Britischen Banken droht ein enges Korsett

Eine Londoner Kommission hat vor dem unethischen Vorgehen der Finanzbranche gewarnt und fordert härtere Bestimmungen

In der Londoner City mehren sich Stimmen, die einer härteren Regulierung des Sektors das Wort reden. Am Freitag stellte in London eine Kommission beider Parlamentskammern ihren Bericht vor. Die Experten, darunter frühere City-Trader sowie der höchste anglikanische Geistliche, wollen die ohnehin geplante Abgrenzung von normalem Bankengeschäft und risikoreicher Investmentbank durch einen "Elektrozaun" ergänzen. "Wir müssen die Branche daran hindern, die Regeln zu umgehen", fordert Kommissionsleiter Andrew Tyrie.

Tyries Gremium setzt sich gleichermaßen aus Abgeordneten des Unterhauses sowie Angehörigen des Oberhauses zusammen. Die Regierung hatte den Ausschuss im Juli am Höhepunkt des Libor-Skandals eingerichtet. In den Zeugenanhörungen erwies sich Bischof Justin Welby, ein früherer Öl-Trader, als emsiger Fragensteller. Welby amtiert vom neuen Jahr an als Erzbischof von Canterbury und damit Oberhaupt der anglikanischen Staatskirche.

Schaden für den Finanzplatz

Die Libor-Affäre hat Londons Ruf als Finanzplatz erheblich beschädigt. Mehr als fünf Jahre nach Beginn des globalen Finanz-Crash schlägt sich zudem die Empörung der Bevölkerung immer stärker auch in offiziellen Äußerungen nieder. Noch im Vorjahr hatten Premier David Cameron und sein Finanzminister George Osborne (beide Konservative) die Vorschläge einer unabhängigen Bankenkommission unter Leitung des Ökonomie-Professors und früheren Zentralbankers John Vickers zurückhaltend aufgenommen.

Dem Gesetzentwurf der Koalitionsregierung zufolge müssen die Londoner Großbanken zwar eine Trennung zwischen systemrelevanten Bereichen sowie dem riskanten Investmentbanking einführen und zudem ihre Kernkapitalquote von zehn Prozent erhöhen. Doch haben die Institute bis 2019 reichlich Zeit für die Reformen oder deren Verwässerung durch die Lobby der City, auf deren Parteispenden besonders die Tories angewiesen sind.

Genau auf die befürchtete Aufweichung der Regularien zielen nun Tyrie (ebenfalls Konservative) sowie seine Mitstreiter aus allen Fraktionen.

Das neue Gesetz soll die geplante Trennung verschärfen: Wenn die Banken dem Willen des Gesetzgebers nicht zügig Folge leisten, hätte der Finanzminister die Handhabe, ein saumseliges Institut zu zerschlagen.(Sebastian Borger, DER STANDARD; 22./23.12.2012)

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3 Postings
Ziemlich scheinheilig

Englische Aufseher und Gesetzgeber, die die Umgehungskonstruktionen der Investmentbanker jahrzehntelang als innovative Finanzprodukte durchgewunken haben, spielen sich als Moralapostel auf.
Dass gerade Briten jetzt auf eine Trennbankensystem bestehen, während die in der Londoner City beheimateten Töchter von US Investmentbanken dazu benutzt wurden um das US Trennsystem zu umgehen ist ein Treppenwitz der Geschichte.
Und, ob der Vickers Report nicht so maßgeschneidert ist, das die britischen Banken besser damit leben können, als der Rest Europas müsste noch genauer untersucht werden.
Ob sich da Moralapostel nicht wieder vor einen Karren spannen lassen???

wenn man´s nicht besser wüßte,,,

Das Bild zum Artikel:

"Barclay´s Piss" ?

Geht nie durch

Das wird fix von irgendwelchen bestochenen Parlamentsmitgliedern so lange hinausgezögert bis die Wirtschaft wieder halbwegs läuft und dann fragt niemand mehr nach den Banken, weil nach den Banken hat man erst gefragt, als man sie mit Steuergeld retten musste. Und im Übrigen lebt London ja von der Finanzbranche, ein Großteil des BIP kommt ja aus dem Finanzsektor...
Aber der nächste Crash kommt bestimmt, die Frage ist nur ob GB dann noch in der EU ist, oder schon zu den USA gehört ;>

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