Flüchtlinge nahmen Notquartier vorerst nicht in Anspruch

Derzeit kaum Camper in Votivkirche und Park - Aktivisten fühlen sich "unter Druck gesetzt"

Wien - Das von der Caritas eingerichtete Notquartier für die Flüchtlinge in der Votivkirche sowie im nahegelegenen Park ist bis Samstagmittag nicht in Anspruch genommen worden. Laut einem Sprecher der Wiener Caritas würden sich an beiden Orten derzeit kaum Menschen befinden. Demnach ist noch unklar, ob die Aktivisten die Angebote, auf die man sich tags zuvor bei einem Runden Tisch geeinigt hatte, überhaupt annehmen werden. Die Flüchtlinge selbst fühlen sich laut einer Aussendung nun "unter Druck gesetzt".

In der Votivkirche sowie im nahegelegenen Sigmund-Freud-Park hätten sich am Samstag jeweils maximal zwei der sogenannten Asyl-Camper befunden, hieß es vonseiten der Caritas zur APA. "Es ist praktisch niemand da." Noch Freitagabend habe es intensive Gespräche mit Vertretern der Aktivisten gegeben, ein beheiztes Notquartier der Caritas für maximal 40 Personen sei bereitgestellt. Die organisierte Transportmöglichkeit dorthin sei bisher auch noch nicht angenommen worden.

Liste erstellt

"Wir werden niemanden zwingen, Hilfe anzunehmen", heißt es vonseiten der Caritas. Man müsse die Entscheidung der Menschen akzeptieren. Das Angebot sei jedenfalls weiterhin aufrecht. Auch jenes des Innenministeriums, jeden einzelnen Fall nochmals zu überprüfen. Noch im Laufe des Samstags solle eine Liste der Flüchtlinge erstellt und von der Caritas an das Ressort weitergeleitet werden.

"Die Flüchtlinge stimmen zwar der vom Innenministerium im Zuge des Gesprächs angekündigten Einzelfallprüfung ihrer Asylverfahren zu", hieß es vonseiten der Camper, man bitte jedoch um "Bedenkzeit". Diskussionen unter den Flüchtlingen über weitere Verhandlungen würden sich aufgrund ihrer "existentiell prekären Lage und der nach wie vor unbeheizten Votivkirche" schwierig gestalten.

Hoffnung auf "Weihnachtswunder"

Indes meldete sich auch SPÖ-Justizsprecher Hannes Jarolim zur Causa. Er hofft in der Causa auf ein "Weihnachtswunder" und einen "anderen Umgangston mit Flüchtlingen in Österreich". Kritik übte Jarolim via Aussendung am Leiter der Erstaufnahmestelle Ost, Traiskirchen, Franz Schabhüttl, für dessen "menschenverachtenden Aussagen".

Die Menschenrechtssprecherin der Grünen, Alev Korun, begrüßte wiederum die Abhaltung des Runden Tisches am Freitag. Damit sei nach drei Wochen Protest der Betroffenen ein erster positiver Schritt getan. Ob man die Probleme lösen wird, hänge nun von der Bereitschaft des Innen- und Sozialministeriums ab. (APA, 22.12.2012)

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