Ein zartes Pflänzchen wieder gießen

23. Dezember 2012, 20:03
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Um den Gründermarkt in Bewegung zu bringen, richtet die Förderbank Austria Wirtschaftsservice zwei neue Fonds ein

Wenn es um den Risikokapitalmarkt für Jungunternehmer geht, werden gern die USA als Vergleich herangezogen, wo private Investoren fünf- bis zehnmal mehr in Ideen investieren. Aber auch gegenüber anderen europäischen Staaten ist der österreichische Markt unterentwickelt. Deshalb werden auf Initiative des Wirtschaftsministeriums ein Gründer- und ein Business-Angel-Fonds in der Förderbank Austria Wirtschaftsservice (AWS) eingerichtet. 110 Millionen Euro sollen in den nächsten Jahren zur Verfügung gestellt werden.

Wir hoffen, dass dabei der private Markt anspringt", sagt Edeltraud Stiftinger, seit Oktober dieses Jahres Geschäftsführerin der AWS. "Wir wollen den Risikoappetit erhöhen." 22,5 Millionen fließen an Business Angels, die dann in Start-ups investieren. Bedingung: Für jeden Euro aus dem Fonds muss ein zweiter privat investiert werden.

Der Gründerfonds soll jenen Jungunternehmern, die in der risikoreichsten Anfangsphase keine ausreichende Bankfinanzierung erhalten, eine Finanzierung über Firmenbeteiligungen ermöglichen. Die Beteiligungshöhe bewegt sich jeweils von 100.000 Euro bis zu einer Million Euro. Bei einem späteren Verkauf des Unternehmens fließen die Anteile in den öffentlichen Fonds zurück und ermöglichen weitere Investitionen.

Bedarf bestehe auch deshalb, weil sich die Banken im Zuge der Wirtschaftskrise aus dem Risikokapitalmarkt zurückgezogen haben, sagt Wolfram Anderle von der AWS. "Wir gießen nun wieder ein zartes Pflänzchen."

Mit der Business-Angel-Dynamik zeigte sich Stiftinger nicht unzufrieden. " Wir sind immer noch nicht dort, wo der angloamerikanische Raum ist, dort müssen wir auch nicht sein, aber es gibt nicht so wenige, die Geld in die Hand nehmen. Ich glaube eher, dass sie nicht an die Öffentlichkeit treten wollen." Seit der Gründung der Vermittlungsplattform i2 im Jahr 1997 hätten Business Angels, das Gros davon aus Österreich, mehr als elf Millionen Euro in 73 Firmengründungen investiert. Der typische "Engel" investiere zwischen 100.000 und 300.000 Euro und ist selbst ein Unternehmer mit technologischem Know-how. Die meisten Projekte, die i2 vermittelt, sind aus den Bereichen Physik und Elektrotechnik (27 Prozent), IT, Internet sowie Maschinenbau (je 17 Prozent).

Anfang im Kindergarten

Stiftinger, die davor Forschungschefin von Siemens Central Eastern Europe war, sieht die Förderbank als Ermöglicher. "Es geht also logischerweise nicht um klassische Förderung, sondern um Beratungsleistung und um die Sicherstellung von Finanzierungen." Jungunternehmertum und Risikobereitschaft müsse aber schon lange vor einer eventuellen Gründung indirekt gefördert werden. "Eigentlich beginnt es im Kindergarten. Man muss die Neugier der Kinder fördern. Derzeit verflacht sie während der Schulzeit noch viel zu häufig." Hier gebe es großen Nachholbedarf. "Die Lehrer müssen vermitteln können, dass auch Wissenschaft und Forschung zur Kultur des Landes gehört." Die rege Teilnahme am Schulwettbewerb "Jugend innovativ" zeige das Potenzial.

In der Gesellschaft seien wissenschaftliche Themen schon viel besser verankert als noch vor zehn bis fünfzehn Jahren. Stiftinger: "Seit Josef Penninger in einer Radio-Talkshow aufgetreten ist, weiß ich, dass wir auch in Publikumsformaten angekommen ist." Stiftinger wünscht sich eine starke Grundlagenforschung, "weil sie einen hohen volkswirtschaftlichen Nutzen hat". Die oft zitierte Trennlinie zur angewandten Forschung sieht sie nicht. "Wir sind ein zu kleines Land, um uns in solchen Aufteilungen zu verlieren."

Die Förderbank Austria Wirtschaftsservice besteht seit zehn Jahren -von 2002 bis 2012 wurden über 63.000 Projekte mit einer Förderleistung von 10,2 Milliarden Euro unterstützt. Die AWS übernimmt Garantien, vergibt Zuschüsse (Preseed, Seed, siehe Grafik), Kredite und Eigenkapital und bietet laufende Betreuung und Beratung vor allem für Klein- und Mittelbetriebe. Eigentümer sind das Wirtschafts- und das Verkehrsministerium. (pi, DER STANDARD, 24.12.2012)

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    grafik: der standard
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