Pointner mischt die Tournee-Karten durch

  • Mit dem Rucksack zur Tournee: Severin Freund.
    foto: dapd/lovetsky

    Mit dem Rucksack zur Tournee: Severin Freund.

ÖSV-Cheftrainer sieht vor allem die deutschen Springer in der Favoritenrolle und warnt vor Überheblichkeit

Oberstdorf - Bei der 61. Vierschanzen-Tournee zeichnet sich gemessen an den bisherigen Saisonergebnissen ein Duell zwischen den Skispringern aus Österreich und Deutschland ab. Athleten dieser zwei Länder holten 16 von 21 Weltcup-Podestplätzen, fünf Einzelsiege gingen an den ÖSV, zwei an den DSV. ÖSV-Cheftrainer Alexander Pointner wies denn auch den Deutschen eine Favoritenrolle zu, warnte aber davor, den ersten Saisonhöhepunkt auf einen Zweikampf dieser zwei Teams zu reduzieren.

Pointner ist froh, dass das DSV-Team wieder an der Spitze mitmischt. "Vor der deutsch-österreichischen Tournee kann es nichts Besseres geben, als dass die Rivalität wieder auflebt", erklärte der Tiroler, der seine neunte Tournee als Chefcoach absolviert. Die von seinem früheren Zimmerkollegen Werner Schuster trainierten Rivalen müssten die Favoritenrolle ebenfalls annehmen.

"Schlussendlich geht's ums Gewinnen"

"Sie fahren genauso als Favoriten zur Tournee wie wir, und da geht es schlussendlich ums Gewinnen", erklärte der 41-jährige Tiroler. Da brauche man nicht um den heißen Brei herumzureden, dem müsse man sich stellen. "Man kann sagen was man will, wenn man nicht gewinnt, wird man als Zweiter oder Dritter in den Augen der Öffentlichkeit schon als erster Verlierer dastehen."

Doch neben den Deutschen dürfe man mehrere andere Springer nicht vergessen. "Man darf nie so überheblich sein und die Favoritenrolle klein halten", betonte Pointner. Routiniers wie Simon Ammann müsse man immer auf der Rechnung haben, auch wenn es für den Vierfach-Olympiasieger zuletzt in Engelberg gar nicht gut gelaufen sei. Dazu kommen nach Worten Poitners noch die Norweger mit Weltcupsieger Anders Bardal, Japaner, Slowenen und der Pole Kamil Stoch. 

Freund mit dem Rucksack

Erstmals seit dem Grand-Slam von Sven Hannawald vor elf Jahren darf sich also ein deutscher Skispringer wieder Hoffnungen auf den Gesamtsieg bei der Vierschanzentournee machen. Severin Freund gilt als Mitfavorit. Unter Druck setzt sich der 24-Jährige jedoch nicht.

Nach zwei Saisonsiegen fährt der Weltcup-Gesamtzweite als Mitfavorit nach Oberstdorf, wo am kommenden Samstag vor wohl vollem Haus das Auftaktspringen der 61. Tournee-Auflage steigt. Die Euphorie der deutschen Fans ist nach vielen Jahren der sportlichen Dürre riesengroß, der Rucksack für Freund entsprechend schwer. "Es ist natürlich eine große Ehre, wenn man als Tournee-Mitfavorit genannt wird. Ich persönlich tue mich aber schwer mit der Formulierung Favorit, weil sich das auf einen Springer zuspitzen würde. Es gibt einen Kreis von Anwärtern", erklärte Freund.

In ungewohnter Rolle

DSV-Trainer Werner Schuster sieht das ähnlich. "Die dominierenden Springer der Saison sind Andreas Kofler, Gregor Schlierenzauer und Severin Freund", nannte der 43-jährige Vorarlberger die drei heißesten Anwärter auf den Gesamtsieg, zu denen er auch den Norweger Anders Bardal oder den Polen Kamil Stoch zählt. Während die beiden ÖSV-Adler Kofler (2010) und Schlierenzauer (Titelverteidiger) die Tournee bereits gewonnen haben, muss Freund erst lernen, mit der neuen Rolle umzugehen.

Er tut das in seiner gewohnt zurückhaltenden Art, ohne dabei tiefzustapeln. Das würde ihm angesichts seiner Leistungen in diesem Winter ohnehin keiner abnehmen. "Im Moment bin ich in der glücklichen Lage, dass ich in einer guten Form und vorne dabei bin. Deswegen freue ich mich auf die Tournee. Es wäre schön, dort erst einmal einen Podestplatz zu machen", formulierte der Bayer sein Ziel und wurde dann konkreter: "In Willingen ist mir schon mal ein Heimsieg geglückt, das war ein großartiges Gefühl. So etwas wäre bei der Tournee mindestens genauso schön." (APA/red 23.12.2012)

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