Im Schneestaub um die Kurve

21. Dezember 2012, 20:59
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Pferdeschlittenrennen haben in Österreich Tradition - Saisonstart am 26. Dezember in St. Johann in Tirol

Wien - Pferderennen auf Gras oder auf Sand, so ist man es gewohnt. Aber Rennen auf Schnee - so etwas gibt es nur in den Alpen. Berühmt sind die Schweizer Galopprennen auf den zugefrorenen Seen in St. Moritz und in Arosa. Österreich hat diesbezüglich noch mehr zu bieten. Nicht an den üblichen Plätzen Krieau oder Ebreichsdorf. Aber in Tirol, Salzburg, der Steiermark oder Oberösterreich haben Pferderennen auf Schnee eine lange Tradition.

Ende Dezember wird in Kaprun gefahren. Voraussetzung: Schnee und eine halbwegs ebene Wiese, auf der man ein Pistenoval mit mindestens 600 Metern Umfang anlegen kann. "Der Schnee ist das Wichtigste, weil die Bauern eine grüne Wiese nicht für solche Veranstaltungen hergeben", erzählt Annemarie Duregger, seit 45 Jahren im Trabrennverein Wörgl engagiert. Für die Präparierung der Pisten und das Ausschildern der Bahn ist in Wörgl ein Team von rund 15 Mitgliedern im Einsatz. Dazu kommen die Suche nach Sponsoren und das Erstellen des Programms. Meist setzt sich das aus Trabrennen mit Schlitten oder mit Reitern sowie aus Noriker-und Haflinger-Rennen im Trab zusammen. Auf Skijöring - eine Sportart, bei der sich Sportler auf Skiern stehend von Pferden ziehen lassen - wird verzichtet, weil sie sich für Aktive und Zuschauer als zu gefährlich erwiesen hat. Stattdessen wurden die "Mini-Traber" ins Programm gekommen, also Rennen mit Ponys, die von Jugendlichen gesteuert werden.

Mario Zanderigo (49) aus Saalfelden, heuer im Spitzenfeld der österreichischen Trabrennfahrer, hat seine Karriere in Schlittenrennen begonnen. "Ich bin schon als Bub vor fast 40 Jahren mit Ponys Rennen gefahren. Dann ging es mit Trabern weiter. Damals brauchte man für diese Rennen noch gar keine Lizenz." Die erhielt er dann doch und er wurde Profi. Im Winter aber gehören Schlitten- oder Gassl-Fahren, wie sie früher hießen, noch immer zu seinen Fixpunkten.

"Da braucht man die richtigen Pferde dafür. Sie müssen trabsicher sein, denn die Schneebahnen sind trotz guter Präparierung nicht so eben wie Sandbahnen. Auf die Schnelligkeit der Pferde kommt es nicht so sehr an, sie müssen aber mit den engeren Kurven gut zurecht kommen." Zahlreiche Kunden des Trainers Zanderigo haben bei den Schlittenrennen erste Kontakte zum Sport geknüpft und haben sich dann selbst Rennpferde zugelegt.

Am 26. Dezember findet der traditionelle Stefani-Renntag in St. Johann in Tirol statt. Dort werden seit 1880 - damals noch mit Noriker-Pferden - Rennen gefahren. Die Schlitten sind moderner geworden, die Pferde schneller, die Attraktivität für das Publikum, Einheimische wie Touristen, ist gestiegen. Alois Wegscheider, Chef des Tiroler Trabrennverbandes, sieht den Grund dafür in der Nähe, in der die Zuschauer die Gespanne erleben können. "Wenn die bei kaltem Wetter so dampfend im Schneestaub aus den Kurven kommen, das ist schon ein unglaublich schönes Bild." (Nikolaus Dolenz, DER STANDARD, 22./23.12.2012)

  • Profi-Trabrennfahrer Mario Zanderigo (vorne) hat seine Karriere schon als Bub mit Schlittenrennen begonnen.
    foto: tiroler trabrennverband

    Profi-Trabrennfahrer Mario Zanderigo (vorne) hat seine Karriere schon als Bub mit Schlittenrennen begonnen.

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