Weihnachten überleben

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Durchladen, anlegen, zielen und Bang, Bang, "Du bist tot" (Sat.1). Das Weihnachts-Fernsehprogramm beginnt dieses Jahr schon am Samstag, und die Frage zum ARD-Mittag "Wie überleben wir Weihnachten?" mit oder trotz Ben Affleck hat eine programmatische Berechtigung. Denn an den kommenden Feiertagen liegen 55 Stunden Horror, Action und Crime auf den Gabentischen der Sender.

Die evangelische Kirche kritisiert das. Also keine Aggressionsabfuhr mit "Santa's Slay" (ProSieben, 23. 12.), "Tödliche Weihnachten" (RTL, 24. 12.) und "Black Christmas"(RTL 2, 25. 12.) mehr. Sondern nur noch Heiligabend mit "Carmen Nebel" (ZDF) und "Weihnachten auf Gut Aiderbichl"(ORF 2) - oder abschalten? Das ist schon richtig. Aber hat so eine Nebel- oder Helene-Fischer-Show (ARD, 25. 12.) nicht auch etwas zutiefst Abgründiges, das danach mit "Shutter Island" überbrückt werden muss? Vielleicht ist "Das Schweigen der Lämmer"(Kabel eins, 24. 12.) als kathartischer Wh.-Akt in Reaktion auf den Christkindlrausch ja gesund.

Die wahre Brutalität spielen aber die Vormittags- und Nachmittagsprogramme durch, in denen Kinder und Jugendliche mit geballter Ladung niedergekitscht und zugleich auf Konsumideologie getrimmt werden. Tanzfilme wie "Make It Happen" und "Step Up" sind nicht weniger gewalthaft als "Transformers" (alle ProSieben), nur auf subtilere Art. Das braucht Eigeninitiative: die Kinder nicht allein vor Glotze oder Computer absacken lassen, sondern mit ihnen spielen. Denn in allen Eltern stecken echte Transformer. Und die Kids mögen's meist ohnehin lieber live.

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