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"Einmal werdet ihr wach ..."
Alle Jahre wieder kommen zur Weihnachtszeit Anthologien mit mehr oder weniger guten kriminellen Weihnachtsgeschichten auf den Markt. Eine Art Gegengift zur allgemeinen Gefühligkeit scheint also Chancen bei anders gepolten Lesern zu haben. Meistens sind solche Bände irgendwie zusammengestoppelt und haben auf dem Cover den Namen des prominentesten Autors quasi als Zugpferd vermerkt.
Das ist auch bei den vorliegenden Büchern der Fall, doch handelt es sich hier um ambitionierte Unternehmen, die viel Unterhaltsames bieten.
Die Herausgeberin Friederike Ney hat in Tatort Tannenbaum allerlei ziemlich missglückte Weihnachtsabende versammelt, die bekannte Ermittler aus Bestseller-Krimis durchleiden müssen, und dabei den Fokus vorwiegend auf skandinavische und britische Autoren gelegt. Am Tiefpunkt des Jahres ereignen sich die größten Katastrophen. Ein langjähriger Ehepartner sucht das Weite oder versucht es zumindest, die Verwandtschaft nervt und neigt zu Psychodramen mit einschneidenden Folgen, Patchworkfamilien bergen Explosivstoff.
Einsam bleibende Ermittler sind deshalb aber auch nicht glücklicher. Das Desaster, das der sexistische Sebastian Bergmann von Hjorth & Rosenfeldt erlebt, ist bitter, aber verdient, Simon Beckett ist leicht pathologisch unterwegs, schlittert dann aber in ein sentimentales Happy End. Überhaupt sind so mache hartgesottene Autoren recht milde gestimmt, wenn es um den Heiligen Abend geht. Ake Edwardson verrät außerdem ein wahrscheinlich letales schwedisches Rezept für ein weihnachtliches Gesöff, das sich "Glögg" nennt und aus Bier, Branntwein und Cognac besteht.
Im kriminellen Adventkalender Totenstille Nacht, den der famose Jan Costin Wagner herausgegeben hat, sind die Beträge etwas bösartiger. Wagner selbst stellt sich mit einer Geschichte ein; seine Auswahl ist auf Deutschland beschränkt - immerhin ist auch ein "Exote" dabei, nämlich der Österreicher Kurt Palm. Zum zweiten Mal begegnen wir hier Friedrich Anis Verschwundenen-Sucher Tabor Süden. Pars pro Toto: herrlich der Weihnachtsmann-Hasser von Klaus-Peter Wolf.
Geografisch am umtriebigsten gibt sich Einmal werdet ihr noch wach ... Von Stockholms Migrantenviertel über den norwegischen Wald bis zu einer grotesken Geschichte über das Horn eines Nashorns vom Südafrikaner Mike Nicol spannt sich der Bogen der mörderischen bis surrealen Weihnachtsgeschichten. Auch hier gibt es im Anhang einen kurzen biografischen Absatz über jeden Mittäter, und es sind auch zwei türkische Autoren dabei.
Schade, dass die österreichischen Krimischreiber "außen vor" geblieben sind. Schließlich hätten auch wir gewiss eine Menge abgefeimter Ideen zu bieten. Es gilt auf jeden Fall: Die Geschichten eignen sich gut für kurze Fluchten aus dem Weihnachtstrubel. (Ingeborg Sperl, Album, DER STANDARD, 22./23.12.2012)
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Oder will man das dort einfach nicht wissen? Denn die meisten österreichischen Autoren sind deutlich kreativer und besser als ihre deutschen Kollegen, die oft recht mühsam daherkommen (langweilig ausufernd mit müden Plots oder plump-primitiv auf "Erfolgsthriller" amerikanischer Machart gepimpt).
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