Caritas kritisiert Aktivisten im Flüchtlingscamp in der Votivkirche

23. Dezember 2012, 13:59
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Notquartier der Caritas wird vorerst nicht in Anspruch genommen - Innenministerium prüft Wiederaufnahme in die Grundversorgung

Wien - Die Flüchtlinge, die unter Mithilfe von Aktivisten die Votivkirche besetzt haben, haben abermals in der Wiener Votivkirche übernachtet. Die von der Caritas bereitgestellte Unterkunft werde vorerst weiter nicht in Anspruch genommen, sagte ein Sprecher der Hilfsorganisation am Sonntag. Unterdessen sei, wie beim Runden Tisch vereinbart, ein Liste zur Prüfung der Fälle an das Innenministerium weitergeleitet worden.

15 bis 30 Personen haben übernachtet

Derzeit befinde sich eine Liste mit den Namen von 71 Personen im Innenministerium, bestätigte ein Sprecher des Ressorts. In der Votivkirche selbst hätten an die 15 Personen übernachtet, die Caritas sprach von etwa 30.

Mit der Überprüfung des Verfahrensstandes und der Möglichkeit einer Wiederaufnahme in die Grundversorgung möglich sei, hat das Ministerium Sonntagfrüh begonnen. In jenen Fällen, wo dies nicht möglich ist, werde man nach einer gemeinsamen Lösung mit der Caritas suchen, betonten beide Seiten.

"Fühlen sich in Kirche besser geschützt"

Die von der Caritas eingerichtete Notunterkunft samt Transport dorthin ist von den Flüchtlingen vorerst nicht angenommen worden. "Sie wollen die Einzelfallprüfung abwarten und fühlen sich in der Kirche besser geschützt", so der Caritas-Sprecher. Dort sei es jedenfalls "bitterkalt", man habe die Asylwerber aber rund um die Uhr betreut. "Die Flüchtlinge sind ziemlich verzweifelt." Auch erste Androhungen von Hungerstreiks habe es bereits gegeben, hieß es vonseiten der Hilfsorganisation. "Das macht uns als Caritas große Sorgen."

Kritik wurde indes an den Aktivisten laut, welche die Aktion der Asylwerber offenbar organisieren. So seien die Asylwerber in der Nacht aufgeweckt und mit Falschmeldungen verunsichert worden, so der Caritas-Sprecher. So hätte etwa das Gerücht die Runde gemacht, die Polizei hätte im nahegelegenen Camp der Flüchtlinge im Sigmund-Freud-Park Ausweiskontrollen durchgeführt. Bei der Polizei wusste man auf Nachfrage nichts davon. Die Aktivisten selbst waren schließlich der Aufforderung der Caritas, die Kirche zu verlassen, nachgekommen.

Landau: "Chaoten wollen Not instrumentalisieren"

Scharfe Worte in Richtung der Organisatoren der Besetzung fand auch Caritas-Direktor Michael Landau: "Ein Drittel von ihnen ist wirklich in Not; ein Drittel will jenen in Not ernsthaft helfen, aber bei einem Drittel handelt es sich um reine Aktivisten, um Chaoten, die die Not dieser Menschen instrumentalisieren wollen", sagte er in der "Presse" (Sonntag-Ausgabe). In der Hilfsorganisation hofft man nach wie vor "auf eine friedliche Weihnachtslösung im Sinne der Menschen".

Auch der Pfarrgemeinderat der Votivkirche übt scharfe Kritik an jenen Gruppen, welche die Besetzung in der Votivkirche organisieren. In einem Kommunique nach einer außerordentlichen Sitzung Sonntagnachmittag sicherte man zwar den Flüchtlingen jegliche Unterstützung zu, forderte aber den Abzug der politischen Aktivisten, berichtete die "Kathpress". Diese hätten die Menschen, die derzeit in der Kirche Schutz suchten, instrumentalisiert.

Kirche sei nicht der richtige Ansprechpartner

"Unsere Forderung ist, den Asylanten zu helfen und die Aktivisten, die die Angelegenheit instrumentalisiert haben, aus der Kirche und dem Umfeld der Asylanten zu entfernen", heißt es in der Erklärung des Pfarrgemeinderats. Man wolle "im Sinne der christlichen Nächstenliebe den Asylwerbern jede Hilfe zukommen lassen", die möglich sei.

An den rechtlichen Rahmenbedingungen könne man aber nichts ändern, hier sei die Politik zuständig, heißt es weiter in dem Kommunique. Die Kirche sei diesbezüglich nicht der richtige Ansprechpartner, "wir dienen nur zur Erregung der öffentlichen Aufmerksamkeit". (APA, 23.12.2012)

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    Am Freitag trafen sich Caritas-Direktor Michael Landau und Bischofsvikar Dariusz Schutzki (Mitte) zum Runden Tisch mit Flüchtlingsvertretern.

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