Zeitung: Millionensumme für entführten Österreicher gefordert

25. Dezember 2012, 14:03
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26-Jähriger angeblich von Stammesangehörigen gekidnappt - Außenministerium will Lösegeldforderungen weder "bestätigen noch dementieren"

Wien/Sanaa - Im Fall des am 21. Dezember im Jemen entführten Österreichers werden seit dem gestrigen Heiligen Abend Lösegeldforderungen kolportiert. Am Dienstag nannte die englischsprachige "Yemen Post" erstmals konkrete Summen. Demnach verlangen Stammesangehörige für die Freilassung des 26-Jährigen und eines finnischen Pärches die Zahlung von vier bis sieben Millionen Dollar (5,40 Mio. Euro). Zudem wird die Freilassung inhaftierter Stammesangehöriger gefordert. Die Geiseln könnte dann innerhalb von zwei Wochen frei kommen, hieß es in der "Yemen Post".

Das Außenministerium in Wien wollte diese Berichte am Dienstag nicht näher kommentieren. Es gebe dazu weder "eine Bestätigung noch ein Dementi" erklärte Sprecher Martin Weiss auf Anfrage der APA. Es gebe derzeit "zahlreiche Infos aus unterschiedlichen Quellen", präzisierte Weiss. Zu allen Informationen Stellung zu nehmen, wäre kontraproduktiv. Bei berichtenswerten Entwicklungen "werden wir informieren." Gleichermaßen reagierte das Außenamt in Helsinki. Selbst wenn es derartige Forderungen gebe, würden diese nicht in der Öffentlichkeit diskutiert, hieß es von finnischer Seite.

Stämme an Suche beteiligt

Am Montag hatte es laut Agenturberichten geheißen, der 26-Jährige, der gemeinsam mit einem finnischen Paar in der jemenitischen Hauptstadt Sanaa entführt worden war, würden von Stammesangehörigen festgehalten. Die Entführten sollen demnach in dem Ort Khawlan rund 20 Kilometer westlich von Sanaa festgehalten werden. Der Österreicher und seine finnischen Begleiter waren am Freitag in einem Geschäft in der Altstadt von Sanaa von Bewaffneten überfallen und fortgebracht worden. Die "Yemen Post" berichtete am Dienstag, dass sich andere Stämme an der Suche nach den Entführungsopfern beteiligen würden.

Zuvor hatte die Nachrichtenagentur AFP unter Berufung auf Sicherheitskreise sogar berichtet, dass die Sicherheitsbehörden die Al-Kaida hinter der Tat vermuteten. Demnach habe das Terrornetzwerk vor einigen Tagen gedroht, Ausländer zu entführen, um die Freilassung von inhaftierten Mitgliedern zu erwirken.

Entführungen im Jemen sind keine Seltenheit - die Sicherheitslage in dem 24-Millionen-Einwohnerland ist extrem brüchig. In den vergangenen 15 Jahren wurden laut AFP mehr als 200 Menschen entführt, meist von Stämmen, die damit politische Forderungen an die Behörden durchsetzen wollten. Das Land im Süden der Arabischen Halbinsel gilt als Armenhaus der Region. Für den Jemen gilt aufgrund der unvorhersehbaren Sicherheitslage von österreichsicher Seite schon seit längerem eine Reisewarnung. Zudem wird allen im Land befindlichen Österreichern empfohlen, das Land zu verlassen. Derzeit befinden sich laut Außenministerium eine Handvoll Österreicher im Jemen.

Bei einer groß angelegten Offensive der jemenitischen Armee gegen bewaffnete Stammesmitglieder sind am Dienstag mindestens 17 Menschen getötet worden. Der Einsatz in der Region Marib östlich der Hauptstadt Sanaa habe sich gegen Kämpfer gerichtet, denen Sabotage an Jemens größter Erdöl-Pipeline vorgeworfen werde, sagten Stammesmitglieder. Der Öl-Export ist eine bedeutende Einnahmequelle für die Regierung.

"Alle Arten von Waffen"

Zehn Stammesmitglieder und sieben Soldaten seien bei dem Armeeeinsatz in Wadi Habab getötet worden, sagten Stammesvertreter weiter. Zunächst hatten sie von vier getöteten Soldaten und sieben toten Stammeskämpfern gesprochen. Die Armee habe "alle Arten von Waffen" und auch die Luftwaffe eingesetzt, hieß es weiter. Die Stammesmitglieder kämpften demnach mit leichten Waffen und Panzerabwehrraketen.

Ein Stammesmitglied sagte, die Offensive habe sich gegen Saleh bin Hussein Dammaj, dessen Männer mehrfach Sabotageakte gegen die 320 Kilometer lange Pipeline zwischen Safer und Ras Issa am Roten Meer verübt hätten. Damit wollten sie die Behörden zu einer Entschädigung in Höhe von 100 Millionen Rial (364.000 Euro) für ein Gebiet zwingen, das die Regierung Hussein Dammaj weggenommen haben soll.

Die jemenitischen Behörden schätzen, dass ihnen allein 2012 durch Zerstörungen an Erdölleitungen Einnahmen in Höhe von einer Milliarde Dollar (758 Millionen Euro) entgingen. Die Erdölexporte seien wegen der Anschläge um 4,5 Prozent gesunken. Jemen ist das ärmste Land auf der arabischen Halbinsel und setzt für den Staatshaushalt weitgehend auf Erdöleinnahmen. Es fördert täglich rund 300.000 Barrel Öl, die größtenteils ins Ausland verkauft werden.

Die Unsicherheiten im Jemen beunruhigen zunehmend die reichen Nachbarstaaten am Golf sowie die USA. Sie sind besorgt, dass Al-Kaida und andere Extremisten-Organisationen zur Bedrohung für den Erdöl-Staat Saudi-Arabien und die nahen Seewege werden könnten. Die im Jemen angesiedelte "Al-Kaida auf der arabischen Halbinsel" gilt als gefährlichster regionaler Ableger der Extremistenorganisation. (APA, 25.12.2012)

 

 

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