Die Adressen des Jahres

Ansichtssache | Martin Putschögl, 30. Dezember 2012, 17:00
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foto: apa/epa/okten

3 Hans Crescent, London SW1X 0LN (GB)

Länger dauern kann es auch hier noch: Auf Top 3b dieses im viktorianischen Stil erbauten Londoner Backsteinhauses mit weißem Stuck residiert nämlich Julian Assange, der Gründer von "Wikileaks", mehr oder weniger unfreiwillig. Assange flüchtete in die hier gelegene ecuadorianische Botschaft vor den britischen Behörden, die ihn an Schweden ausliefern wollen. Assange befürchtet wiederum, dass er von dort dann auch an die US-amerikanische Justiz "weitergereicht" wird.

Ein halbes Jahr ist er nun schon dort und hält sich hauptsächlich in einem 50 m² großen Raum auf. Zuletzt wurden Gerüchte über einen angeschlagenen Gesundheitszustand des Australiers publik.

Könnte Assange das schmucke Wohngebäude verlassen, wäre er in wenigen Schritten im weltberühmten "Harrod's". Er kann aber nicht, weil - siehe oben. Am 20. Dezember trat Assange zuletzt an die Öffentlichkeit, dabei nannte er die Bleibe auf Top 3b in der Londoner Hans-Crescent-Straße "Heimat, Büro und Fluchtpunkt".

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Mixed-Use-Objekt

Stimmt schon, woanders würde man stolz sein, eine multifunktionelles Gebäude am Wasser, mit optimaler Verkehrsanbindung, der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen zu können.
"Kompetente" Stadtpolitiker wie z.B. C.Chorherr (Ökonom und Special Agent der Grünen) und N.Scheed (Beziksvorsteher Donaustadt) sind stolz und freuen sich, dass ein ca. 12 Jahre altes Gebäude, das um ca. 30 Mio gebaut wurde niedergerissen wird und dafür was "g'scheites" hingebaut wird (O-Ton).
Die Intelligenzleistung manifestiert sich darin, dass man 500 Wohnungen mit max 250 Parkplätzen schaffen will. Weiters wird ein Drittel der Wohnungen direkt vom Verkehr der Reichsbrücke beschallt und ein Viertel hat den Seidler Tower 30m vor den Fenstern.
Echt g'scheit.

Harry Seidler

Bei der Eröffnung des Hochhauses wurde Harry Seidler noch großartig von der Stadt und ihren Politikern geehrt. Kaum kommen ein paar Investoren mit großen Versprechungen, scheint er total in die Unwichtigkeit verbannt. Ein sehr eigenartiges Bild unserer nachhaltigen Stadtplanung.

Kaisermühlen - Wagramerstrasse 2

Das ca. 10 J. alte Gebäude, soll nun wieder abgerissen werden und einem Hochhaus mit Luxuswohnungen "Danube Flats" Platz machen. Die derzeitige Flächenwidmung ist Bauklasse 5 (26 m Höhe), mit Widmung Gewerbe.
Nach Verkauf des Gebäudes wurde ein privater Architekten-Wettbewerb ausgeschrieben, bei dem man von einer Änderung der Flächenwidmung (Erhöhung auf 160 m und Wohnungen) ausging, ohne dass noch irgendein offizielles Dokument vorlag. Offenbar war die Einbindung von Politikern "Garant" für eine Flächenwidmung auf Zuruf.
Für die Anrainer besteht kein Schutz, ihre Anliegen werden als "Privatinteressen" abgetan, während die finanziellen Interessen der Bauträger offenbar "öffentlich" sind. Alternativen zum Wohle aller wurden nie geprüft.

Den Zentralhauptbahnhof "Europa Mitte" vermisse ich hier.

Bitte: Hauptbahnhof

Die obenstehende lächerliche Wortschöpfung kam nur aud dem Rathaus, genauer aus dem Büro des damaligen Stadtrates Schicker, der uns auch so "geniale" Bezeichnungen wie "Skywalk" für eine kleine Fußgängerbrücke über den Gürtel bescherte. Die ÖBB sprangen zum Glüc nie auf diesen Zug auf. Das Projekt um den ehemaligen Süd-und Ostbahnhof hieß immer "Hauptbahnhof Wien" und das bleibt zum Glück auch so.

Dass das Projekt knapp daneben "Eurogate" heisst ist traurig genug. Das klingt für mich wie ein Skandal.

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