ausgebaut werden?

Brandsteidl: Wir nehmen jede zusätzliche Lehrkraft. Mit Zusatzausbildung wird es möglich sein, auch länger im System zu bleiben.

STANDARD: Es ist immer die Rede von "Brennpunktschulen" - was ist damit gemeint?

Brandsteidl: Probleme bei uns sind etwa Kinder mit nichtdeutscher Muttersprache oder Armut. Aber an der Schule in England, die ich besucht habe, wurde der Direktor erschossen - das kann man nicht vergleichen. (Julia Herrnböck, DER STANDARD, 27.12.2012)

SUSANNE BRANDSTEIDL (49) ist seit 2001 amtsführende Präsidentin des Wiener Stadtschulrats.

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6 Postings
...die Brandsteild...

das wohl größte Rindvieh, das der SSR und Ö in Bildungsfragen gesehen hat!
Weg mit dieser Frau...

"Die Fellows stellen eine Brücke zum Leben dar. Sie zeigen andere Karrierewege auf, und sie geben Hoffnung."

Bedeutet das jetzt die offizielle Bankrotterklärung der Lehrerbildung?

Hab nicht gewusst, dass die alle nicht aus dem Leben kommen.

Super!

Die pädagogisch unausgebildetsten Studenten in die allerschwierigsten Klassen. Bewusst.

die fellows werden austria schon teachen was part of the game ist, weil, die perfomance der troublemaker läßt zu wünschen übrig, in den problem schools....

Endlich wird einmal wenigstens zugegeben, dass es in Wien zuwenig Lehrer gibt. Im AHS-Bereich steht jetzt schon die Hälfte der Lehrer noch in der Ausbildung. Und das wird sich weiter verschärfen, und je unattraktiver der Beruf gestaltet wird - und das ist der Fall (siehe neues Lehrerdienstrecht und das Bashing vom Ministerium aus -, desto schlimmer wird die Lage.

Manchmal ist man froh, kein Wiener zu sein, so toll die Stadt auch ist.

Mehr und mehr muss sie von der Vergangenheit zehren, denn die, die jetzt schalten und walten, sind von fragwürdiger Kompetenz...

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