Wehrpflicht: Darabos kritisiert Benachteiligung heimischer Studenten

23. Dezember 2012, 17:37
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SPÖ-Minister beanstandet Schlechterstellung gegenüber ausländischen Kollegen

Wien - Exerzieren statt exzerpieren, salutieren statt studieren: Angesichts der Volksbefragung am 20. Jänner umwirbt Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) nun insbesondere die Burschen im wehrpflichtigen Alter - und will vor allem den Studierwilligen klarmachen, dass sie wegen des Präsenzdienstes gegenüber ihren Kollegen aus dem Ausland, wo die Wehrpflicht längst abgeschafft ist, schlechter gestellt sind. Darabos zum STANDARD: "Junge Männer aus diesen Staaten, die sofort nach der Matura studieren können, haben einen signifikanten Wettbewerbsvorteil gegenüber den Österreichern, die nach der Reifeprüfung zum Wehrdienst oder zum Zivildienst zwangsverpflichtet werden. Denn die männlichen Studenten verlieren damit ein oder sogar zwei Semester."

Damit spielt Berufsheer-Befürworter Darabos vor allem auf die deutschen Studenten an. Im Wintersemester 2011/2012 stammten von den rund 137.000 männlichen Inskribierten an den heimischen Unis 12.800 Studenten aus dem großen Nachbarland, wo die Wehrpflicht seit 1. Juli 2011 ausgesetzt ist. Die zweitgrößte Gruppe ausländischer Studierender sind die etwa 3700 Italiener - das Heer hinterm Brenner rekrutiert sich schon seit 2005 nur mehr aus Freiwilligen. Danach folgen die rund 700 Studenten aus Ungarn - auch dort ist die Wehrpflicht seit 2005 Geschichte.

Angesichts dieser Zahlen beruft sich Darabos auch auf eine OECD-Studie aus dem Jahr 2008, die das Helsinki Center of Economic Research erstellt hat - und gemäß derer Staaten mit Wehrpflicht um zehn Prozent weniger Studenten verzeichnen würden als Länder mit einer Freiwilligenarmee.

Dazu könne das Unterbrechen von Bildungszeiten und ersten Berufserfahrungen den Betroffenen teuer kommen, moniert der Minister, denn: Hierzulande sei den Männern, die vom Staat eingezogen werden, ein um bis zu 70.000 Euro geringeres Lebenseinkommen bescheinigt worden. " Mit der Wehrpflicht sind also auch jene jungen Arbeitnehmer benachteiligt, die ihr Beschäftigungsverhältnis unterbrechen müssen."

Sein anvisiertes Profiheer samt Einführung eines freiwilligen Sozialjahres würden diese Benachteiligungen junger Österreicher jedenfalls beseitigen, meint Darabos, weil: Die Fähigkeiten, die Präsenzdiener derzeit beim Bundesheer erwerben, könnten sie im späteren Arbeitsleben kaum einsetzen. Eine höhere Qualifikation von Soldaten eines Berufsheeres hingegen, würde auch in einigen anderen Berufen, etwa im technischen oder handwerklichen Bereich, später besser eingesetzt werden können - und dies würde sich für die Betreffenden auch finanziell besser rentieren. (Nina Weißensteiner, DER STANDARD, 24.12.2012)

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