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Drei Wienerberger- Brunnen nach Entwürfen von Otto Prutscher.
vergrößern 800x800Eine Beteiligung von Michael Powolny ist nicht mehr zweifelsfrei attestierbar.

Gesichert sind hingegen unterschiedliche Ausfuhrbestimmungen.
Es gibt Momente im Leben von Kunstaficionados, da muss man sich die Kleider vom Leib reißen. Nicht aus purer Ekstase, sondern weil das Adams- bzw. Evakostüm weniger eine Empfehlung als ein Gebot der städtischen Bäderordnung ist. Im konkreten Fall etwa für die Damensauna des frisch renovierten Amalienbads: Ein Oktogon mit einem Mosaik-verzierten Tauchbecken und Majolika-verkleideten Säulen mit Palmettendekor, die das Glasdach samt den noch ursprünglichen sternförmigen Farbglaseinlagen tragen. Für viele ist es, nicht nur der vollständigen Erhaltung im Original wegen, der schönste Raum des zwischen 1923 und 1926 erbauten "Tempels der Badelust".
Für die Ausführung der gesamten prachtvollen Majolikaausstattung hatte die "Wienerberger Ziegelfabriks- u. Baugesellschaft" verantwortlich gezeichnet, die ehemals auch den Bereich der Gebrauchs-, Zier- und Baukeramik produzierend bediente.
Kunstkeramik anno 1926
Davon zeugte etwa auch der Keramikschmuck eines anderen "Badetempels", des legendären und von 1913 bis 1917 erbauten Dianabads (Abriss 1965). Dessen künstlerische Innengestaltung oblag Otto Prutscher, der für dieses Projekt mit anderen Designern kooperierte, etwa mit Michael Powolny. Letzterer entwarf beispielsweise ein Quartett von Jahreszeiten-Putti, die Besucher in der Vorbadhalle des Dampfbades empfingen.
Diese Modelle wurden von Wienerberger fix in das Programm aufgenommen und fortan in Serie produziert, wie ein 1926 publizierte Katalog zu Kunstkeramiken belegt, der sich im Mak-Archiv erhalten hat. In diesem ist eine Vielzahl von Objekten mit der jeweiligen "Fabriksnummer", jedoch ohne Entwerfer-Angaben abgebildet. Das Spektrum umfasste neben Figuren auch Zierkacheln und Reliefs, Vasen, Blumenaufsätze oder -kübel und Brunnen.
Informationen zu den jeweiligen Designern liefert ein separates und lediglich lose beigelegtes "Preisblatt". Für die Fachwelt, die über Jahre auf andere Quellen oder stilistische Zuschreibungen angewiesen war, ist dieses Dokument jedoch von großem Interesse. Denn bei Wienerberger selbst haben sich keinerlei Archivalien erhalten, die darüber oder über den Umfang der Serienproduktion Auskunft geben könnten.
Elisabeth Frottier, die 1990 (Böhlau-Verlag) das Werkverzeichnis zu Michael Powolny veröffentlichte, geht davon aus, dass Powolny einige der Prutscher-Entwürfe modellierte. Wie eng die Zusammenarbeit der beiden Künstler tatsächlich war, lässt sich jedoch bis heute nicht zweifelsfrei feststellen.
Das Preisblatt mit den Entwerfer-Angaben, bestätigt Frottier, habe ihr damals nicht als Quellenmaterial zur Verfügung gestanden. Das Beispiel eines Wandbrunnens, den der oberösterreichische Kunsthändler Walter Freller unlängst in eine Privatsammlung vermittelte, verdeutlicht den Bedarf einer Aktualisierung der Forschungslage: Dabei handelt es sich um die bislang unbekannte Kombination zweier Wienerberger-Produkte, konkret der Modelle Nr. 4001 (Brunnen) und Nr. 4007 (Kachel).
Gemäß Frottier sei der von Prutscher entworfene Brunnen von Powolny modelliert worden (WV 186) und die Kachel (WV 189, dort "Wandbrunnen") eine Powolny-Kreation. In der Wienerberger-Liste wird wiederum für beide Modelle Prutscher als Entwerfer genannt und für die Kachel ausdrücklich auf eine Ausführung des Bildhauers Josef Pfaffenbichler verwiesen. Warum derlei von Relevanz ist?
Nun, das Bundesdenkmalamt (Bda) leitet von Künstler-Kooperationen auch die Bedeutung eines Werkes als schützenswertes Kulturgut ab, wie zwei andere Fälle belegen. Im November stand bei einer Kinsky-Auktion ein anderer Brunnen (15.000-30.000 Euro) im Angebot, für den eine Ausfuhrsperre avisiert wurde: Weil es sich um eines der selten erhaltenen Beispiele der Prutscher-Powolny-Zusammenarbeit handle, begründet Ulrike Emberger auf Anfrage. In der Wienerberger-Liste ist das Modell 4061 übrigens als Prutscher-Entwurf angeführt.
Serielles Unikat
Dass es sich dabei um ein ursprünglich seriell hergestelltes Objekt handle, sei unerheblich, erklärt die stellvertretende Leiterin der Ausfuhrabteilung, man kenne schließlich keine andere Ausführung dieses Modells. Dies sei ihr auch von Powolny-Expertin Frottier bestätigt worden, und man sei also gemeinsam zu dem Schluss gelangt, dass es sich quasi um ein Unikat handle.
Die exakt gleiche Argumentation bekam Wolfgang Karolinsky im November 2005 zu hören: Damals wollte er einen Jahre zuvor erworbenen Brunnen (Nr. 4063, "Prof. Otto Prutscher") im Doro-theum versteigern lassen, das Unterfangen sei eher am Ausfuhrverbot als an der angesetzten Taxe (50. 000-60.000) gescheitert.
An dem seiner Meinung nach "schönsten Wienerberger-Brunnen überhaupt" erfreut er sich noch heute. Sollte sich jemand ernsthaft interessieren, so hat das seinen Preis: 107.100 Euro oder 141.865 Dollar, Transportkosten freilich nicht inkludiert. Und ja, er habe zwischenzeitlich eine Ausfuhrgenehmigung vorliegen. Er habe das als kalte Enteignung seiner Pensionsvorsorge befunden. " Rücksichtigungswürdige Gründe", nennt man das im BDA-Jargon. Fazit: In manchen Fällen bleibt die Bewilligung - einerlei ob Prutscher oder Powolny-Unikat - dann offenbar doch eher eine Frage der richtigen Argumentation. (Olga Kronsteiner, Album, DER STANDARD, 22./23.12.2012)
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Wenn der Brunnen "nur" von Prutschter ist, reicht das auch schon dafür, ihn nicht ans Ausland zu verscherbeln.
Er war immerhin Hoffmann-Schüler, Mitarbeiter der Wiener Werkstätte und Professor an der Angewandten etc.:
http://de.wikipedia.org/wiki/Otto_Prutscher
Insgesamt ein eher oberflächlicher Artikel, bei dem man sich fragt: cui bono?
zu Kunstkeramik und Baukeramik gibt es nämlich praktisch keine Literatur oder Dokumentation. Das wurde langezeit als Kitsch oder sogar als Nazikunst abgestempelt. Vielleicht ändert sich das einmal, wenn jemand Keramik übermalt oder mit Blut beschmiert. Dann wird es wertvoll und Kunst.
man müsste in Dissertationen etc.recherchieren und nicht bloss Bücher überfliegen. Ist aber zu mühsam und wird der/dem AutorIn nie bezahlt:
Daher besser kein Oberflächen-Artikel, der Aufregung konstruiert,die bei näherem Hinsehen schnell verpufft.
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