yesss! wird A1: Falsch verbunden

Kommentar |

Leiter der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde entpuppte sich als Ankündigungsmeister

Schwer zu sagen, wie oft Theodor Thanner im vergangenen Jahr die Übernahme von Orange durch Hutchison ("3") und den Weiterverkauf der Diskontmarke "Yesss!" torpedierte. Der Leiter der österreichischen Bundeswettbewerbsbehörde warf sich für die Konsumenten in die Schlacht und warnte vor steigenden Preisen. Doch Thanner entpuppte sich - wieder einmal - als Ankündigungsmeister, dessen Worten keine Taten folgen. Das Rückzugsgefecht hatte sich bereits nach der Freigabe des europäischen Teils des Verfahrens abgezeichnet. Letzte Versuche, wenigstens das Internet-Servicepauschale der Anbieter abzuwürgen und damit einen gesichtswahrenden Ausstieg zu erreichen, scheiterten kläglich.

So darf Telekom-Chef Hannes Ametsreiter über den europaweit einzigartigen Ausbau der Marktführerschaft frohlocken. Doch möglicherweise lacht A1 zu früh, denn der Zukauf erfolgt zur Unzeit. Die finanziell arg strapazierte Telekom kann sich die Übernahme eigentlich nicht leisten. Sinn macht das Geschäft nur, wenn im Gleichklang die Handytarife steigen. In dem Fall würde genau Thanners Befürchtung bestätigt, dass die Transaktion zulasten der Konsumenten geht. Gegen diese drohende Entwicklung müsste die Behörde alle Rechtsmittel einlegen, auch wenn die Aussichten (aus ihrer Sicht) nicht allzu groß sind. So setzt Thanner nicht nur das Funktionieren des Marktes, sondern auch die Reputation der Behörde aufs Spiel. (Andreas Schnauder, DER STANDARD, 22./23.12.2012)

Share if you care