Kaiserliche Traummaße

21. Dezember 2012, 18:55
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Am 24. Dezember jährt sich ihr Geburtstag zum 175. Mal: Abseits des Jubiläums wächst der Bestand im Sisi-Museum

Geburtstag am Heiligen Abend, dieses geschenkstechnisch eher ungünstige Schicksal teilt(e) Elisabeth Amalia Eugenia, Tochter des Herzogspaares Max und Ludovika in Bayern, mit vielen anderen und bis heute. Dazu stand ihre Geburt am 24. Dezember 1837 um exakt 22.30 Uhr unter einem besondern Stern. Der Überlieferung nach wurde sie nämlich mit einem Zähnchen geboren. Wenn nicht sogar mit zwei, erzählt Michael Wohlfart und beruft sich dabei auf ein von der späteren Kaiserin von Österreich verfasstes Gedicht.

Shoppen für Sisi

Elisabeth nennt der Kurator der Kaiserappartements sie kategorisch und respektvoll. Er kennt ihre Körpermaße auswendig, "91-52-88", sprudelt es spontan aus ihm heraus, und ihre Vorliebe für Pariser Seidenstrümpfe, Brüsseler Spitze und aktueller für eine Kreation aus weiß-blau-lila gemusterter Seide. Denn Shoppen auf Rechnung der Schloss Schönbrunn Kultur- und Betriebsges.m.b.H. sei vor einiger Zeit zur Männersache avanciert, wie Olivia Lichtscheidl bestätigt. Ihr Kollege habe bei Auktionen einfach das bessere Händchen, ist die Leiterin des Sisi-Museums überzeugt.

Erst im Oktober stellte dies Wohlfart wieder einmal unter Beweis: Im Auktionssaal bei Hermann Historica (München) wahrte er trotz massiver Bieterkonkurrenz die Contenance und setzte sich für die auf 7500 Euro taxierte Garderobenschachtel aus dem Besitz der Kaise- rin schließlich bei 32.000 Euro durch.

Von der kulturhistorischen Bedeutung sei es ein wahrer Jackpot gewesen, vor allem wegen des Sommerkostüms oder auch ob der zahlreichen Briefe und der edlen Wäsche.

Hat Kleidung im Vergleich zu anderen Memorabilien solche Bedeutung? Ja, bestätigen Wohlfart und Lichtscheidl unisono, darauf würde in den Besucherfragebögen des Sisi-Museums immer wieder hingewiesen. Auch die 2004 im Dorotheum offerierte Reitstrumpfhose (2880 Euro), 1898 bei einem Hoflieferanten bestellt, jedoch aufgrund der Ermordung der Kaiserin nicht mehr ausgeliefert, habe man erworben. Nur handle es sich dabei tatsächlich um eine Gymnastikhose, da Elisabeth schon Jahre zuvor mit dem Reiten aufgehört hatte.

Wiewohl man über ein jährliches Ankaufsbudget verfügt - die Höhe möchte man nicht beziffern -, wird längst nicht alles gekauft. Auf ein vor kurzem bei Lempertz angebotenes Reliquiar, das Papst Pius IX. Weihnachten 1869 als Geschenk überreichen ließ, verzichtete man bewusst. Nicht nur ob des hohen Limits von 120.000 Euro, sondern weil es zu wenig intimen Bezug zum Leben der Kaiserin gehabt hätte. Ein Milchzähnchen, das 2006 über den Ankauf der Sammlung Klauda (750.000 Euro) in den Bestand kam, sei da schon um einiges authentischer. (kron, Album, DER STANDARD, 22./23.12.2012)

  • Die jüngst für 32.000 Euro erworbene kaiserliche Garderobenschachtel.
    foto: hermann historica

    Die jüngst für 32.000 Euro erworbene kaiserliche Garderobenschachtel.

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