Stronach-Kandidatur: Das verlorene Paradies

Kommentar23. Dezember 2012, 18:05
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Frank Stronachs Kandidatur könnte Erwinn Pröll um die absolute Mehrheit in Niederösterreich bringen

Für Erwin Pröll sind das definitiv schlechte Nachrichten: Das Antreten von Frank Stronach höchstpersönlich könnte ihn um die absolute Mehrheit in Niederösterreich bringen. Ein weiteres schwarzes Paradies wäre damit verloren.

Beim letzten Wahlgang kam die ÖVP in Niederösterreich auf 54 Prozent, dieses Mal steht die Absolute an der Kippe: Aktuelle Umfragen gehen von 49 bis 51 Prozent aus. Es wird also knapp. Onkel Fränk könnte in St. Pölten für einen weiteren Abwärtsschub der Volkspartei sorgen. So seltsam dieser Mann auch sein mag, er ist auch in Niederösterreich für ein Ergebnis von zehn Prozent und mehr gut. Darunter würden alle Parteien leiden, ganz besonders die FPÖ, aber bei Erwin Pröll reichen schon zwei, drei Prozent weniger zum absoluten Unglück.

Seltsam ist Stronach nicht nur wegen seiner exzentrischen Auftritte und seiner sehr speziellen Artikulation, seltsam sind auch seine Vorstellungen, wie er Politik künftig umsetzen mag: Der 80-Jährige will zwar den Spitzenkandidaten für die Landtagswahl mimen, nicht aber in den Landtag einziehen. Das ist ihm dann doch zu mühsam. Lieber schafft er seinen Polit-Vasallen von außen an, was sie denken, reden und tun mögen.

Mit diesem absolutistischen Anspruch passt Stronach an sich gut nach Niederösterreich, wo Erwin Pröll auch recht resolut die Peitsche schwingt und die Meinung vorgibt. Aber Pröll, und das müssen ihm auch seine politischen Feinde zugutehalten, ist immer und überall: Sein Einsatz und seine Präsenz sind nahezu beängstigend. Das heißt allerdings nicht, dass man ihm auch jederzeit eine Frage stellen dürfte. Eine kritische nämlich nicht, da kann Pröll ganz schön in Saft gehen, wie unlängst unter Beweis gestellt. Das wiederum hat er mit seinem Herausforderer Stronach gemeinsam: "Sie wollen streiten mit mir?" (Michael Völker, DER STANDARD, 24.12.2012)

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